Spaziergang durch 5000 Jahre

Von: Hans-Peter Leisten
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Der Anfang ist gemacht: Archit
Der Anfang ist gemacht: Architekt Gerhard Wittfeld, OB Marcel Philipp, Michael Ferber (Gebäudemanagement), Stadtarchäologe Andreas Schaub, Baudezernentin Gisela Nacken sowie Dr. Eckhard Schulz, Dr. Volker Gehring und Dr. Ansgar Schleicher (alle DSA-Technik, von links) beim Spatenstich zur neuen Vitrine. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Gefahr, dass Gras über die Sache wächst, ist endgültig gebannt. Schließlich wäre das für das rund 150 Quadratmeter große Kies-Areal im Gegensatz zum umgebenden Grün im Elisengarten die schlechteste Lösung gewesen.

So aber kann sich die Bürgerschaft wie die Touristenschar auf ein Juwel freuen - unter geschichtlichen genauso wie unter architektonischen Gesichtspunkten.

Die Archäologische Vitrine ist am Donnerstag endgültig vom Stadium der Vision über das der Planung in eine erste Bauphase übergegangen. Damit ist auch der Schlussstrich unter eine finanzielle Zitterpartie gezogen. Was vor allem dem Aachener Software-Unternehmen DSA - Daten- und Systemtechnik zu verdanken ist. So war beim ges-trigen Schotterschaufeln unter anderen Dr. Eckhard Schulz, Geschäftsführender Gesellschafter von DSA, mit Mitarbeitern vor Ort, um beim Anlegen der Baugrube Hand anzulegen. Nun wird bei allem Respekt vor der Handarbeit das finanzielle Engagement in Höhe von fast 180.000 Euro als städtischem Anteil deutlich schwerer wiegen - so erst kann die Vitrine Realität werden. Schließlich kostet das gesamte Projekt 864.000 Euro.

Erleichterung war allenthalben zu spüren, als Oberbürgermeister Marcel Philipp am Donnerstag den offiziellen, lautlosen Startschuss zu dem optischen Bekenntnis zur Stadtgeschichte gab. Der gigantische Andrang bei der Zeltpräsentation der Funde im Elisengarten habe das enorme Interesse an der Stadtgeschichte seit der Steinzeit beeindruckend belegt. Die dauerhafte Präsentation der Funde in „diesem wunderbaren Entwurf” sei ein echtes Highlight für Touristen wie Bürger. Und als oberstem Repräsentanten einer Stadt, die „finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet” sei, galt auch sein Dank der Firma DSA.

„Jetzt wirds handfest”, freute sich Stadtarchäologe Andreas Schaub auf die Perspektiven, die die Vitrine vor allem ihm und seinen Kollegen von der archäologischen Abteilung bietet. Vom 5. und 4. Jahrtausend vor Christus bis in die Frühe Neuzeit bilde der kommende Ausstellungsort die Chance, die Aachener Siedlungsgeschichte nacherlebbar zu machen. In der Vitrine befänden sich keine Einzelstücke wie zum Beispiel in den archäologischen Fenstern unserer Stadt, sondern ein Querschnitt aus der Tiefe von zwei Metern, die Jahrtausende der Siedlungsgeschichte erlebbar machten. „Und wir hoffen, dass dies im Spätherbst bei den ersten Führungen tatsächlich auch wörtlich zu verstehen ist.”

Als „Essenz der Aachener Entstehungsgeschichte” sieht Gerhard Wittfeld das Projekt. Ihm obliegt als dem zuständigen Architekten die gestalterische Umsetzung. Das Objekt wird aus Edelstahl gefertigt. Die Rasterstruktur der äußeren Hülle entspricht dem Raster der Fundstellen im Elisengarten. Der Architekt hofft, dass die Aachener selbst die Ausstellung der Stücke in den Vitrinen annehmen werden. Eigentlicher Baubeginn sei im August, die Edelstahlelemente befänden sich aber in der Vorfertigung und könnten dann sehr schnell vor Ort zusammengefügt werden.

Die Furcht, dass der Sponsor DSA die Vitrine zum eigenen Schaufenster machen könnte, ist offensichtlich vollkommen unbegründet. „Es gibt doch nichts Schöneres, als mitten in Aachen vor historischer Kulisse an so einem Objekt mitarbeiten zu können. Wir wollen so auch die Identifikation unserer Mitarbeiter mit der Stadt und ihrer Geschichte fördern und unsere ausländischen Firmengäste zu einem Rundgang einladen”, versprach DSA-Chef Schulz. Das Engagement in Technik und Software werde nur mit einem „sehr dezenten” Hinweis dokumentiert.

In anderer Hinsicht erlebte Schulz aber eine erfreuliche Überraschung: Zahlreiche Geschäftspartner hätten ihn angerufen und begeistert auf die Idee des Sponsorings reagiert - und eine Nachahmung signalisiert.

Genaue Details wollte er sich noch nicht entlocken lassen, aber offensichtlich hat das Modell der Archäologischen Vitrine das Zeug zum Pilotprojekt in Sachen Sponsoring.
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