Aachen - Stadt gibt am Boxgraben Geld und Gas

Stadt gibt am Boxgraben Geld und Gas

Von: Robert Esser
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Chaotische Verkehrsführung: Weil entlang der Baustelle am Boxgraben Geschäftseingänge versperrt und Parkplätze über mehr als anderthalb Jahre Mangelware sind, wollen Stadt und Stawag jetzt den Ladenbesitzern unter die Arme greifen und die Fertigstellung beschleunigen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das hätte wohl kaum einer für möglich gehalten: Die Geschäftsleute entlang der Mammutbaustelle Boxgraben, die seit September 2008 besteht und erst im Frühjahr 2010 fertiggestellt werden kann, dürfen mit finanzieller Hilfe von Stadt und Stawag rechnen.

Die Ladenbesitzer hatten wegen ausbleibender Kundschaft und fehlenden Parkplätzen Umsatzeinbrüche von bis zu 70 Prozent beklagt, einige Geschäftsinhaber mussten bereits Mitarbeiter entlassen.

Goswin Rongen, Inhaber der Second-Hand-Boutique „Crème Fraiche” an der Ecke Südstraße, hatte im Auftrag von einem Dutzend Leidensgenossen - vom Kiosk über Friseure bis zum Computerladen - erst Kontakt zum Bürgerbeauftragten der Stadt, dann zu Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden und zur Stawag, dann über OB-Kandidat und SPD-Landtagsabgeordneten Karl Schultheis zum Petitionsausschuss in Düsseldorf hergestellt.

Axel Costard vom städtischen Presseamt betonte nach einer nicht-öffentlichen Sitzung mit Mitgliedern des Petitionsausschusses und Entscheidungsträgern von Stadt und Stawag, dass zwar generell kein Rechtsanspruch auf Entschädigungen für die Anlieger von Baustellen bestehe: „Wenn bei jeder Baugrube Entschädigungen gezahlt werden müssten, würde keiner mehr bauen.”

Dennoch werde man den betroffenen Geschäftsinhabern nach Kräften helfen. So wollen Stadt und Stawag zum Beispiel im August ein Sommerfest als Werbemaßnahme im unteren Boxgraben mitfinanzieren, wenn der Bauabschnitt zwischen Mozartstraße und Südstraße komplett saniert ist.

„Auch in Sachen Marketing und Werbung bieten wir Unterstützung an”, sagte Costard auf Anfrage der Aachener Zeitung.

Schultheis habe zudem zugesagt, dass er bei der Sparkasse um günstige Kredite für die existenziell bedrohten Geschäftsinhaber werben wolle. Außerdem soll geprüft werden, ob das Land aus diversen Fördertöpfen Geldmittel bereitstellen kann.

Wichtigstes Ergebnis der Sitzung sei aber, dass man tatsächlich deutlich früher als ursprünglich geplant mit der Baumaßnahme fertig werde, erklärte Costard. „Wir freuen uns über jeden einzelnen Monat, den wir gewinnen”, sagte er.

Statt Juli 2010 ist das Bauende des 5,2-Millionen-Projekts nunmehr für den Anfang des kommenden Jahres vorgesehen.

Boutique-Besitzer Rongen zeigte sich nach dem Entgegenkommen der öffentlichen Hand zuversichtlich, dass man nun einen Ausweg aus dem existenzbedrohenden Drama finde. „Sonst sind wir pleite, wenn der schöne Boxgraben fertig ist”, erklärte Wilfried Hantke von einem benachbarten Friseurgeschäft.

Seine Kollegin Andrea Münster vom Salon Haarlekin kann wegen der Einbußen dieses Jahr nur eine statt drei Auszubildende finanzieren.

Zwei Mitarbeiterinnen mussten auf Kurzarbeit gesetzt werden. Und Sonnenstudio-Chef André Esser betonte, dass man Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent kaum noch durchhalten könne.

Sogar in der Mozart-Apotheke häuften sich die Beschwerden: „Geh- und sehbehinderte Kunden sowie Senioren, die auf einen Rollator angewiesen sind, finden kaum einen Weg durch die gefährliche Baustelle”, sagte Mitarbeiterin Doris Muckel. Bis zu 50 Prozent weniger Kundschaft zählt die Pharmazeutisch-technische Assistentin. Die Hilfe von Stadt und Stawag sei dringend nötig und sehr zu begrüßen, hieß es. Sonst sieht es am Boxgraben bald so aus wie in der Südstraße. Da stehen schon sechs Ladenlokale leer...
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