Spendenaktion verschafft Kindern in aller Welt Gehör

Von: Paula Schönfelder
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„Hilfe für kleine Ohren“: Erich Stier, Karl Merkelbach, Justus Ilgner und Helmut Thyssen (von links) bitten um Untertsützung für hörgeschädigte Kinder in der ganzen Welt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Musik aus dem Radio, das Läuten der Schulglocke, das Lachen anderer Kinder: Was für viele Menschen ganz selbstverständliche Geräusche sind, ist vielen Kindern und Erwachsenen auf der ganzen Welt verwehrt. Vor allem in ärmeren Entwicklungsländern, in denen finanzielle und technische Mittel knapp sind, beeinträchtigt dies hörgeschädigte Menschen im Alltag stark.

Teilhabe ermöglichen

Daher haben die deutschen Lions Clubs die Aktion „Hilfe für kleine Ohren“ ins Leben gerufen, um Betroffenen die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit dem Hörgeschädigtenzentrum Aachen (HGZ) sammeln sie gebrauchte Hörgeräte ein, die über Hilfsorganisationen in der ganzen Welt verteilt werden sollen.

Von 2010 bis August 2016 erhielten Institutionen wie Krankenhäuser, Hilfsorganisationen und Schulen für Hörbehinderte insgesamt etwa 20 100 Hörgeräte. Die Zahl der vermittelten Hilfen steigt kontinuierlich: Waren es 2010 noch 1350, so wurden im Jahre 2013 bereits 3140 Hörgeräte weitergegeben, und im August letzten Jahres waren es sogar 3600. In elf Ländern, unter anderem in Mexiko, Peru und Bolivien, in Sri Lanka oder auch in Botswana, laufen derzeit die Projekte.

Mehr als zwei Millionen persönlich angepasste Hörhilfen werden jedes Jahr allein in Deutschland verkauft. Nach Gebrauchsende scheinen diese meist wertlos. Doch was bei dem einen nur noch nutzlos in der Schublade liegt, verändert bei dem anderen das ganze Leben. „Besonders für Kinder sind die Hörhilfen sehr wichtig“, erklärt Dr. Justus Ilgner, Oberarzt an der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Uniklinik Aachen.

„Wir müssen da früh reagieren.“ Auch dadurch, dass Kinder ihre eigene Stimme nicht hören können, sei sogar die Entwicklung der Sprache gehemmt. Durch „Hilfe für kleine Ohren“ soll den Kindern ein Leben in der hörenden Welt ermöglicht werden.

Praxistest auch für Azubis

Hier vor Ort sammelt das Hörgeschädigtenzentrum in Zusammenarbeit mit Aachener Hörgeräte-Akustikern die gebrauchten Hörhilfen ein. Privatleute sowie Hersteller, Apotheker und Ärzte können die gebrauchten Hilfen spenden.

Auch Christoph Frings von der Hörakustik-Firma Köttgen unterstützt die Aktion. „Wir nehmen die Hörgeräte entgegen und lassen unsere Auszubildenden damit üben. Dann liefern wir sie fertig geprüft beim Lions Club ab“, sagt er. Die Empfänger in den Entwicklungsländern führen dann in der Regel selbst die Prüfung der Funktionsfähigkeit durch und sortieren ungeeignete Typen aus.

„19 Prozent der über 14-Jährigen in Deutschland sind hörgeschädigt“, stellt Erich Stier von der Initiative „Induktiv besser verstehen“ aktuelle Zahlen vor. Jedoch gebe es einige Betroffene, die nicht den Mut aufbringen würden, zum Arzt zu gehen. „Wenn ich eine Brille trage, ist das selbstverständlich. Bei Hörgeräten ist das anders. Wir müssen das Problem mehr in den Vordergrund stellen“, meint auch Karl Merkelbach, Ehrenvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter. „Hilfe für kleine Ohren“ soll dazu anregen, zur Hörschwäche zu stehen – und Menschen auf der ganzen Welt in der Gesellschaft ein Gehör verschaffen.

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