Aachen - Spielcasino gibt sich bald im Tivoli die Kugel

Spielcasino gibt sich bald im Tivoli die Kugel

Von: Robert Esser
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Auswärtsspiel: Der Tivoli soll – zumindest vorübergehend – Heimat der Spielbank werden. Foto: Michael Jaspers
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Sanierung für 19 Millionen Euro geplant: Deswegen müssen Roulette, Poker und Co an der Monheimsallee ausziehen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist jetzt mehr als ein Gedankenspiel: Fast 40 Jahre nach der Eröffnung des Aachener Spielcasinos an der Monheimsallee möchte Betreiber Westspiel mit Roulette, Poker und Co umziehen – und zwar in den Tivoli an der Krefelder Straße. Hinter den Kulissen wird in diesen Tagen fleißig an der zeitnahen Umsetzung dieses Konzepts gearbeitet.

Denn: Auf der einen Seite will Westspiel den unter Besucher- und Umsatzschwund leidenden Aachener Spielbank-Standort „gesund schrumpfen“ und muss Platz für eine Generalsanierung und Neuausrichtung des in die Jahre gekommenen Neuen Kurhauses neben dem Eurogress machen. Auf der anderen Seite sucht die Stadt namhafte und zahlungskräftige Mieter für den Tivoli, um dort die hohen Betriebskosten abzufedern.

Das Presseamt der Stadt Aachen bestätigte am Montagabend entsprechende Recherchen der Aachener Zeitung: „Es handelt sich um eine Übergangslösung bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten im Kurhaus“, teilte Stadtsprecher Hans Poth mit. AZ-Informationen, nach denen ein Umzug schon zum Jahreswechsel in Angriff genommen werden soll, bestätigte Poth nicht. „Exakte zeitliche Angaben sind zurzeit noch nicht möglich, weil man sich noch in der Abstimmungs- und Vertragsphase befindet“, erklärte er.

Seitdem Alemannia Aachen in die 4. Liga abgestürzt ist, stehen dort auf drei Etagen rund 4000 Quadratmeter „Business-Bereich“ weitgehend leer. Einen Teil könnte das Eurogress für verschiedene Tagungen und Messen vermarkten; etwa 2000 Quadratmeter würden laut Westspiel-Sprecher Mathias Wieland – so man sich über die Dauer des Mietverhältnisses einigt – für Roulette- und Pokertische sowie Spielautomaten benötigt. In jedem Fall würde Westspiel auch den 2002 ausgelagerten Automatenspielstandort im Kapuziner Karree mit rund 100 „einarmigen Banditen“ räumen. Wieland: „Der Vertrag im Kapuziner Karree läuft aus, so dass wir die Chance nutzen, die beiden Spielbereiche wieder zusammenzuführen. Dies hätten wir auch am jetzigen Standort so gemacht.“ Offenbar will Westspiel nach der Generalsanierung – offiziell „Revitalisierung“ genannt – mit dem kompletten Spielangebot aus dem Tivoli zurück ins Kurhaus an der Monheimsallee ziehen: „Es handelt sich um einen Ausweichstandort für die Dauer der Revitalisierungsarbeiten. Wir sind uns sicher, dass unsere Gäste diesen Standort für diesen Zeitraum akzeptieren und nutzen werden“, teilte Wieland am Montag auf AZ-Anfrage mit.

Anfang 2014 hatte Thomas Salinger als Direktor der Aachener Spielbank das Ruder übernommen und tiefgreifende Umstrukturierungen angekündigt – die defizitäre Spielbank-Gastronomie inklusive Lenné-Pavillon war da bereits geschlossen. Etwa zwei Drittel der ehemals 1900 Quadratmeter Mietfläche wollte man nach damaligen Plänen aufgeben. Nach der Eröffnung des Casinos im Jahr 1976 strömten bis zu 1000 Gäste täglich (!) in den Glückstempel. 2013 zählte man kaum noch 100.000 Besucher – im ganzen Jahr. Ein Rückgang um mittlerweile mehr als 70 Prozent.

Um den Glückstempel an der Monheimsallee zu beleben, verhandelte die Stadt Aachen zudem lange mit einem Varieté-Theater (GOP). Die Gespräche wurden nun abgebrochen. „GOP hat abgesagt. Die Stadt hält jedoch weiterhin an dem Konzept fest und bemüht sich um einen anderen Partner“, erklärte Poth. Doch bevor eine Varieté-Show – oder Ähnliches – einziehen und womöglich auch das überbuchte Eurogress Konferenzräume in der Nachbar-Immobilie nutzen kann, steht die Generalsanierung des Kurhauses auf der Tagesordnung. 19 Millionen Euro wurden dafür nach Angaben des Presseamts im städtischen Haushalt reserviert. Ob der Stadt private Investoren und/oder Fördermittel aus Landes- oder Bundestöpfen bei der Finanzierung helfen, blieb zunächst offen. Wie der Zeitplan.

Im November soll im Spielcasino an der Monheimsallee noch ein großes Pokerturnier über die Bühne gehen. Auch wenn die Karten von Westspiel und Stadt vor dem Umzug auf den Tivoli schon auf dem Tisch liegen.

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