Aachen - Stadt kauft den Tivoli: Und dann?

Stadt kauft den Tivoli: Und dann?

Von: Stephan Mohne
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Wird wohl bald in städtischen Besitz übergehen: Der Stadtrat hat Mittwochagabend den Grundsatzbeschluss gefasst, dass die Stadt den Tivoli zum symbolischen Preis von einem Euro übernimmt. Auch ein Nutzungskonzept soll nun erarbeitet werden.

Aachen. Haste mal nen Euro? Wenn ja, dann reicht das, um ein ganzes Fußballstadion im Wert von rund 50 Millionen Euro zu kaufen. Die Stadt jedenfalls wird wohl genau diesen Euro auf den Tisch legen, wenn sie den Tivoli notgedrungen übernimmt. Der Stadtrat hat am Mittwoch bei nur einer Gegenstimme wie erwartet den Grundsatzbeschluss gefasst, dass die Verwaltung die nötigen Schritte für den Kauf in die Wege leiten soll. Die Linke enthielt sich.

Die Stadt wird dieser Schritt allerdings nicht nur den symbolischen Kaufpreis, sondern – Stand heute – zwei Millionen Euro pro Jahr kosten. Nicht eingerechnet sind Zinsen und Tilgung für die Stadionkredite, von denen die Stadt im Zuge der vergangenes Jahr beschlossenen Umschuldung rund 20 Millionen Euro übernommen hatte.

Die zwei Millionen Euro beziehen sich auf die jährliche Unterhaltung und die Betriebskosten des Stadions. Von dieser Summe herunterkommen würde die Stadt nur, wenn Alemannia Aachen dereinst wieder in höheren Fußballgefilden als Liga 4 oder 3 unterwegs und dann einen Beitrag zu diesen Kosten zu leisten im Stande wäre. Danach sieht es vorerst allerdings nicht aus. Wobei die Alternative zum jetzigen Beschluss auch nicht gerade prickelnder gewesen wäre. In diesem Fall wäre das Stadion an einen Investor für besagten Euro verkauft worden, der dann neue Konzepte hätte entwickeln können. Die Stadt aber hätte über Jahre weiterhin Zinsen und Tilgung für die Kredite zahlen müssen - und damit für ein Bauwerk, das ihr gar nicht gehört.

Also nun der städtische Stadionkauf. Wenn er über die Bühne ist, soll die Arbeit gleichwohl erst richtig beginnen. Denn es soll ein Nutzungskonzept - insbesondere von den Grünen schon länger und eindringlicher gefordert - erarbeitet werden, das dazu beitragen soll, auch ohne Alemannia etwas mehr Geld in die Kasse zu bringen, um die Millionenlast zu mindern. Im Bereich Städtebau bleibt rund um den Tivoli in diesem Zusammenhang neuer großflächiger Einzelhandel tabu. Vielmehr soll in Richtung des Sportpark-Ausbaus gearbeitet werden. Dazu soll ein Architekturbüro Planungen erarbeiten.

Zweiter Bereich ist die Vermietung. Wie bisher sollen Räume im Stadion für Seminare und Kongresse angeboten werden. Außerdem könnten Büros vermietet werden, die Alemannia nicht mehr nutzt. Das Eurogress soll ein auf „Gewinnmaximierung“ ausgelegtes Konzept erarbeiten. Auch eine gewerbliche Dauervermietung werde geprüft. Bereich drei ist dann eben Alemannia selbst - beziehungsweise die Einnahmen, die in sportlich besseren Zeiten erzielt werden können. Überdies soll nebenbei die Apag das meist verwaiste Parkhaus am Tivoli „zeitnah“ kaufen.

Allerdings hatten die Grünen vor der gestrigen Ratssitzung in der Vorlage noch dringenden Änderungsbedarf ausgemacht. So findet sich darin der Passus, dass das Nutzungskonzept auch der „Vorbereitung der kurz- bis mittelfristigen Veräußerung des Stadions an einen noch zu suchenden Investor“ dienen solle. Es sei nicht anzustreben, dass die Stadt das Stadion behalten soll. Schließlich würden die Kosten - etwa in Sachen Instandhaltung - im Laufe der Jahre weiter steigen.

Die Grünen sehen das allerdings anders. Auch sie wollen die Möglichkeit zur Beteiligung von Geldgebern bei der Umsetzung des Konzepts offenhalten. Investoren sollen dann Partner der Stadt sein und nicht Käufer. Der Rat fügte noch ein, dass eine solche Kooperation „angestrebt“ werden solle. Der Tivoli soll zudem als städtische Sportstätte nicht nur Alemannia, sondern verschiedenen Vereinen und Sportarten zur Verfügung stehen, die inklusive Alemannia für die Nutzung als Trainings- und Wettkampfstätte einen Kostenbeitrag zahlen sollen. Der Tivoli wird also wohl bald und dann für lange Zeit der Stadt gehören – ob sie will oder nicht.

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