Aachen - Sponsoring überschreitet Grenzen

Sponsoring überschreitet Grenzen

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mit einem so an Aachens Schulen einmaligen Video-Konferenzraum will das Gymnasium St. Leonhard Grenzen überschreiten. Denn die Schüler sollen hier dank modernster Technik mit Schülern des Sophianium im niederländischen Gulpen in Bild und Ton zweisprachig zusammenarbeiten.

Sozusagen Hand in Hand, auch wenn die beiden Schulen 16,3 Straßenkilometer trennen. Doch gibt es Bedenken, dass das Innenstadtgymnasium mit diesem Raum eine ganz andere Grenze überschreitet: Finanziert wird das Projekt - wenn der Rat der Stadt ähnlich zustimmt wie der Schulausschuss - nämlich nicht nur von Städtebaufördermitteln des Landes, sondern auch durch zwei Sponsoren. Dies sind die Regio IT und die NetAachen GmbH. Ein entsprechender Vertrag liegt vor. „Das ist der erste Vertrag dieser Größenordnung mit einem Sponsor an einer Schule”, sagt Karl-Josef Mathar für das Schulamt.

Das Sponsoring umfasst eine Geldspende (6000 Euro für den Förderverein der Schule) ebenso wie Projektmanagement, Lizenzierungen für maximal 1000 Schüler, Internetanbindung und allerlei Hightech im Gesamtwert von 28694,40 Euro.

Für die Schule hat der Raum aber vor allem pädagogischen Wert. Laut Schulleiter Stefan Menzel werden seine Schüler hier Niederländisch sprechen. Und die Niederländer Deutsch. Doch ist es Paragraph 3 des Schulsponsoringvertrages, der kritische Stimmen laut werden lässt. Überschrieben ist er mit „Gegenleistung”, angeführt ist, dass sich die Schule zu Schulsponsoring-Hinweisen verpflichtet. Geregelt sind die in Paragraph 99 des NRW-Schulgesetzes. Dort steht wörtlich: „Schulen dürfen zur Erfüllung ihrer Aufgaben für den Schulträger Zuwendungen von Dritten entgegennehmen und auf deren Leistungen in geeigneter Weise hinweisen (Sponsoring), wenn diese Hinweise mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule vereinbar sind und die Werbewirkung deutlich hinter den schulischen Nutzen zurücktritt.” Maßvoll und zurückhaltend solle geworben werden.

Doch wie lassen sich Werbewirkung und schulischer Nutzen vergleichen? Letztlich ist dies eine Wahrnehmungsfrage. SPD-Schulpolitiker Said Giancoli erklärte: „Ich stehe dem Schulsponsoring skeptisch gegenüber, wir brauchen in Aachen keine Coca-Cola-Schule.” Auf der anderen Seite sehen die Schulpolitiker den innovativen Charakter dieser zunächst auf acht Jahr angesetzten multimedialen Partnerschaft zwischen Aachen und Gulpen. „Das ist ein einmaliges Projekt, die Unterstützung externer Sponsoren ist in so einem Fall sinnvoll”, meinte Johannes Rohé (Grüne).

Klaus-Dieter Jacoby (CDU) nannte die finanzielle Hilfe der Unternehmen „hervorragend”. Nun darf nur die vertraglich zugesicherte Werbung nicht herausragen. „Wir werden darauf achten, es wird keine Werbung im herkömmlichen Sinne geben. Kleine Aufkleber an den Computern wären aber denkbar”, erklärt Mathar. Damit würden die Sponsoren keine Grenze überschreiten.
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