Staatsanwalt fordert 15 Jahre Haft für Sven W.

Von: Wolfgang Schumacher
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oppenhoffallee
Mit tiefen Messerstichen in die Herzen seiner Opfer soll Sven W. eine 71-jährige Frau und einen 55-jährigen Mann getötet haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Geht es nach dem Willen von Oberstaatsanwalt Alexander Geimer, soll der Aachener Sven W. (32) für 15 Jahre in Haft. W. hatte die Tötung einer 71-jährigen Frau am Vormittag des 7. Mai in der Oppenhoffallee gestanden und ist für das brutale Niederstechen eines 55-jährigen Mannes am darauf folgenden Tag in der Kongressstraße verantwortlich.

Die 15 Jahre soll er wegen zweifachen Totschlags absitzen, beantragte Geimer in seinem Plädoyer vor dem Aachener Schwurgericht. „Man muss bedenken“, sagte der Staatsanwalt, „dass hier mit großer krimineller Energie gehandelt wurde“. Geimer habe rein gar nichts gefunden, was für den Angeklagten spreche.

W. hatte angegeben, sich an beide Taten kaum noch erinnern zu können, da er am Tag selber starke Entzugserscheinungen gehabt habe. Bei der 71-Jährigen in der Oppenhoffallee pflegte der arbeitslose Altenpfleger seinen Bedarf an dem beruhigenden Psychopharmakon Diazepam (bekannter Handelsname „Valium“) zu kaufen. Sie schien ihm das an diesem Morgen verweigerte zu haben, denn er stach sie mit einem Küchenmesser nieder.

Ähnlich verlief die Tat am nächsten Tag in der Kongresstrasse, als er einen ebenfalls abhängigen Bekannten aufsuchte. Auch den stach er nieder, die Gründe könne er sich selber bis heute nicht erklären. Das versuchte am Mittwoch die psychiatrische Sachverständige Kon­stanze Jankowski (Köln). Die forensische Gutachterin machte deutlich, dass das Zusammenspiel der von W. über einen langen Zeitraum eingenommen Drogen – der groß gewachsene Mann nahm neben den Tabletten zum Aufputschen Kokain und trank obendrauf Alkohol – durchaus zu einem nicht mehr steuerbaren Ausrasten führen könne.

Die Botschaft an die Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann: Die Anwendung des Paragrafen 21 des Strafgesetzbuches, in dem die Bedingungen für eine eingeschränkte Schuldfähigkeit eines Täters geregelt sind, seien hier anwendbar und vor allem in den beiden vorliegenden Fällen nicht auszuschließen.

So war es für die Verteidiger Rainer Dietz und Osama Momen (Aachen) klar, dass das staatsanwaltschaftliche Strafmaß zu hoch sei. Ihr Mandant sei therapiewillig und bereue die Tat sehr, die er in einem Zustand verminderter Steuerungsfähigkeit begangen habe. Und er habe, so Dietz weiter, niemandem etwas vorgemacht, er wisse einfach nicht mehr, was er getan habe. Seine Drogenabhängigkeit sei der eigentliche Grund für die Tat, nicht sein Charakter. Die Anwälte beantragten zehn Jahre Haft und sofortige Therapie. Das Urteil wird am 14. Januar gesprochen.

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