St. Laurentius: Pfarrer Jansen tritt ab

Von: Stephan Mohne und Matthias Hinrichs
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Nahm gestern überraschend Abschied: Wilhelm Jansen verkündete am Sonntag, dass er sein Amt nach 35 Jahren als Pfarrer in St. Laurentius zurückgeben will. Foto: Michael Jaspers

Laurensberg. Völlige Stille herrschte zum Ende des Gottesdienstes in St. Laurentius. Ungefähr eine Minute lang, wie eine Besucherin sagt. Dann setzte der Applaus ein. Und die Menschen erhoben sich. Sichtlich betroffen und voller Anerkennung für das, was Wilhelm Jansen in 35 Jahren für die Gemeinde geleistet hat.

Am Sonntagmorgen hat der 73-jährige Pfarrer verkündet, dass er nicht mehr Pfarrer sein kann. „Es war wie ein Schock”, sagt ein Gemeindemitglied. Denn auch wenn es bereits zuvor das eine oder andere Anzeichen für einen Abschied des hoch angesehenen Pfarrers gegeben habe, so sei der Zeitpunkt völlig überraschend gekommen.

„Das fällt mir sehr schwer, und ich habe mir diese Entscheidung alles andere als leicht gemacht”, sagte Jansen am Nachmittag hörbar bewegt gegenüber unserer Zeitung. „Aber meine Kräfte gestatten es mir nicht mehr, die Aufgabe so auszufüllen, wie ich es für richtig erachte”, so Jansen.

Vor allem habe er dies im vergangenen Jahr gemerkt. Jansen musste sich auch Krankenhausaufenthalten unterziehen. Ganz verabschieden möchte er sich nach eigenen Worten allerdings nicht von der Arbeit in St. Laurentius: Gerne würde er seelsorgerisch weiter tätig sein. Und auch der große und weithin bekannte Chor liegt ihm sehr am Herzen.

Jansen kam in einer nicht gerade leichten Zeit nach Laurensberg. Denn 1975 war die 1218 erstmals urkundlich erwähnte, im 15. Jahrhundert und 1912 neu erbaute Kirche Opfer eines Feuers geworden. Sie musste wegen der enormen Schäden zunächst geschlossen werden. An der Gestaltung des neuen Innenraums durch Professor Erich Heyne wirkte Wilhelm Jansen bereits tatkräftig mit. Tatkräftig mischte er sich auch in die Belange Laurensbergs ein, auch in politischer Hinsicht - so etwa als vehementer Kritiker des „Sandhäuschen”-Abrisses.

Leichte Zeiten sind es auch jetzt nicht, die die Gemeinden durchleben. St. Laurentius gehört nach der Umstrukturierung im Bistum zur Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Aachen-Nordwest. Diese GdG hat vor gerade einmal einem Monnat bereits einen Pfarrer verloren. Anfang September hatte Hubertus Deuerling den Bischof um Entpflichtung von seinen Aufgaben als Diözesanjugendseelsorger und Pfarrer gebeten. Heinrich Mussinghoff hatte der Bitte entsprochen.

Und mit Wolfgang Acht (65), der 21 Jahre an St. Jakob tätig war, hatte im Juni ein weiterer beliebter Pfarrer seinen Abschied verkündet und dies damit begründet, an körperliche Grenzen zu stoßen. Seit Januar ist er für vier fusionierte Gemeinden im Bereich Aachen-West zuständig, Ende Oktober hält er nach seinerzeitigen Planungen seinen Abschiedsgottesdienst.

„Da nun zwei Pfarrer ihren Abschied nehmen, wird die Lage schon sehr ernst”, sagt Holger Brantin, Mitglied im Rat des Kirchengemeindeverbandes Aachen-Nordwest. Denn die Aufgaben auch von Wilhelm Jansen wird nun möglicherweise Josef Voß als Pfarrer von St. Martinus Richterich mit übernehmen. Das war dereinst ohnehin so vorgesehen, nicht aber der Zeitpunkt. Schließlich habe Voß auch noch eine ganze Menge Aufgaben als Regionaldekan - eine Aufgabe, die auch Wilhelm Jansen einst wahrnahm - zu bewältigen.

Auch Voß zeigte sich am Nachmittag überrascht vom Rücktritt seines langjährigen Kollegen und guten Freundes. „Allerdings war schon länger klar, dass Wilhelm Jansen in Kürze sein Amt zurückgeben würde”, sagte er. „Wir verlieren mit ihm einen hochengagierten Priester. Natürlich respektiere ich seine Entscheidung. Er hat eine Ära in Laurensberg geprägt.”
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