Spektakulärer Kellerfund in der Bergstraße

Von: Carolin Kruff
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Buddeln im Verbund: Archäologen haben in einem Ziegelgewölbekeller spektakuläre Funde gemacht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Scherben bringen bekanntlich Glück. Scherben sind aber auch stille Zeitzeugen, wie die aktuellen Ausgrabungen an der Kita Bergstraße zeigen.

Denn neben anderen historischen Fundstücken wie einem alten Bügeleisen, Fliesen und Tonpfeifenfragmenten haben Archäologe Dr. Joachim Meffert und sein Team von Goldschmidt Archäologie davon zuhauf gefunden – von der Römerzeit bis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges-, in einem Ziegelgewölbekeller, der sich jahrzehntelang nur knapp unter der Erdoberfläche unentdeckt befand.

Ein spektakulärer Fund, da dieser Keller verschiedene Bauphasen in sich vereint, die bis in die Zeit des großen Aachener Stadtbrandes im Jahre 1656 zurückreichen. Inmitten des Gewölbes wurde nicht nur ein Ziegelkanal freigelegt, der noch bis ins 19. Jahrhundert genutzt wurde, sondern auch eine wunderschöne geschwungene Treppe aus Blaustein. Eigentlich stand das heutige Kita-Gelände nicht auf der Liste der Stadtarchäologen, da dieser Teil Aachens durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört wurde. Bedeutende Funde hat hier niemand erwartet.

Erst die Arbeiten zum Erweiterungsbau für die Kindertagesstätte, die in Zukunft auch U3-Plätze anbieten möchte, brachten diesen historischen Fund zutage. Auf der südlichen Seite der Kita fand das Ausgrabungsteam zudem mehrere alte Nähmaschinen und Knöpfe, was darauf schließen lässt, dass dort Textilgewerbe ansässig war. „Die Aachener Stadtgeschichte kann nicht nur über Ausgrabungen in der Innenstadt rekonstruiert werden, die Außenbereiche sind ebenso wichtig, wie diese Fundstelle beweist“, erklärt Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic.

Dieser hat sich maßgeblich dafür eingesetzt, dass archäologischen Ausgrabungen auch außerhalb des Alleenrings mehr Bedeutung beigemessen wird. Und so wird auch an der Bergstraße noch weiter gebuddelt. Der eigentliche Schatz wurde jedoch schon ans Tageslicht befördert, da ist sich das Ausgrabungsteam sicher: Es handelt sich um ein bronzenes Jugendstil-Armband mit der Inschrift „Christine Jansen“.

„Das ist ein Kracher. Mit diesem Fund bekommt Archäologie ein Gesicht. Ich bin gespannt, von wie vielen Familien wir Zuschriften bekommen, die diese Person als ehemaliges Familienmitglied identifizieren können“, schmunzelt Dr. Markus Pavlovic. Ein Blick in den Stammbaum lohnt sich also allemal.

Der Weiterbau der Kita Bergstraße wird sich aufgrund der Ausgrabungen jedoch verzögern, da der Eingangshof von dem Aachener Architekturbüro Kaiser Schweitzer genau an der Stelle vorgesehen ist, an der nun das Kellergewölbe ausgegraben wurde. Der ambitionierte Plan B besteht nun darin, Teile des Gewölbes in den Neubau zu integrieren. „Hier muss ein Kompromiss gefunden werden, der sowohl archäologische Forderungen gerecht wird, als auch denen des Gebäudemanagements der Stadt Aachen.

Denn schließlich sollen die Kinder bald wieder den Kindergarten besuchen können“, ist Leonidas Papadopoulos, Projektleiter beim Gebäudemanagement der Stadt Aachen, zuversichtlich gestimmt. „Wir versuchen soviel zu erhalten wie möglich, ohne die Bauzeit zu lange zu verzögern. Die Blausteintreppe ist absolut schützenswert. Es wäre doch spannend, diese in den Neubau zu integrieren und für die Nachwelt zu erhalten“, ergänzt Dr. Pavlovic.

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