Späte Ehre für einen großen Sohn der Stadt

Von: Peter Schopp
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Feierlicher Moment: Oberbürgermeister Marcel Philipp und Uwe Reuters von den Burtscheider Heimatfreunden enthüllten in der Hauptstraße die neue Gedenktafel, die an den großen Schriftsteller Friedrich Wilhelm Hackländer erinnert. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Glückwünsche zum Geburtstag wurden etwas zu spät überbracht, allein, den Jubilar focht das nicht wirklich an. Friedrich Wilhelm Hackländer wurde vor 200 Jahren in einem Haus an der oberen Hauptstraße in Burtscheid geboren.

Die stets rührigen Mitglieder des Vereins der Heimatfreunde Burtscheid nahmen dies zum Anlass, bei der Stadt mit der Idee einer kleinen Gedenktafel vorstellig zu werden, um sie an der Stelle anzubringen, an der das Geburtshaus Hackländers bis kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges stand.

Oberbürgermeister Marcel Philipp zeigte sich angetan von der Initiative der Heimatfreunde, hatte man doch vor Jahresfrist gemeinsam dafür gesorgt, die verschwundene Bronzeplastik „Die Sitzende“ ersetzen zu können. Nun also Hackländer, ein berühmter Sohn des damals noch selbstständigen Ortes Burtscheid. Er erblickte das „Botscheder“ Licht der Welt am 1. November 1816 als Sohn des Schulleiters einer evangelischen Schule. Seine Mutter starb zwei Monate später an den Folgen der Geburt, und seinen Vater verlor er im Alter von zwölf Jahren, weswegen er bei verschiedenen Verwandten aufwuchs.

Er begann, seine Erlebnisse und Gedanken aufzuschreiben, und avancierte zu einem hoch angesehenen und stark nachgefragten Schriftsteller. Nach seinem Umzug nach Stuttgart begann er 1840 eine Karriere als Hofrat, Reisebegleiter und Sekretär des württembergischen Kronprinzen Karl, bevor er ab 1849 als Kriegsberichterstatter tätig wurde. Die Gesamtausgabe seines Lebenswerkes umfasst mehr als 60 Bände, sein Stil war geprägt von Humor und der realistischen Einbindung der zeitgenössischen Gegebenheiten.

Chronist der Industrialisierung

Hackländer thematisierte als erster deutscher Schriftsteller die aufkommende Industrialisierung und war Mitte des 19. Jahrhunderts einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. Er starb am 6. Juli 1877 in Leoni am Starnberger See. Hackländer selbst hatte immer davon geträumt, eines Tages mit einer Gedenktafel geehrt zu werden, insofern ist die aktuelle Aktion der Heimatfreunde nur die Erfüllung eines innigen Wunsches von Hackländer. Auch die Tatsache, dass er 1856 öffentlich seinen Geburtsort Burtscheid festschreiben lässt, „damit nicht einige andere Orte dies für sich reklamieren“, lässt eine große Bindung zu seiner Geburtsstadt erkennen.

Uwe Reuters, Vorsitzender der Heimatfreunde, war dann auch erkennbar zufrieden mit der Gedenktafel aus schwarzem schwedischen Vulkanstein, welche nun an der Stelle angebracht wurde, an der bereits die Vorgängertafel hing. Allerdings war mit der Zerstörung des Geburtshauses Hackländers in einer Bombennacht 1944 auch diese Gedenktafel verschwunden. „Wir haben in Burtscheid kurze Wege, wenn es um Hilfe geht“, erklärte er das zusätzliche Sponsoring der Sparkasse Aachen.

Man kennt sich, man hilft sich, und so wurde der Plan schnell in die Tat umgesetzt. Außerdem engagierte sich die Stadt Aachen, und durch eine Verkaufs- und Spendenaktion des Vereins konnten die noch fehlenden Mittel aufgebracht werden.

Zum Schluss der kleinen Zeremonie übergab der evangelische Pfarrer Redmer Studemund mit einem Segenswort die Tafel ihrer Bestimmung. Und so ist es den Burtscheidern wieder einmal gelungen, ein Stück Heimatgeschichte sicht- und greifbar zu machen, und man darf sicher sein, dass es nicht die letzte Aktion gewesen ist.

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