Aachen - Spielcasino: Drastischer Rückgang bei Besuchern und Einnahmen

Spielcasino: Drastischer Rückgang bei Besuchern und Einnahmen

Von: Stephan Mohne
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Rien ne va plus - nichts geht mehr: Die Zahlen bei Besuchern und Erträgen sind im Aachener Spielcasino 2008 drastisch eingebrochen. Weitere Rückgänge seien nur schwer zu verkraften, sagt dessen Direktor Hans-Jürgen Strunck. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die „Westspiel Poker Tour” kommt. Im November gastiert die Serie in Aachen. Hauptpreis - ohne Scherz: Ein Flug ins Weltall. Die Frage ist nur, ob das Aachener Spielcasino nicht sehr bald selbst auf den Mond geschossen wird. „Schwere Zeiten für den Casinostandort Aachen” vermeldete auch die Mutter des Glücksspieltempels - eben jene „Westspiel” - am Donnerstag.

Und führt als Beleg geradezu dramatische Zahlen für das Jahr 2008 an: Alleine im Automatencasino, dem für „Westspiel” lukrativeren Teil, brach die Zahl der Besucher um satte 25 Prozent auf rund 52.600 ein. Der Ertrag aus dem Automatenspiel im Kapuziner-Karree ging um 20,5 Prozent zurück. Im klassischen Spiel sank er um 16,3 Prozent, 82.400 Besucher kamen zur Monheimsallee.

Das veranlasst die Verantwortlichen zu deutlichen Aussagen: „Weitere Rückgänge sind nur schwer zu verschmerzen”, sagt beispielsweise Casinodirektor Hans-Jürgen Strunck. Als „suboptimal” geißelt gar Westspiel-Geschäftsführer Horst Jann die Rahmenbedingungen für den Standort Aachen wegen seiner „regionalen Randlage mit dem fehlenden Bevölkerungspotenzial” und einer „zu anderen Bedingungen operierenden Konkurrenz aus dem Ausland”.

Allerdings: Auch andere „Westspiel”-Häuser erleben einen Niedergang - vor allem Dortmund-Hohensyburg. Nur das relativ neue Großcasino am Westspiel-Stammsitz Duisburg floriert.

Dennoch klingen die Zitate aus der Pressemitteilung nach „nix wie weg aus Aachen”. Dieser Plan wäre für „Westspiel” indes nicht neu. Schließlich hatte man schon einmal mit einem neuen Standort in Köln geliebäugelt. Aber erst vor wenigen Monaten hatte die zuständige Landesregierung die Konzession für Aachen um weitere zehn Jahre verlängert.

Und nur Rüttgers & Co. könnten erlauben, dass die Kugel in Aachen nicht mehr rollt. Doch daraus wird rein gar nichts: „Die Lizenz für Aachen ist nach langen Vorbereitungen für zehn Jahre erteilt - und daran wird nicht gerüttelt”, schickt NRW- Minister und Aachens CDU-Vorsitzender Armin Laschet ein Basta Richtung „Westspiel”. Und: „Ich erwarte von Westspiel, dass jetzt in den Standort Aachen investiert wird, um ihn attraktiv zu machen.” Nicht mehr aktuell sind nach AZ-Informationen Überlegungen, die Standorte Monheimsallee und Kapuziner-Karree an anderer Stelle in der Stadt zusammenzuführen.

Kein Geheimnis ist, dass es ad hoc eine passende Verwendung fürs Neue Kurhaus geben würde. Schließlich will das aus allen Nähten platzende Eurogress expandieren.

Die Gründe für die herben Verluste sieht Hans-Jürgen Strunck vor allem in den neuen und wesentlich schärferen Suchtpräventionsrichtlinien des Glücksspielstaatsvertrags - zum Beispiel Identitätskontrollen im Automatencasino - sowie im Nichtraucherschutzgesetz. Irgendwann, so präzisiert Schunck sein Zitat, werde der Standort für „Westspiel” nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sein. Schließlich sind auch rund 160 Angestellte zu bezahlen.

Schunck könnte sich als Lösung vorstellen, dass die Spielbankabgabe gesenkt wird. 70 Prozent des Ertrags muss „Westspiel” - eine Tochter der NRW-Bank - ans Land, die Stadt und Stiftung Wohlfahrtspflege überweisen. Das waren in Aachen 2008 noch 7,2 Millionen Euro. Auch zu diesem Punkt hat Armin Laschet eine klare Meinung: „Das ist sehr wohl wirtschaftlich zu betreiben. Man muss es nur richtig machen.”
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