SPD fährt auf die Idee der Campusbahn ab

Von: Thorsten Karbach
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Wird die Campusbahn bald wiede
Wird die Campusbahn bald wieder das Stadtbild prägen? So wie hier am Hirschgraben könnten hochmoderne Bahnen den ÖPNV auf Schienen führen. Beim ersten offenen Sonderparteitag der SPD wurden Nutzen und Chancen diskutiert - auch mit Nicht-Mitgliedern. Montage: Archiv

Aachen. Die Aachener SPD will die Campusbahn aufs Gleis setzen, wenn die Bedingungen stimmen. Das hat sich auch schon vor dem kommunalpolitischen Sonderparteitag am Dienstagabend abgezeichnet.

Die ersten Pläne hatten nicht nur die Verkehrsexperten im Mobilitätsausschuss auf die Idee des schienengebundenen ÖPNV in Zusammenhang mit Elektrobussen und anderen Innovationen -umgangssprachlich formuliert - abfahren lassen.

Doch die Sozialdemokraten wollen mehr denn je die Basis einbeziehen. Das hat der Berliner Bundesparteitag so beschlossen, auch Nicht-Mitglieder sollen sich bei der SPD zu Wort melden können.

Und diese Idee setzte nun die Aachener SPD erstmals um - bei dieser neuen offenen Form des Parteitags, bei der eben auch Nicht-Mitglieder Rede- und Antragsrecht zu den anstehenden Themen - Campusbahn auf der einen, Haushalt auf der anderen Seite - genossen.

„Das ist eine Premiere, was die Willens- und Meinungsbildung in der Stadt Aachen betrifft”, erklärte SPD-Vorsitzender Karl Schultheis. „Eine ganz spannende Sache”, nannte es Martin Peters als Vertreter der Kreis-SPD.

Experten in der Diskussion

Das Interesse war enorm an den Themen - insbesondere die Campusbahn bewegt die Menschen, allein schon weil insgesamt wohl mehr als 220 Millionen Euro investiert werden müsste.

Mehr als 100 Zuhörer wurden im Auditorium der Agit am Europaplatz gezählt. „Eine recht große Zahl” Nicht-SPD-Mitglieder machte Schulheis aus. Wie viele es tatsächlich waren, wurde aber nicht erhoben.

Sie alle wurden von Experten ins Bild gesetzt - als Referenten und Diskussionspartner wurden Professor Adolf Müller-Hellmann, Geschäftsführer des VDV-Förderkreises (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen) und Berater der Stadt in Sachen Campusbahn, Aseag-Vorstand Michael Carmincke und Professor Dirk Vallée, Leiter des Instituts für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der RWTH.

Sie verdeutlichten Chancen und Nutzen einer Stadtbahn - und verdeutlichten die Eile, die bei dem Thema geboten ist. „Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz endet 2019. Dann müssen wir mit der ersten Linie fertig sein, danach wissen wir nicht, wie gefördert wird und die Stadt müsste alleine bauen”, erklärte Müller-Hellmann.

Aktuell gibt es laut ihm Signale, dass zumindest die veranschlagten Kosten von rund 170 Millionen Euro für die Infrastruktur zu 60 Prozent vom Bund und zu 25 bis 35 Prozent vom Land getragen würden. „Wenn wir jetzt nicht Ja sagen, ist das Zeitfenster zu für Aachen”, sagte er. „Es ist die letzte Möglichkeit für Aachen”, meinte SPD-Vorsitzender Schultheis.

Übrigens, so berichtete Müller-Hellmann, habe man allein schon wegen des Zeitplans eine unterirdische Bahn verworfen. „Wenn wir da einen Römerkopf finden, dann wäre es das Aus gewesen.”

Natürlich gibt auch unter den Genossen Bedenken. Der Haushalt wurde nicht nur auf der Tagesordnung ins Blickfeld gerückt. Zwangsläufig steht die Frage im Raum, ob sich die Stadt eine solche Bahn leisten kann.

Aber auch, welche Kostenentwicklung das Busnetz in Aachen nehmen wird. Und so stand es dann auch im Leitbeschluss, am Ende des Parteitages: Die Fraktion solle sich im Rat für die Wiedereinführung der Stadtbahn einsetzen, es dürfe aber keine Kürzungen im Kinder-, Jugend- und Schuletat des städtischen Haushalts geben.

„Für uns ist das der Auftakt in die Debatte”, verkündete Karl Schultheis. Diese Sozialdemokraten wollen mit der Diskussion fortfahren. Dieses Versprechen bekamen Mitglieder wie Nicht-Mitglieder mit auf den Weg.

Letztere lockt die SPD übrigens schon am 24. März wieder - dann aber nicht mit Politbrisanz sondern einem RocknRoll-Spektakel. Ab 20 Uhr spielt, organisiert von den Ortsvereinen Haaren/Verlautenheide, „The Glam Gang” in der Haarbachtalhalle, Am Mühlenteich 30. Bahnanreise ist nicht möglich.
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