Aachen - Stadt beschert Roncalli keine „guten Zeiten“

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Stadt beschert Roncalli keine „guten Zeiten“

Von: Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
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Eins der Plakate, das in der Stadt nicht hängen darf: Roncalli-Chef Bernhard Paul und eine Artistin des aktuellen Programms „Gute Zeiten“, Myroslava Ruzhko, am Freitag bei der Vorstellung in Aachen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Aachen und Roncalli – das ist eine ganz besondere Geschichte. Vor 25 Jahren gastierte der Zirkus von Bernhard Paul das erste Mal in der Stadt. Seitdem wurde jedes Programm in Aachen gezeigt. Während der Gastspiele am Blücherplatz wurde die Bushaltestelle dort sogar eigens in „Roncalli“-Bushaltestelle umgetauft.

Diese enge Verbindung von Stadt und Zirkus scheint es nicht mehr zu geben. In zwei Wochen schlägt Roncalli nach vier Jahren Abstinenz am Bendplatz seine Zelte mit seinem neuen Programm „Good Times“ (Gute Zeiten) auf. Doch für Bernhard Paul brechen in Aachen bislang keine guten Zeiten an. Anders als vor vier Jahren ist im Stadtbild fast nirgendwo zu erkennen, dass der Zirkus kommt. Das liegt an einem freundlichen, aber bestimmten Brief von der Stadt.

Die Verwaltung setzt gegenüber Roncalli lediglich das durch, was auch alle anderen Kulturtreibenden inzwischen kennengelernt haben: die Aachener Straßensatzung. Und die sieht vor, dass Werbung am Straßenrand nur über die Partner der Stadt möglich ist. „Das kommt fast einem Berufsverbot gleich“, ärgerte sich Bernhard Paul am Freitag nach der Pressekonferenz zur Roncalli-Premiere in Aachen.

Das Thema kennt er von allen Gastspielen. Alle Städte hätten ihre Werbeflächen an die großen Plakatwerber verkauft und dabei die Einschränkung vergessen, dass die örtliche Kulturwerbung in städtischer Hand bleiben dürfe. Paul ärgert sich für seinen Zirkus, aber vor allem im Namen derer, die immer in der Stadt aktiv sind.

Den kleinen Kultureinrichtungen, Theatern und Konzertanbietern würden pausenlos die Zuschüsse gestrichen, „dann muss man sie wenigstens plakatieren lassen“. Alles andere sei „nicht fair“. Abgesehen davon, dass freie Initiativen und nicht-subventionierte Kulturanbieter die Plakatflächen der großen Anbieter „einfach nicht bezahlen können“, seien diese teils zwei Jahre im Voraus ausgebucht. Roncalli hatte bis Freitag Zeit, seine rot-goldene Werbung aus dem Stadtgebiet zu entfernen, ansonsten werde die Stadt das kostenpflichtig für Roncalli übernehmen, heißt es in dem Schreiben. 

Bei der Stadt war am Freitag für eine Stellungnahme niemand zu erreichen. Im Fall des privaten Plakatierers Hubert Patschorke, der Hauswände nun nicht mehr für seine Zwecke anmieten darf, hatte die Stadt diese Woche mitgeteilt: Sie greife bei der Sondernutzung des öffentlichen Straßenraums als Anschlagfläche konsequent durch – „für mehr Sauberkeit in Aachen“.

Das kann Bernhard Paul in seinem Fall nicht nachvollziehen. Schließlich würde er zusichern, dass nach dem Gastspiel alle Plakate restlos wieder verschwinden würden. Er hofft, dass sein Zirkus trotzdem auf viel Resonanz bei den Aachenern stößt. „Ausschließlich neue Nummern“ seien zu sehen. Den Zuschauer erwarte eine bunte Mischung aus Kleinkunst, Theater, Pantomime und Akrobatik, das die Gefühle der Zuschauer anspreche. Gleich vier Clowns werden der Vorstellung ihren Rahmen geben. „Bei Roncalli ist halt vieles ein bisschen anders“, sagte Paul. „Am besten, Sie schauen es sich selbst an.“ So wird eine Liebesgeschichte mit atemberaubender Akrobatik an vier Reckstangen erzählt. Ein Pantomime lässt den Zuschauer die Illusion erleben, dass ein Mensch gleich zwei Köpfe hat, die miteinander in einen Dialog treten. Ein Schattenspieler zaubert seine Bilder in der Manege mittels einer Laterna-Magica-Konstruktion auf einem Fahrrad ins Zirkusrund.

Besonders stolz ist Paul auf seine drei Kinder, die rasante Rollschuh-Akrobatik zwei Jahre heimlich am Papa vorbei geprobt haben. „Sie wissen doch, Väter haben immer Angst um ihre Kinder.“ Nun rollen Vivian, Adrian und Lili Paul in die Manege und lassen  ein fast ausgestorbenes Genre wieder aufleben.

Bernhard Paul selbst wird dieses Mal nicht in der Manege zu sehen sein. Er ist mit den Vorbereitungen des 40. Roncalli-Jubiläums im nächsten Jahr beschäftigt. Auch das Programm soll in Aachen zu sehen sein. Vielleicht brechen dann an der Plakatfront wieder gute Zeiten an.

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