Aachen - Spielplätze: Verfall soll gestoppt werden

Spielplätze: Verfall soll gestoppt werden

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
13738421.jpg
Das Klettergerüst im Stadtpark (1) neben der Therme ist marode und gesperrt. Foto: Stephan Mohne
13738422.jpg
Zwischen Top und Flop: Einerseits baut die Stadt sehenswerte neue Spielplätze wie an der Talstraße... Foto: Stephan Mohne
13738428.jpg
... im „Suermondt-Park“ ... Foto: Stephan Mohne
13738427.jpg
... oder im „Sandkaul-Park“ ... Foto: Stephan Mohne
13738424.jpg
An der Barbarastraße(3) ragen seit Monaten nur noch die Betonsockel einer Ex-Sitzbank aus der Erde. Am Geld für Sanierungen mangelt es nicht, aber am Personal. Foto: Stephan Mohne
13737841.jpg
Beispiele: Die große Röhrenrutsche an der Citykirche (6) ist verbarrikadiert. Foto: Stephan Mohne

Aachen. „Draußen spielen“ – so prangt es in großen Lettern auf einem Projektschild an der Peliserkerstraße/Ecke Talstraße. Dort ist nicht nur aus dem alten Straßenbahnhangar ein Kulturdepot gemacht worden. Vielmehr ist dort auch viel Geld in die Erneuerung der mehrere tausend Quadratmeter großen Außen- und Spielflächen gesteckt worden.

280.000 Euro waren es in einem ersten Bauabschnitt, der im Sommer 2016 fertig wurde. Weitere 100.000 Euro werden bis Mitte dieses Jahres investiert, wie man dem Schild entnehmen kann. Das Ergebnis – unter anderem ein prächtiger neuer Spielplatz – ist sehenswert. Das gilt auch für die neue große Spielanlage im „Suermondt-Park“ an der Richardstraße.

Da geht man denn auch gerne „draußen spielen“. Was allerdings beileibe nicht für alle der inzwischen fast 250 über das gesamte Stadtgebiet verteilten Spiel- und Bolzplätze mit einer Gesamtfläche von fast 500.000 Quadratmetern gilt, die eine entsprechende Liste der Verwaltung ausweist.

Im Gegenteil macht man um manches arg in die Jahre gekommene, unattraktive Areal mit dem Nachwuchs besser einen weiten Bogen und geht woanders „draußen spielen“. An einigen Stellen ist das „draußen spielen“ gar zwangsweise eingeschränkt beziehungsweise gleich ganz unterbunden worden.

Ein prominentes Beispiel ist die verbarrikadierte Röhrenrutsche neben der Citykirche an der Großkölnstraße, die das einzige Spielgerät des gleichnamigen Spielplatzes darstellt, der somit also nicht mehr vorhanden ist. Ein anderes ist der Spielplatz im Stadtpark neben der Therme.

Dort ist das Klettergerüst mit Flatterband abgesperrt, weil die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Am Spielplatz Barbara-straße ragen seit Monaten Betonstümpfe gefährlich aus der Erde, die einmal das Fundament einer Sitzbank waren. An der Großheid-straße in Verlautenheide gab es ein besonders großes Holzklettergerüst. Es musste zur Hälfte abgebaut werden – weil es marode wurde. Die Liste könnte man lange fortsetzen. Der Sanierungsstau ist enorm.

Zwar sind Teams des Stadtbetriebs stets auf den Spielplätzen unterwegs, weil sie für die „generelle Pflege und Wartung“ zuständig sind. Aber irgendwann hat es sich ausgepflegt und -gewartet, wenn der Verfall zu weit fortgeschritten ist. Dann muss erneuert werden.

Allein: In der Verwaltung fehlt das Personal, das sich darum kümmern könnte. Was sich jetzt endlich ändern soll, damit etwa die Röhrenrutsche von der Großköln-straße einen neuen, weniger vandalismusanfälligen Standort bekommt – mal abgesehen davon, dass ihr heutiges Fundament laut Stadt marode ist.

