Sperrmüll, Sonderabfälle, Altreifen: Gelände in Hahn zweckentfremdet

Von: Stephan Mohne
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Völlig vermüllt: Der alte Steinbruch in Hahn ist zum Abladeort für verschiedenste Abfallsorten geworden. Man erzählt sich sogar, dass im Boden ein ganzes Boot verbuddelt ist. Bezüglich der Entsorgung von Sondermüll dort ermittelt die Staatsanwaltschaft. Foto: Michael Jaspers
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Abgeriegelt: Das neue Vorhängeschloss versperrt den Weg in den Steinbruch. Den Schlüssel soll die Staatsanwaltschaft haben.

Aachen. An der Einfahrt hängt mittlerweile ein Vorhängeschloss. Auf dass niemand mehr hineinfährt. Laut Anwohnern hängt es erst seit ungefähr einer Woche da. Den Schlüssel soll die Staatsanwaltschaft haben. Am Tor hängt auch ein Stoppschild, in dessen Zentrum ein spazierendes Strichmännchen abgebildet ist. „Betreten verboten“, steht darunter.

Ausnahmen von dieser Regel werden nicht näher benannt. Wie etwa: „Außer für städtische Mitarbeiter.“ Es ist der Eingang zum alten Steinbruch an der Hahner Dorfstraße, der im Moment arg in die Schlagzeilen geraten ist. Sondermüll sollen Mitarbeiter des Aachener Stadtbetriebs dort illegal entsorgt haben. Asbestverseuchte Nachspeicheröfen zum Beispiel. Das Vorhängeschloss tauchte auf, als die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufnahm und die Medienberichte sich überschlugen. „Bis zuletzt ist da noch angeliefert worden, auch nachts“, sagt ein Anwohner.

Angeliefert? Was wird denn nachts in der Wildnis, die der Stadt gehört, angeliefert? Wirft man einen Blick in das Gelände, kann man es sich ungefähr vorstellen. Der Steinbruch sieht aus wie eine wilde Müllkippe. Wilder Müll, das ist der Stadt ein Dorn im Auge. Wilder Müll, für ihn muss die Stadt jährlich sechstellige Summen aufwenden, damit er beseitigt wird. Müllen hier möglicherweise städtische Bedienstete selber wild herum? Zumindest gibt es den Vorwurf gegen Leute vom Haarener Bauhof, dass sie dort besagte Nachtspeicheröfen verbuddelt haben sollen. Erhoben von zwei Kollegen. Die Ermittlungen laufen verwaltungsintern wie staatsanwaltlich. Tatsächlich wurden bei einer Nachschau schon Teile von mehreren solcher Geräte gefunden, die dort ganz und gar nichts zu suchen haben.

Zu suchen haben dort auch alte Reifen von Autos, Lastern und Traktoren nichts. Und doch liegen sie im Steinbruch haufenweise in den Büschen. Daneben türmt sich Sperrmüll. Lattenroste, Jägerzäune, Küchenschränke, Plastikstühle – man kann es gar nicht alles aufzählen. Ungefähr in der Geländemitte stehen Container. Einer ist randvoll mit – Restmüll. Abfall also, den man normalerweise kostenpflichtig entsorgen muss. Abseits der Mülltonnen zuhause zum Beispiel per städtischem Müllsack – oder für zehn Euro pro Kofferraum-Ladung auf der Deponie Warden. Wo aber kommt dieser Müll hier in Hahn her. Wird im Steinbruch nicht nur Sondermüll, sondern auch ganz normaler Müll illegal entsorgt? Und wenn ja, von wem? Zeugen zufolge werden die Container jedenfalls regelmäßig abgeholt und durch leere ersetzt. Neben den Containern steht dann wieder der „Problemabfall“. Alte Farbdosen, Chemiebehälter und so weiter.

Die Frage, die sich unwillkürlich stellt: Was würde man hier alles im Boden und in den Randzonen finden, wenn man einmal richtig anfängt zu graben? Nun, es ist kein Witz, aber man erzählt sich: In dem Steinbruch ist ein ganzes Boot verbuddelt. Eines, wie es auf dem Rursee öfters anzutreffen ist. Einer Kontrolle jedenfalls scheinen sich der Steinbruch und jene, die ihn „beliefern“, über Jahre entzogen zu haben.

Für die Entsorgung der Nachtspeicheröfen dort durch städtisches Personal glaubt das Rechnungsprüfungsamt mittlerweile „sichere Beweise“ zu haben. Wobei es letztlich der Staatsanwaltschaft obliegen wird zu entscheiden, ob diese „Beweise“ stichhaltig sind. Spannend wird die Frage, wer für die anderen Sauereien dort verantwortlich zu machen ist. Denn eines scheint klar zu sein: Informationen nach hatte dieser Steinbruch nie die Genehmigung, ein offizieller Müllsammelplatz zu sein.

Am Dienstag nahm sich die Verwaltungsspitze mit dem Oberbürgermeister vorneweg in ihrer wöchentlichen Sitzung das Thema vor. Nochmals wurde laut Stadtpressesprecher Hans Poth betont, dass der Stadt an einer schnellen und lückenlosen Aufklärung gelegen sei. Zudem macht man sich Gedanken über ein besseres Kontrollsystem. In einem halben Jahr, so Poth, soll ein solches auf dem Tisch liegen.

Der zuständige Dezernent Dr. Lothar Barth wird am Mittwoch dem Stadtbetrieb einen Besuch abstatten. Er will eine Erklärung abgeben, vielleicht auch Tacheles reden. Die Mitarbeiter werden sich wohl wie üblich dazu an der großen Treppen im Gebäude am Madrider Ring versammeln und den Worten lauschen. Was Barth zu sagen gedenkt, darüber rätselte man am Dienstag im Stadtbetrieb noch vergebens.

Eines jedenfalls hat die Verwaltungsspitze am Dienstag schon einmal ganz klar gesagt: Die möglichen Straftaten, die jetzt acht von einigen hundert Mitarbeitern vorgeworfen werden, dürften keinesfalls dazu führen, dass alle Beschäftigten im Stadtbetrieb verunglimpft werden.

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