Stadt schickt Touristen in den Schilderwald

Von: Oliver Schmetz
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Wo geht´s bloß lang? Das Sys
Wo geht´s bloß lang? Das System der touristischen Wegweiser in der City ist „unvollständig, unverständlich und unübersichtlich”, das sagt sogar die Stadtverwaltung. Jetzt soll alles besser werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Jahr für Jahr besuchen laut Stadtverwaltung rund 15 Millionen Tagesausflügler und Geschäftsreisende Aachen, knapp 850.000 Übernachtungen verzeichneten die hiesigen Hotels 2010, dazu kommen jährlich noch schätzungsweise 1,9 Millionen „Sofatouristen”, die privat übernachten - auf ihren Ruf als Touristenmagnet ist die Stadt stolz.

Doch die vielen Besucher, die den Weg nach Aachen finden, finden ihn in Aachen selbst oft nicht mehr. Und bislang hilft die Stadt den Ortsunkundigen auch nicht wirklich vorbildlich, sich im Straßengewirr zwischen Sehenswürdigkeiten, Kultureinrichtungen, Verkehrsknoten und Parkhäusern zurechtzufinden. Denn das touristische Wegweisungssystem für Fußgänger schickt die Touristen mancherorts in einen chaotischen Schilderwald.

Man kann es auch noch deutlicher formulieren, und das tut sogar die Stadtverwaltung selber: Das bisherige System sei „unvollständig, unverständlich und unübersichtlich”, heißt es in einer Vorlage für die nächste Sitzung des Mobilitätsausschusses (15. September, 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor).

Mängel schon 2007 festgestellt

Dass das Thema nun auf die Tagesordnung kommt, ist löblich - wird aber auch langsam Zeit. Denn schon 2007 schwante dem Verwaltungsvorstand, dass die Sache mit den Wegweisern in der City nicht das Gelbe vom Ei ist. Man vermisste unter anderem Hinweise auf diverse kulturelle Einrichtungen - zum Beispiel das Ludwig Forum -, auf das eine oder andere Parkhaus und auf die Regionalbahnhöfe. Es erging der Arbeitsauftrag, das Konzept komplett zu überarbeiten.

Ende 2008 schritt die Stadt zur Bestandsaufnahme: Ermittelt wurden neun touristische Routen mit insgesamt 67 Beschilderungsstandorten, vor allem stellte man aber etliche Mängel fest. So waren (und sind) viele Schilder falsch positioniert, zu klein oder unverständlich. Und: Jeder zweite Hinweis ist gar keiner mehr, denn zehn Prozent der Schilder sind geklaut, 39 Prozent durch Beschädigung oder Beklebung unkenntlich.

Was folgte, war eine „gezielte Überarbeitung” des Systems unter Beteiligung von Marketing, Kulturbetrieb und städtischer „Tourist Info”. In der Vorlage für die Politik ist von einem „intensiven Planungsprozess” und von „regem Meinungsaustausch” die Rede. Jetzt, vier Jahre nach dem Auftrag, liegt das Ergebnis vor.

Die neun bestehenden Routen wurden überarbeitet und sollen attraktiver und informativer gestaltet werden, vier weitere kommen hinzu. Unter anderem werden die Bahnhöfe Rothe Erde und Schanz in das Wegweisungssystem eingebunden, dazu gibt es auch Hinweise auf „Bus Stops” der Reisebusse. Die Zahl der Beschilderungsstandorte wächst demnach auf 121, die Schilder selbst sollen größer werden und vor allem einheitlich aussehen. Auf schicke Design-Lösungen wie in Bonn, Maastricht oder Lüttich verzichtet man allerdings aus Kostengründen.

Die Verwaltung schätzt die Kosten für eine sparsamere Erneuerung auf etwa 42.000 Euro, doch auch dieser vergleichsweise kleine Betrag ist im bisherigen Haushaltsplan nicht vorgesehen. Für 2012 sollen die Mittel eingeplant werden, außerdem will man prüfen, ob eine finanzielle Förderung durch Dritte möglich ist. Je nach Kassenlage sollen die touristischen Wegweiser dann Schritt für Schritt und Route für Route erneuert werden.

Wenn das geschehen ist, wird auswärtigen Besuchern künftig sogar der Weg zur Touristen-Information eindeutig gewiesen. Aktuell schickt die Stadt ihre Gäste zwar per Schild zum Elisenbrunnen, doch ist dieser Hinweis nur mit einem kleinen „i” garniert. Auf einen ausdrücklichen und wortwörtlichen Fingerzeig auf die für Aachen-Besucher nicht ganz unwesentliche „Tourist-Info” verzichtet die Stadt in ihrem bisherigen Leitsystem nämlich.
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