Stadt rückt den Bordellen auf die Pelle

Von: Matthias Hinrichs
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Das „Sträßchen“ im Visier: Die Rotlichtmeile im Herzen der City soll nach und nach verkleinert und saniert werden. Dazu hat der Planungsausschuss des Rates jetzt einen Bebauungsplan beschlossen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Allen Rahmenplanungen, aufwändigen Umbauten und ambitionierten Projekten zur Aufwertung der Innenstadt zum Trotz: Mitten in der City kann jeder, der sich traut, nach wie vor eine Art rechtsfreien Raum besichtigen, der auch optisch alles andere als gediegen anmutet. Daran haben auch die Razzien und politischen Planspiele der jüngeren Vergangenheit bislang wenig geändert.

Im „Sträßchen“, den Bordellen in der Antoniusstraße, blühen die illegalen Umtriebe. Anarchische Zustände herrschen beileibe nicht nur im Hinblick auf „gewerbliche“ Aspekte; illegale Prostitution und Menschenhandel sind einen Steinwurf vom Rathaus entfernt an der Tagesordnung.

Die Politik will daher jetzt die lange gehegten Pläne zur Regulierung und auch räumlichen Reduzierung des horizontalen Gewerbes forcieren. Zumal die baulichen Zustände im Rotlichtquartier mindestens so katastrophal erscheinen wie die Situation vieler Frauen, die ihren Körper dort anbieten.

Im Planungsausschuss des Rates ist deshalb jetzt beschlossen worden, einen Bebauungsplan für den Bereich zwischen Mefferdatis- und Kleinkölnstraße aufzustellen. Zwecks Verabschiedung einer sogenannten Sanierungssatzung soll die Verwaltung zudem weitere Untersuchungen zur Analyse der vielfältigen baulichen Defizite in den oftmals maroden Etablissements vornehmen. Allemal bestehe „dahingehend Handlungsbedarf, dass die ehemals rein zu Wohnzwecken genehmigten Gebäude (...) einem ordnungsgemäßen Wohn- und Arbeitsumfeld nicht gerecht werden“, heißt es dazu in der Vorlage mit bürokratisch-diplomatischer Zurückhaltung.

Will sagen: „Wir wollen diesen Hebel jetzt auch ansetzen, um die Situation dort langfristig zu verbessern“, erklärt der Ausschussvorsitzende und CDU-Fraktionschef Harald Baal. Einen ersten Schritt in diese Richtung kennzeichne das Bauprojekt der Mayerschen Buchhandlung an der Ecke Nikolaus-straße. Von dort aus, so Baal, wolle man weitere Ansiedlungen von durchaus bürgerlichem Gewerbe in Angriff nehmen und damit auch Platz für ebensolche Wohnungen schaffen.

Die Fraktionen im Ausschuss lobten den Ansatz der Verwaltung, der auf einem interfraktionellen Vorstoß mehrerer Ratsfrauen fußt, folglich einhellig. Und hatten deren Beschlussempfehlung im Übrigen – zunächst – nicht viel hinzuzufügen. „Die Durchführung eines Bebauungsplanverfahrens kann nicht alleine zur Lösung der Probleme im betroffenen Bereich führen“, so das Zwischenfazit. „Dieses bildet lediglich einen Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets“.

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