Spritzen und Flaschen unter den Klettergeräten

Von: Hans-Peter Leisten
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Im Einsatz zur Entmüllung der Barbarastraße: Rolf-Leonhard Haugrund, Petra Savelsberg und ihr Mann Leo (rechts). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein leichter Hauch von Ironie ist nicht zu überhören, als Rolf-Leonhard Haugrund sagt: „Da spielt ja tatsächlich ein Kind.” Natürlich freut er sich darüber, aber wirklich intensiv genutzt wird der Spielplatz an der hinteren Barbarastraße nicht.

Und dieser Eindruck scheint symptomatisch für die Situation an der Straße. Eine Grundschule, eine Kita und ein Kinder- und Jugendhaus findet man hier, zwei Spielplätze zudem. Und doch wirkt die Szenerie atmosphärisch tot. Und das ärgert Haugrund massiv. Der Mann ist Verwaltungschef des Marienhospitals beziehungsweise der entsprechenden Stiftung in Burtscheid.

Aber als Ehrenamtler hat er sein Herz an die Barbarastraße verloren. „Ich möchte so etwas wie der Schirmherr dieses Viertels sein”, sagt er kurz, aber bezeichnend. Er spricht bewusst nicht vom Viertel „Rothe Erde” - das gebe es nicht. Er spricht vom „Barbaraviertel”, so könne man eine Identität schaffen. Und das sei wichtig, um die Lebensqualität zu verbessern und die überlebenswichtigen Jugendeinrichtungen dort zu sichern.

Umso glücklicher ist Haugrund, dass er bei seinem Ansinnen engagierte Mitstreiter gefunden hat. Vor allem in Petra Savelsbergh, der Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der Kinder und Jugendlichen im Stadtteil Rothe Erde e.V. Sie hat den Blick auf die Missstände gerichtet, aber auch darauf, wie der Hebel zur Verbesserung angesetzt werden kann. Die Spielplätze hinterlassen ein ambivalentes Gefühl.

Die Spielgeräte sind toll, kindgerecht, in gutem Zustand und geeignet, kindliche Abenteuerlust auszuleben. Aber auf den Bänken stehen - fast wie inszeniert - Wodka- und Bierflaschen. Überall liegen Scherben herum. Und oft auch Spritzen als gefährliche Hinterlassenschaften von Drogenkonsum. Wieder sagt Haugrund ironisch: „Die können wir eigentlich abmontieren...”

Sein Blick fällt auf Mülleimer. Die sind leer, Abfälle liegen auf Spielplätzen und im Straßenraum. Ein Schandfleck ist die Unterführung unter dem Berliner Ring. Hier hatten Kinder in einem Projekt liebevoll Motive auf die Betonwände gemalt. Heute sind die Bilder nur schwer unter einem Gewirr von Schmierereien zu entdecken. Die transportieren pseudo-politische Botschaften unterster Schublade.

All´ diese Eindrücke zeugen von fehlendem Gemeinsinn - betonen Savelsbergh und Haugrund: „Denn eigentlich ist es hier sehr schön.” Diesen schönen Kern des Barabaraviertels möchten die Protagonisten im Rahmen einer „Müllaktion” herausarbeiten. Dabei geht es ums Entmüllen. Nachhaltiger soll aber das gemeinsame Arbeiten sein, damit die Menschen rund um die Barbarastraße das Herz für ihr Viertel entdecken.

Die „Müllaktion” des Vereins zur Förderung der Kinder und Jugendlichen findet statt am Freitag, 10. September, ab 14 Uhr. Treffpunkt ist am Kinder- und Jugendhaus an der Barbarastraße 6. „Dort werden alle Helfer mit Besen, Mülltüten und Handschuhen ausgestattet”, beschreibt Vereinsbvorsitzende Petra Savelsbergh. Sie hofft, dass möglichst viele Bürger - gleich welchen Alters - mitmachen. Willkommen sind aber auch „Auswärtige”. Für Verpflegung wird gesorgt. Die Freiwillige Feuerwehr hat ihre Mitarbeit zugesagt. Wer Interesse am Förderverein hat, kann sich wenden an die Vorsitzende Petra Savelsbergh, unter 02408/920762 oder an petra.savelsbergh@gmx.de per Mail; sie gibt auch Infos zu einer Mitgliedschaft. Selbstverständlich kann man auch Spenden überweisen auf das Konto 1071752420 bei der Sparkasse Aachen (BLZ 39050000).
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