Aachen - Spielräume gesucht: Dramatische Szenarien rund ums Theater

Radarfallen Bltzen Freisteller

Spielräume gesucht: Dramatische Szenarien rund ums Theater

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
klappezubild
Immer im Blick der Sparkommissare: Hinter den Kulissen wird weiter heftig um die Finanzierung des Theaters gerungen. Sogar die Schließung von Sparten gilt nicht mehr als Tabu. Die Politik muss bald entscheiden, wo und wie weitere Kürzungen machbar sind. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer wagt den sprichwörtlichen harten Schnitt beim Theater, wenn der am Ende auf regelrechte Amputationen hinausläuft? Die Frage kursiert dieser Tage mit Sicherheit nicht nur hinter den Kulissen des Kunsthorts.

Drei Mal hat der kulturpolitische Krisenstab, die sogenannte Strukturkommission aus Vertretern von Ratsfraktionen und Verwaltung, in den vergangenen Wochen hinter verschlossenen Türen getagt - und dabei konkrete Szenarien bis hin zu Millioneneinsparungen und Schließungen ganzer Sparten entwickelt.

Spätestens, wenn der neue städtische Haushalt im kommenden Jahr verabschiedet wird, muss die Politik die Gretchenfrage beantworten: Wo bleiben - finanzielle und damit auch ganz reelle - Spielräume fürs Theater?

Status quo oder harter Schnitt?

Immerhin: „Es herrscht Einigkeit darüber, dass wir den berühmten weichen Standortfaktor nicht zur Disposition stellen wollen. Schließungen ganzer Sparten kann sich niemand vorstellen”, sagt Claus Haase, der als Finanzexperte der SPD-Fraktion keinesfalls im Verdacht steht, den fatalen 61-Millionen-Krater im kommunalen Etat nicht permanent auszuloten.

Letztlich, bekennt auch sein CDU-Kollege Hubert Bruynswyck, Vorsitzender des Betriebsausschusses für Theater und VHS im Rat, seien schlicht keine Möglichkeiten mehr für „kleine Lösungen” vorhanden: „Ich gehe trotzdem davon aus, dass es keine harten Schnitte geben wird. Also muss die Politik Überlegungen anstellen, wie der Status quo langfristig aufrechterhalten werden kann.” Zurzeit erhält das Theater jährlich rund 15 Millionen Euro aus dem kommunalen Zuschusstopf.

Kommt hinzu, dass Volksvertreter und Intendanz eine öffentliche Grundsatzdebatte zur vorweihnachtlichen Unzeit fürchten wie der Teufel das Weihwasser - nicht nur, weil derzeit auch nach einem Nachfolger für Generalmusikdirektor Marcus Bosch gefahndet wird, der 2012 endgültig nach Nürnberg wechselt.

Und so erschöpft sich der Rotstift-Ansatz selbst seitens der Kämmerin (die ebenfalls der Strukturkommission angehört) momentan allenfalls in der Ankündigung, dass das Theater - wie im Übrigen alle städtischen Eigenbetriebe - ab 2012 „nur” Tariferhöhungen fürs Personal aus dem jährlichen Zuschussbudget stemmen müsse. Auch diese Rechnung, bekennt Bruynswyck, liefe allerdings bereits auf eine faktische Kürzung in einer Größenordnung von mindestens einer halben Million Euro hinaus.

Weit dramatischere Szenarien wurden in der Kommission indessen ebenso durchgerechnet. So würde eine Abschaffung des Musiktheaters das Zuschussbudget nach AZ-Informationen um 2,9 Millionen jährlich entlasten. Mit der Streichung des kompletten „Klangkörpers” inklusive Orchester und damit Konzertbetrieb würde die Stadt theoretisch im Ganzen 7,2 Millionen sparen.

Eine Abschaffung des Schauspielbetriebs brächte rund 1,9 Millionen. Würde allein die Kammer geschlossen, läge der Spareffekt bei 900.000 Euro. Auch dies käme wohl einem Todesurteil fürs Sprechtheater gleich, denn im Großen Haus sind pro Spielzeit nicht mehr als drei bis vier Produktionen realisierbar. Schließlich wurde auch das Mörgens als Spielstätte zur Disposition gestellt - Einspareffekt: etwa 200.000 Euro.

Letztlich scheint zumindest dies eine strategische Maßnahme, die bei manchen Mandatsträgern als denkbar erachtet wird. „Damit könnte das Theater ein Zeichen setzen”, meint Sozialdemokrat Claus Haase.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert