Aachen - „Sport alleine reicht heute nicht mehr“

„Sport alleine reicht heute nicht mehr“

Von: Holger Richter
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Über den Besuch von Eva Hoffbauer (links) und Magdalena Düren freuen sich viele CHIO-Besucher, denn dann haben sie in den Turnierpausen etwas zu tun – und wenn es nur das Ausfüllen eines Fragebogens ist. Mit den dabei erhobenen Daten will der ALRV erfahren, was sein Publikum interessiert und was nicht, von wo es nach Aachen kommt und vor allem, warum. Foto: Harald Krömer
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Dr. Hans Stollenwerk leitet die Zuschauerbefragungen beim CHIO. Fotos (2): Holger Richter Foto: Holger Richter
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Mit diesem Fragebogen wenden sich die Studenten an die CHIO-Besucher. Foto: Holger Richter

Aachen. Als „Pausenengel“ hat sie noch niemand bezeichnet, aber Eva Hoffbauer und Magdalena Düren spielen beim CHIO derzeit so etwas ähnliches.

Zum Beispiel Donnerstagnachmittag im Dressurstadion: „Eine ältere Dame hat sich so gefreut, als wir kamen“, berichtet Eva Hoffbauer, „da hat sie gleich angefangen zu erzählen, dass sie schon seit Jahren zum Turnier kommt und dass ihr die Atmosphäre hier so gefällt.“

Szenen wie diese erleben die beiden jungen Studentinnen häufiger, wenn sie im Auftrag des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) und der Deutschen Sporthochschule durch die Zuschauerreihen in der Soers laufen und ihre Fragebögen verteilen, denn: „Die meisten Zuschauer sind froh, wenn sie in den Pausen etwas zu tun haben“, sagt Magdalena Düren.

Die beiden arbeiten in einem rund 20-köpfigen Team am Donnerstag, Freitag und Samstag auf dem Turniergelände für Dr. Hans Stollenwerk und Dr. Karen Petry und befragen das CHIO-Publikum mittels eines dreiseitigen Fragebogens. Darauf werden Dinge abgefragt wie Alter, Schulabschluss, Länge des Anfahrtsweges, Begleitung, Bezug zum Reitsport, Einstellung zum CHIO und dergleichen Dinge mehr. Denn mit diesen erhobenen Daten möchte der ALRV sein Publikum besser kennenlernen.

Dabei kennt er es schon ziemlich gut, denn seit dem Jahr 2000 lassen die Turnierverantwortlichen in der Regel alle zwei bis drei Jahre diese Daten erheben. Seit Beginn dabei ist Dr. Hans Stollenwerk. Der Kontakt zu dem renommierten Wissenschaftler der Sporthochschule Köln ist über eine persönliche Bekanntschaft mit CHIO-Vermarkter Michael Mronz zustande gekommen.

Und nach den bisherigen Befragungen – die bislang letzte hat es 2013 gegeben – kann Stollenwerk feststellen: „Die Publikumsforschung hier in Aachen läuft optimal. Dagegen sind so manche Fußball-Bundesligisten Waisenknaben, was die Zuschauerbefragungen angeht.“

Seit 44 Jahren sei er in diesem Bereich tätig, sagt Stollenwerk, in dieser Zeit habe sich das Sportpublikum sehr verändert. „Und keiner hat es so gut begriffen wie der ALRV, dass Sport alleine für eine erfolgreiche Veranstaltung heutzutage nicht mehr reicht.“ Wobei der Spitzensport natürlich der Kern der Veranstaltung bleiben müsse, aber hinzu kämen Dinge wie Unterhaltung, Gastronomie, Glamour und ganz viel Service. „Das haben die Aachener beim CHIO ziemlich perfekt gelöst“, sagt Stollenwerk.

Positive und negative Aspekte

Auch dank seiner Daten. Denn in seinen Befragungen bekämen die Zuschauer auch die Möglichkeit, positive aber auch negative Aspekte am Turnier zu äußern. „Manchmal sind es ganz banale Dinge wie eine zu lange Schlange vor der Damentoilette oder ein fehlendes Geländer an einem Tribünenaufgang“, berichtet der 68-Jährige, aber auch darauf werde in der Soers geachtet. „Und wenn ich dann zwei Jahre später wiederkomme, zeigt mir Turnierdirektor Frank Kemperman die neu gebauten Toiletten.“

Die Daten der aktuellen Befragung will Stollenwerk dem ALRV und der Aachener Reitturnier GmbH (ART) im Herbst vorlegen. Sie versprechen sich davon, den Einfluss der Reit-EM auf die Publikumsstruktur des CHIO zu erkennen. Bis dahin werden Eva Hoffbauer und Magdalena Düren noch einigen Zuschauern die Pausen mit ihren Fragebögen verkürzen.

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