Stadt erwartet 170 Flüchtlinge pro Monat

Von: Oliver Schmetz
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Bunte „Spaceboxen“: In 52 solcher Einzimmerwohnungen werden ab nächster Woche in der Löwenstein-Kaserne bis zu 80 Flüchtlinge untergebracht. Foto: Michael Jaspers
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Hausmeister Said Achammami und Sozialarbeitern Lea Starmans kümmern sich um die Bewohner. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Von außen erinnern die bunten Behausungen ein klein wenig an ein Feriendorf, innen dagegen schaut es ziemlich spartanisch aus: Schrank, Bett, Tisch, zwei Stühle, Spüle, Kühlschrank, zwei Kochplatten, Nasszelle. Aber es ist alles da, was man braucht, und vor allem garantieren die kleinen Wohncontainer eines: Privatsphäre.

„Das ist sehr wichtig“, freut sich Sandra Knabe vom städtischen Fachbereich Soziales und Integration darüber, dass in Aachen zurzeit vermehrt Flüchtlinge aus großen und eng belegten Gemeinschaftsunterkünften in kleinere Einheiten verlegt werden können. Dabei helfen die 52 „Spaceboxen“ sehr, die jetzt auf einem Grundstück der Löwenstein-Kaserne am Kornelimünsterweg in Burtscheid bezugsfertig sind. „Hier können die Menschen selbstständig und für sich leben“, sagt die Abteilungsleiterin für Übergangsheime. Alleinstehende, aber auch Alleinerziehende und Schwangere sollen ab Mittwoch kommender Woche die kleinen Einzimmerwohnungen belegen.

Zu einer solchen Verbesserung der Wohnsituation von Flüchtlingen in Aachen trägt auch bei, dass Aachen seit März keine neuen Flüchtlinge mehr zugewiesen worden sind. „Im Herbst und im Winter mussten wir viele Leute schnell unterbringen, jetzt können wir einiges abarbeiten“, sagt Knabe. Und Vera Ferber, kaufmännische Geschäftsführerin des städtischen Gebäudemanagements, ergänzt, dass es erklärtes Ziel sei, möglichst viele Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen. Da seien die „Spaceboxen“ zwar nicht unbedingt erste Wahl gewesen, aber dennoch für die „temporäre Unterbringung“ gut geeignet.

Allerdings dürfte es bald schon wieder enger werden bei der Suche nach Wohnraum für Flüchtlinge in Aachen. „Wir rechnen damit, dass der Flüchtlingsstrom nicht abreißen wird und wir sehr bald wieder Zuweisungen erhalten werden“, sagt Sozialdezernent Professor Dr. Manfred Sicking. Die Verwaltung gehe dabei bis Jahresende von 170 zusätzlichen Schutzsuchenden pro Monat aus. „aber wir werden es schaffen, die Flüchtlinge adäquat in Aachen unterzubringen“, verspricht der Dezernent.

268 Plätze fehlen

Dafür muss allerdings noch einiges passieren. Denn aktuell beziffert die Stadt den Fehlbedarf bis Jahresende auf 268 Plätze. Denn es kommen nicht nur neue Flüchtlinge hinzu, sondern es fallen auch derzeit belegte Wohnplätze wieder weg. Auf exakt 416 Plätze beziffert die Stadt diesen „Schwund“ bis zum Ende des Jahres – in einem Wohnhaus in der Süsterfeldstraße, in der Schule am Kirchberg, in der Körner-Kaserne sowie in Einzelwohnungen.

Aktuell leben in den städtischen Unterkünften in Aachen laut Stadt 2541 zugewiesene Flüchtlinge, davon 879 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften, 317 in Einrichtungen mit abgeschlossenen Wohnungen und 1345 in Einzelwohnungen. Hinzu kommen knapp 600 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und 175 Landesflüchtlinge in der Einrichtung am Westbahnhof.

845 zusätzliche Plätze sollen bis Ende des Jahres belegbar sein, um dennoch eine Gesamtkapazität von knapp 3300 Plätzen zu erreichen. Geschaffen werden sollen sie in einem Gebäude an der Debyestraße, wo 60 Menschen leben können, in bereits belegten Objekten an der Werkstraße und der Peterstraße, in der Tempelhofer Straße, der Sigmundstraße, in sechs Einfamilienhäusern in der Raafstraße sowie in angemieteten Wohnungen. Auch gleich in der Nähe der Löwenstein-Kaserne in Burtscheid, auf dem Sportplatz Adenauerallee sind mobile Unterkünfte fast fertiggestellt. Und direkt neben den 52 „Spaceboxen“, die am Freitag vorgestellt wurden, ist noch Größeres geplant: ein zweigeschossiger Containerkomplex auch mit größeren Wohneinheiten für insgesamt 220 weitere Menschen. Allerdings sei die Umsetzung dieses Plans bis zum Jahresende laut Stadt aktuell fraglich, weil sich der Verkäufer „in Bezug auf Lieferung und Leistung im Verzug“ befinde – womit es für die Stadt nochmals enger werden könnte.

Notfalls wieder in Turnhallen

Sandra Knabe sagt dazu, dass man weiter nach Optionen in städtischen Gebäuden suche, aber auch in Verhandlungen stehe über die Nutzung von Gewerbeimmobilien oder von Gebäuden des Landes und des Bundes. Und für den Notfall habe man noch 300 Plätze in der Turnhalle der Körner-Kaserne und im Neuen Kurhaus (siehe Info-Box) in der Hinterhand. Und sollte es so schlimm werden wie im vorigen Spätsommer, gibt es laut Stadt noch eine letzte Option: Zwar freut man sich sehr, dass keine Turnhalle mehr belegt ist, aber das kann sich schnell ändern. Zur Not könnten die Turnhallen in der Königstraße, Reumontstraße, Vetschauer Straße und Peliserkerstraße „problemlos innerhalb von acht bis 14 Tagen für Flüchtlinge hergerichtet und möbliert werden“, so die Stadt.

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