Sprengstoff und Hetze: Neonazis angeklagt

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Die Aachener Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage gegen zwei 20 und 25 Jahre alte Männer aus der Aachener Neonazi-Szene erhoben.

Sie sollen bei einer Demo von Rechtsextremen am 1. Mai im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg versucht haben, einen Sprengstoffanschlag zu verüben. Zudem stehen beide im Verdacht, mehrere Gebäude und Objekte in Aachen, darunter die Mauer am Jüdischen Friedhof an der Lütticher Straße, beschmiert zu haben.

Zurzeit ist der 20-Jährige aus Richterich in Köln inhaftiert. Er war erst im August von der Jugendkammer des hiesigen Landgerichts zu vier Wochen Arrest verurteilt worden, weil er zwei junge Männer, die er als „Linke” identifiziert haben wollte, attackiert und verletzt hatte. Der ältere Täter sitzt momentan in der JVA Aachen ein. „Wir gehen davon aus, dass das Verfahren im Laufe der ersten Hälfte des kommenden Jahres eröffnet wird”, erklärte Dr. Jost Schützeberg, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage.

Bei besagter Neonazi-Kundgebung zum Tag der Arbeit hatte die Polizei Sprengsätze aus Splittern und Silvesterböllern sichergestellt, die der 20-Jährige kurz zuvor offenbar aus Angst vor Entdeckung weggeworfen hatte. Beide Männer werden verdächtigt, die explosiven Cocktails hergestellt und zum Einsatz gegen Polizisten oder Gegendemonstranten mit sich geführt zu haben.

Beide sollen zudem Anfang August den Jüdischen Friedhof mit Nazi-Symbolen und volksverhetzende Parolen verunstaltet haben. Außerdem beschmierten sie Parteibüros der Grünen und der Linken sowie eine Werbetafel am Zeitungsverlag Aachen. Der damals noch 19-Jährige war am 1. September, der 25-Jährige drei Wochen darauf festgenommen worden. Im Zuge der Festnahmen waren zwei geplante Neonazi-Aufmärsche in Dortmund sowie am geplanten Moschee-Standort in der Stolberger Straße von der Polizei zunächst verboten, dann jedoch per Gerichtsbeschluss genehmigt worden.

Die beiden Angeklagten äußerten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Inzwischen, so Schützeberg, hat der Jüngere allerdings zu Protokoll gegeben, er habe den Sprengkörper „spontan” fabriziert und sich über Konsequenzen „nie Gedanken gemacht”. Im äußersten Fall drohen den mutmaßlichen Tätern bis zu fünf Jahre Haft.
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