Der OB hatte dieser Tage schon im Interview mit unserer Zeitung bekundet, dass der Druck der Öffentlichkeit diesbezüglich gewachsen sei. Unter anderem hatte die AZ vor einem Monat über den Personalmangel berichtet, nachdem dies – eher vorsichtig – in einer Verwaltungsvorlage angeklungen war. Zudem gab es offenbar immer mehr Bürgerbeschwerden. Jetzt hat sich die Priorität des Themas deutlich erhöht. Kommende Woche soll der Personalausschuss der Einrichtung einer Fachstelle in Sachen „Spielplatzplanung“ zustimmen.

Sie soll nicht beim Fachbereich Kinder und Jugend, der sogar anderthalb Stellen beantragt hatte, sondern bei den Kollegen aus dem Umweltbereich angesiedelt sein, die sich ohnehin mit „Grünplanung und -bau“ beschäftigen. Das heutige Personal dort ist kapazitätsmäßig völlig damit überfordert, sich um 250 Spielplätze zu kümmern und auch noch bei der Planung neuer Anlagen mitzuwirken. Denn mit den eigentlichen Aufgaben seien die Leute schon „mehr als ausgelastet“. Auf Dauer hat das zu besagtem „Bearbeitungsstau“ geführt, Spielplätze seien „zum Teil kaum noch nutzbar“.

Viele Euro „versauern“ im Etat

Dabei steht für den Unterhalt der Spielplätze einiges Geld zur Verfügung. Im Haushalt gibt es einen Topf mit 150.000 Euro pro Jahr für die Beschaffung neuer Geräte und auch noch einen mit fast 200.000 Euro für die Sanierung der Spielplatzareale. Doch das Geld konnte wegen besagten Personalmangels kaum ausgegeben werden – jedenfalls nicht für den eigentlichen Zweck, nämlich marode Spielplätze wieder aufzupäppeln.

Stattdessen wurden und werden Gelder aus diesen Töpfen in den ohnehin laufenden Bau der neuen Anlagen – wie etwa Talstraße oder „Suermondt-Park“ – umgeleitet. 70.000 Euro werden überdies für die Neuanlage des Spielplatzes am Neumarkt, die dieses Jahr ansteht, „umgewidmet“. Und nicht nur der Sanierungsstau muss abgearbeitet werden. Auch muss man sich darum kümmern, dass Fördergelder nicht verfallen oder gar zurückgezahlt werden müssen, die es für Projekte wie das „Innenstadtkonzept“ oder auch den „Rahmenplan Brand“ gegeben hat beziehungsweise geben soll.

Die neue Fachkraft soll auch dabei mitwirken, ein „strategisches Spielflächenmanagement“ zu konzipieren. Bisher ist es so, dass durch Neubaugebiete ständig neue Spielplätze dazukommen, die alten aber auch alle – teils nicht weit entfernt – bleiben. Mit dem entsprechenden Mehr an Kosten und Arbeit. Analysiert werden soll, ob „eine derzeit noch nicht konkret zu benennende Anzahl an vorhandenen Spielplätzen“ aufgegeben und in Grünflächen umgewandelt werden kann.

Dadurch könnte man „langfristig die Pflege- und Instandhaltungskosten für Spielgeräte“ reduzieren, die bei rund 1500 Euro pro Spielgerät lägen. Innerhalb von zwei Jahren soll ein entsprechendes „Einsparkonzept“ stehen. Auch, weil die neue Stelle bis 2019, wenn sie wieder auf den Prüfstand soll, rund 172.000 Euro kostet und das „kompensiert“ – sprich an anderer Stelle eingespart – werden soll.

Zwei Spielplätze – Salvatorberg und Emmi-Welter-Straße – sind indes bereits „umgewandelt“. Zumindest so lange, bis sich die Bevölkerungsstruktur in diesen Wohnbereichen wieder verjüngt. Denn dann wollen die neuen Bewohner ja auch „draußen spielen“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert