Aachen - Sprit bis zu 13 Cent günstiger: Freie Anbieter sorgen für Warteschlangen

Sprit bis zu 13 Cent günstiger: Freie Anbieter sorgen für Warteschlangen

Von: Robert Esser
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Lupenreiner Sparkurs: Montags
Lupenreiner Sparkurs: Montags stehen die Autofahrer auf der Roermonder Straße für Billig-Sprit teils bis kurz vors Ponttor an. Foto: Robert Esser

Aachen. Diesen Stau billigen Aachens Autofahrer - und viele Holländer - offenbar liebend gerne. Sie nehmen ihn freiwillig in Kauf. Denn nach bis zu 40 Minuten Wartezeit fließt hier - stundenlang - der günstigste Sprit der Stadt.

Der Stau führt vor allem montags über hunderte Meter: zum Beispiel zu einer Freien BFT-Tankstelle an der Roermonder Straße.

Es ist kurz nach 11 Uhr. An der Markentankstelle direkt nebenan ist keine einzige Zapfsäule belegt. Hier kostet Super neun Cent mehr. Anneliese Frings steckt lächelnd einige Meter weiter, beim markenlosen Konkurrenten BFT, den Rüssel in den Tank ihrer Limousine: „So macht das Spaß. Bei meinem 90-Liter-Tank spare ich acht Euro pro Volltanken. Da lohnt sich doch die Wartezeit”, sagt die Rentnerin.

Und im Kassenhäuschen bestätigt Tankwart Markus Holl: „Ja, seit einigen Wochen ist hier sonntags und vor allem montags die Hölle los. Unsere Zentrale - Rheinland-Kraftstoff in Gelsenkirchen - schaltet die Preisuhren grundsätzlich einige Stunden später hoch als die Marken-Konkurrenz”, erklärt er. „Warum der Preisunterschied teils bis zu 13 Cent beträgt, weiß ich aber auch nicht.”

Den Kunden freuts. Die Schlange an der Roermonder Straße wächst rasant. Und der Verkehrsfluss schwächelt wegen der blockierten Fahrspur. Damit steigt die Unfallgefahr. Einige Blechschäden habe es in den vergangenen Wochen bereits gegeben, heißt es - meist Auffahrunfälle.

Noch gefährlicher sind aber offenbar hausgemachte Folgen: So würden etwa jeweils vier Autos im Zwei-Minuten-Takt betankt. Bis das Benzin ausgeht. Dann droht wirklich Ungemach. Auch sobald die Rheinland-Kraftstoff-Zentrale gegen 14 oder 16 Uhr die Preise an der Anzeigetafel ferngesteuert steigen lässt. „Wenn Autofahrer schon eine halbe Stunde in der Schlange stehen und vor ihren Augen die Preise klettern, werden sie ziemlich sauer”, räumt Moll ein.

Die BFT-Mitarbeiter ärgert, dass zwar rekordverdächtig viele Kunden kommen, aber außer Sprit kaum etwas Umsatz macht. „Falls sich hier einer zu lange im Shop nach Brötchen oder Zeitschriften umsieht und dadurch draußen die Schlange blockiert, geht das Hupkonzert los.”

Den „Farbengesellschaften” - wie Aral, Shell und Esso - treibt das Billig-Geschäft vor ihrer Nase die Zornesröte ins Gesicht. „Bei solchen Preisunterschieden kann ich den Kunden zwar keinen Vorwurf machen. Doch mein Umsatz leidet erheblich unter ausbleibendem Publikumsverkehr im Tankstellen-Shop”, sagt ein Nachbar. Mit Öl, Illustrierten, Getränken und Fastfood verdient manch ein Pächter mittlerweile mehr Geld als durch Benzin-Verkauf. Da seien die Gewinnmargen zu knapp.

Esso-Sprecherin Gabriele Radke will das auf Anfrage der AZ so nicht stehen lassen. Die Hamburger Zentrale richte sich bei der Preisgestaltung am Montagmorgen ausschließlich nach den Vorgaben, die die nach der Wochenendpause wieder geöffnete Rotterdamer Rohöl-Börse vorgebe. „Diesen Preis geben wir dann zunächst unseren 1200 deutschen Tankstellen vor, die darauf örtlich noch reagieren können”, sagt die Pressesprecherin aus Hamburg.

„Wir erhöhen die Preise grundsätzlich später als die Markenkonkurrenz”, sagt indes Rheinland-Sprecher Hendrik Hirsch. „Allerdings sollte der Preisvorteil zur Markenkonkurrenz im Schnitt nicht mehr als ein Cent betragen”, erklärt er. Aachen sei da wohl irgendwie ein Sonderfall - nicht nur wegen der Grenznähe.
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