Aachen - Spezialbagger zur Schlammbeseitigung: Security passt auf

Spezialbagger zur Schlammbeseitigung: Security passt auf

Von: Andreas Cichowski
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Spezialbagger zur Schlammbeseitigung: Das Hochwasserrückhaltebecken im Rabental unweit der Uniklinik wird seit Oktober von Sedimenten befreit. 1000 Tonnen Schlamm lagern bereits zum Trocknen in langen Säcken und werden von Sicherheitsleuten bewacht. Foto: Andreas Cichowski
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In solchen Säcken wird der Schlamm zunächst gelagert. Foto: Andreas Cichowski

Aachen. Was ein qualifizierter Sicherheitsdienst zurzeit am Steinbergweg im Rabental hinterm Klinikum bewacht, hat nichts mit giftigen, gefährlichen Substanzen oder gar wertvollen Rohstoffen zu tun. Denn was dort in schwarzen langen Säcken lagert, ist nichts weiter als schlichter dunkler Schlamm.

Denn die Stawag entschlammt im Auftrag der Stadt seit dem vorigen Oktober das dort zwischen Schneebergweg und Rabentalweg gelegene Hochwasserrückhaltebecken Rabental. Dabei werden mit einem Saugbagger circa 1000 Kubikmeter Sedimente entnommen. „Wir hatten im vorderen Bereich 1,70 Meter Schlamm“, erklärte Karsten Kraft von der ausführenden Firma Schunke Gewässerökolomie aus Mühlheim. „Das Becken war voll.“

Alle 20 bis 25 Jahre müssten derartige ruhige Gewässer, in denen sich Partikel absetzen, die das Oberflächenwasser auf seinem Weg mitnimmt, entschlammt werden. Der Schlamm sei durch Schwermetalle und Gummiabrieb belastet, die dort beispielsweise vom großen Parkplatz des Klinikums stammen.

Das spezielle Amphibienfahrzeug, welches nördlich des Polarkreises gebaut wird, saugt den Schlamm besonders umweltschonend unter Wasser ab. „Im benetzten Zustand“ sagt der Fachmann. Keine leichte Aufgabe für Friedrich Schunke, der sich mit dem Ausleger des Baggers Stück für Stück beinahe blind durch das Gewässer vorantastet.

Beliebt bei Zugvögeln

Bis zu 50 Kubikmeter pro Stunde werden durch Schläuche unter Zugabe von Biopolymer – einem umweltverträglichen Stoff zur Flockenbildung – in die sogenannten „Geotubes“ gepumpt. „Die Säcke bestehen aus Gewebe, aus denen das Wasser austritt, während das Sediment und Feststoffe in den Säcken über eine gewisse Zeit verbleiben, ehe der trockene Schlamm abtransportiert wird“, erklärte der Spezialist die besonders ökologisch verträgliche und sanfte Methode der Entschlammung, welche mit erheblichen Aufwand verbunden ist.

Auf 200 Metern Länge musste der Steinbergweg asphaltiert werden, damit waagerechte Terrassen aus Schotter darauf aufgeschüttet werden konnten, auf denen die wasserdurchlässigen schwarzen langen Säcke liegen. Dass diese Tag und Nacht durch einen Wachschutz beschützt werden, sei aus Erfahrung nötig, „rein routinemäßig“, hieß es seitens der Stawag, „um sie vor Vandalismus zu schützen“. Der Sicherheitsdienst vor Ort berichtete, dass schon ganze Familien samt Kindern auf den noch weichen Schlammsäcken herumgeturnt seien.

Bleibt die Frage, warum der Schlamm in einer so aufwändigen Methode entnommen wird. „Das hat mit der Situation zu tun, dass die Anlage sich schon zum Feuchtgebiet entwickelt hat“, sagt Harald Beckers von der Stadt.

Das Vorgehen sei mit der Stawag, der unteren Wasserbehörde und der unteren Naturschutzbehörde der Stadt abgestimmt worden. Letztere machte die Beobachtung, dort im sehr niedrigen Wasser und Schlamm fühle sich der aus der Arktis stammende Watvögel sehr wohl, welcher hier im verhältnismäßig warmen Süden überwintert.

Die Stadt möchte das Gewässer wieder in die eigene Obhut nehmen und „möchte die Sicherheit haben, ein vollständig intaktes Gewässer von der Stawag zu übernehmen“, wie Beckers mitteilt. Das Regenwasserrückhaltebecken im Naturschutzgebiet soll fortan der Natur überlassen werden und nicht mehr als solches dienen. Dass die Anwohner in Seffent keine Nassen Füße bekommen, garantiert nun ein Regenwasserrückhaltebecken, das bereits vor einigen Jahren weiter oberhalb neu errichtet wurde und nun die starken Regenfälle abfängt.

Ursprünglich sollten die Arbeiten Ende Januar abgeschlossen sein. Eisige Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sorgten jedoch für eine längere Unterbrechung, da der Bagger mit Eis überhaupt nichts anfangen kann. Noch in dieser Woche sollen die Arbeiten jedoch abgeschlossen werden. Dann müsse der bewachte Schlamm nur noch ein bis zwei Monate – je nach Wetter – in den Säcken trocknen, bis er schnittfest ist und abtransportiert werden kann.

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