Sponsoren winken ab: Aufzug für 233.000 Euro muss Stadt zahlen

Von: Robert Esser
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So teuer wie ein EinfamilienhÀ
So teuer wie ein Einfamilienhäuschen: Der neue Aufzug des Internationalen Zeitungsmuseums soll 233.000 Euro kosten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Weil kein Sponsor gefunden wurde, muss die Stadt jetzt 233.000 Euro für einen gläsernen Aufzug am Internationalen Zeitungsmuseum (IZM) aus der Tasche des Steuerzahlers berappen. Dies hat das Presseamt am Dienstag auf AZ-Anfrage bestätigt.

Doch dies ist nicht der einzige Lift, der in Aachen für Ärger sorgt. Beispiel Domschatzkammer: Dort soll eigentlich ein Treppenlift Rollstuhlfahrer von Etage zu Etage befördern. In der Praxis scheitert der Transport jedoch oft, weil geschultes Personal fehlt. „Ja, es stimmt. Nicht jeder unserer Mitarbeiter in der Domschatzkammer traut sich zu, den Treppenlift mit Rollstuhlfahrern zu bedienen”, räumt der Leiter Dr. Georg Minkenberg ein.

„Wenn unsere Domschatzkammer im Januar für vier Wochen schließt, um eine neue Klimaanlage einzubauen, werden wir alle nachschulen”, verspricht Minkenberg. Er betont, dass das Domkapitel schon vor Jahren ausdrücklich dafür gelobt worden sei, als erstes Museum der Stadt barrierefreien Zugang für Rollstuhlfahrer ermöglicht zu haben. Caline Strack, Vorsitzende der Kommission barrierefreies Bauen der Stadt, kritisiert, dass der Lift überhaupt Bedienungspersonal benötigt.

„Moderne Treppenlifts können Rollstuhlfahrer mit sogenannten Euro-Schlüsseln mittlerweile selbst bedienen”, erklärt Strack. Solch eine Technik sei auch für die beiden Treppenlifte an der neuen Rathaustreppe (Etat Katschhofumbau: 1,14 Millionen Euro) geplant, die vergleichsweise geringe Zusatzkosten von 32.000 Euro verursachen. „Ursprünglich war ein gläserner Aufzug geplant. Dies wurde - unter anderem - aus Kostengründen verworfen”, sagt Axel Costard vom Presseamt.

Der Bau der Treppenlifte sei für Januar vorgesehen. Gleichzeitig will man auch den gläsernen Aufzug im Stahlkorsett auf der Rückseite des IZM an der Pontstraße komplettieren. Die Aufzugsscheiben müssen millimetergenau an das historische Mauerprofil angepasst werden. Zeit habe - vor der IZM-Eröffnung im Juli 2011 - die Dokumentation römischer Funde im Hof des IZM gekostet, sagt dessen Leiter Andreas Düs-pohl. „Danach musste der Aufzug mehrfach umgeplant werden”, erklärt er. Die Kosten wuchsen.

Hohe Mehrkosten hätte auch ein Aufzug für die Burg Frankenberg verschlungen. Die Kalkulation der Stadt dazu - inklusive höherer Brandschutzaufwendungen - belief sich auf bis zu 215.000 Euro. „Wir mussten Kompromisse eingehen”, erläutert Costard. So wird künftig - nach dem Umbau zum Bürgerzentrum mit Restaurant und Multifunktionsräumen - alles im Erdgeschoss barrierefrei zugänglich sein. Der Treppenlift und ein Behinderten-WC schlagen nun mit 70.000 Euro zu Buche. „Fürchterlich”, findet das die Kommissionsvorsitzende Strack. „Wenn wir früher in die Planung einbezogen worden wären, hätte man sicherlich für einen Aufzug in die oberen Stockwerke höhere Fördermittel erzielen können.” Die Stadt bestreitet das. „Aber das Engagement der Frankenberger Bürger ist vorbildlich”, sagt sie. Heute will Strack über die Lifte noch einmal in der Kommission beraten.

Ganz anderer Beratungsbedarf besteht an der neuen Hubschrauber-Landeplattform. Rund sieben Millionen Euro hat das Designerstück gekostet - inklusive Schrägaufzug vom 15 Meter hohen Landeteller zur Notaufnahme des Uniklinikums. Im Juli wurde das Prachtbauwerk eingeweiht, jetzt wird repariert. „Die lauten, scheppernden Geräusche bei der 46-sekündigen Aufzugsfahrt wollen wir unseren Patienten nicht mehr zumuten”, sagt Klinikumssprecherin Michaela Müther.

Seit Montag ist alles stillgelegt, der Rettungshubschrauber landet wieder einige hundert Meter entfernt auf dem früheren Bodenlandeplatz. Ende der Woche soll die Reparatur abgeschlossen sein, heißt es. Ob auch hier Zusatzkosten entstanden sind, konnte der zuständige Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) bis gestern Abend nicht herausfinden.

2121 der knapp 250.000 Aachener Einwohner werden in der Statistik der Städteregion mit „außergewöhnlicher Gehbehinderung” geführt. Sie sind zeitweise oder vollständig auf den Rollstuhl angewiesen - auch an der Rathaustreppe.
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