Aachen - Spannende Genese von Schaffungsprozessen

Spannende Genese von Schaffungsprozessen

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
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Stellt ihre Scherenschnitte und Zeichnungen im Raum für Kunst in der Elisengalerie aus: die Künstlerin Dorthe Goeden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn Dorthe Goeden sich an ein neues Kunstwerk begibt, dann braucht sie Zeit. Denn ihre Arbeiten sind ein Schaffungs- und Entwicklungsprozess. Unter dem Thema „grass is always greener / over there“ zeigt sie aktuell im Raum für Kunst in der Elisengalerie ihre Werke.

„Ich verarbeite in meinem Tun viele meiner Erinnerung und mag das Spiel zwischen zwei Orten. In Aachen geboren, lebe ich zwar in Münster, bin aber nach wie vor gerne hier und thematisiere das Sehnsuchtsgefühl auf verschiedene Art und Weise“, so die Künstlerin.

Die Basis ihrer meistens in schwarz-weiß gehaltenen Objekte bilden kleinformatige Zeichnungen. Mit Tusche startet Goeden, die in Aachen Design mit dem Fachbereich Gestaltung studiert hat, ihren Arbeitsprozess. „Es beginnt mit einer Linie und entwickelt sich dann immer weiter. Meine Erinnerungsbruchstücke werden mit der Zeit größer. Anschließend fertige ich auf den Tuschezeichnungen basierend Papierschnitte an“, ergänzt Goeden.

Die Scherenschnitte verzichten ebenfalls gänzlich auf Farbe. Allein diese Eigenschaft besagt, dass sie sich in einem gewissen Stadium der Abstraktion befinden. Die Beschränkung auf den Schwarz-Weißkontrast rückt ihre Arbeiten also vom Realen ab und fordert verstärkt die Vorstellungskraft des Betrachters.

Andererseits sind sie im Unterschied zu einem Foto oder auch zu einer Zeichnung haptisch, sie haben eine Materialität, wenn auch inhaltlich eine dem Wirklichen weitgehend entrückte. Da die mehrschichtigen Arbeiten aus Papier oder Karton nur mit feinen Stiften an der Wand befestigt sind, können sie sich wölben, zuweilen sogar leicht wehen, wodurch sie überlagerte Schatten werfen.

„Mit meinen Linien geht für mich auch ein Ordnungssystem einher. Ich empfinde meine Umwelt als chaotisch und über die Linien bringe ich Ordnung in das Ganze“, erzählt die Künstlerin und fügt hinzu: „Auf einer großen Schneidematte arbeite ich mit dem Skalpell. Was geschnitten wird, steht vorher ganz genau fest. Meine Zeichnungen dienen mir dabei als Fundus.“ Die Leichtigkeit, Form und die Transparenz ihrer Arbeiten führen dem Betrachter mehrere Ebenen vor Augen und zeigen, dass sich je nach Lichteinfluss die Wirkung des Kunstwerkes verändert.

So lädt Dorthe Goeden die Besucher nicht nur zu einem abenteuerlichen Erkunden der Zeichnungen und Schnitte ein, sie macht gleichzeitig auch sichtbar, welch langwieriger, aufwändiger und heikler Prozess des Schneidens mehrerer Kartonlangen zum Endprodukt vorausgeht.

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