Aachen - Sparen beim Theater: Ist das Maß jetzt voll?

Sparen beim Theater: Ist das Maß jetzt voll?

Von: Robert Esser und Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Theater Aachen / Etat
Im Fokus der Finanzdebatten: Das Stadttheater Aachen. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Hinter den politischen Kulissen wird dieser Tage mit Hochdruck am städtischen Etat 2011 gestrickt - ein finanzielles Ruhekissen wird dabei auch und gerade für die Kulturinstitutionen, allen voran das Theater Aachen, mit Sicherheit nicht herauskommen.

Auch wenn die Debatte um Streichung oder Erhalt ganzer Sparten oder einzelner Angebote (etwa im Mörgens) spätestens seit Abschluss der berühmten Bürgerbefragung Anfang Februar kein Thema mehr ist: Angesichts von über 15 Millionen Euro städtischer Zuschüsse bleibt die größte Bühne der Region im Fokus der Finanzdebatten. Jeder (verkaufte) Sitzplatz wird mit mindestens 107 Euro aus dem Stadtsäckel subventioniert.

Anlass genug für die Aachener Zeitung, beim Forum am Dienstag mit Vertretern von Theater, Verwaltung und Politik über die Perspektiven für das älteste Bürgertheater des Landes, aber auch die freien Bühnen der Stadt zu diskutieren. Zumal der Kulturbereich bei der Online-Erhebung zur kommunalen Spardebatte durchaus eher am Rande (nämlich per „Zusatzfrage”) thematisiert wurde - was bereits einigen Aufschluss über die Brisanz des Themas gibt.

Immerhin knapp 59 Prozent der Befragten sprachen sich dabei gegen „allgemeine Einsparungen” aus, gut 38 Prozent dafür. Übrigens: 4963 Menschen meldeten sich in diesem Punkt zu Wort. Und: Ebenfalls rund 58 Prozent sprachen sich umgekehrt für eine Erhöhung der Ticketpreise im Theater Aachen aus, knapp 39 Prozent dagegen.

Steht also zu erwarten, dass die Politik den - allemal riskanten - direkten Griff ins Portemonnaie der Zuschauer als erstes „vertieft”. Fragt sich nur, wie sich das längerfristig auf die Publikumszahlen auswirkt, die in der Intendanz von Michael Schmitz-Aufterbeck von vordem rund 100.000 auf immerhin rund 140.000 in den jüngsten Spielzeiten verbessert werden konnten. Der positive Trend hielt allerdings zu Jahresbeginn 2011 nicht an.

CDU-Fraktionschef Harald Baal betont: „Die Leistung von Zuschüssen fällt leichter, wenn das kulturelle Angebot auch Resonanz hat. Ich wünsche mir steigende Besucherzahlen in den Museen und Theatern. Ich wünsche mir, dass das kulturelle Angebot stärker als regionale Herausforderung verstanden wird.” Und Baal fügt hinzu: „Schließlich wünsche ich mir, dass die Eitelkeiten der verschiedenen Einrichtungen hinter der Erkenntnis zurücktreten, dass die Finanzen nur gemeinsam in den Griff zu bekommen sind.”

Auch der grüne Kultur- und Finanzexperte Hermann Josef Pilgram wünscht sich, dass alle bei der Konsolidierung des maroden Haushalts an einem Strang ziehen. Denn: „Eine Stadt, die keine finanziellen Spielräume und Entscheidungsfreiheiten hat, wird in jeder Beziehung entmündigt.” Aber Pilgram warnt auch: „Kultur gehört substanziell zu einer Stadt wie Aachen. Sie darf auf keinen Fall totgespart werden.”

Diesen Spagat gilt es nun möglichst schmerzfrei über die Theaterbühne zu bringen. Was Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck für unmöglich hält: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht”, sagt er. Sparen ließe sich nur durch Abschaffung von Spielstätten - was der Generalintendant fatal findet. „Unser Personal - vor allem Technik und Ensemble - arbeitet bereits am Anschlag. Mehr geht nicht.” Im Gegenteil: Es seien dringend weitere Investitionen nötig - etwa in die „marode Unterbühnentechnik und den völlig überalterten Fuhrpark. Das rächt sich sonst später.”

Fünf Prozent des 750 Millionen Euro schweren Aachener Haushalts fließen in kulturelle Belange: 37 Millionen Euro. Das sind pro Aachener Kopf gut 152 Euro pro Jahr. In Düsseldorf fließen statistisch knapp 180 Euro pro Bürger in die Kultur. In Münster beträgt die Quote 145, in Köln 143 Euro. Wie aussagekräftig derlei Rankings sind, wird Dienstagabend sicherlich ebenso thematisiert.

Am Dienstag öffentliches AZ-Bürgerforum

Am Dienstag um 18 Uhr beginnt das öffentliche AZ-Bürgerforum Kultur im Kasino des Zeitungsverlages, Dresdener Straße 3 (Einlass 17 Uhr).

Die AZ-Redakteure Albrecht Peltzer und Robert Esser diskutieren unter anderem mit Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck, Kulturdezernent Wolfgang Rombey, Tom Hirtz (Das Da Theater), Ingrid Böttcher (Theater Initiative Aachen) sowie Sibylle Reuß (SPD), Harald Baal (CDU), Hermann Josef Pilgram (Grüne), Wilhelm Helg (FDP) und Andreas Müller (Linke).
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