Soziales Denken und Handeln hat ein Gesicht

Von: Hans-Peter Leisten
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Gruppenbild mit Preisträger: Tim Hammer (5. von links) erhielt von Gabriele Mohné Urkunde, symbolischen Scheck und den Preis überreicht. Mit OB Marcel Philipp und Armin Laschet gratulierte die gesamte Findungskommission der Familienunternehmer. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Was macht einen sozialen Unternehmer aus? Antworten gibt es viele an diesem Abend im Krönungssaal des Rathauses. Charakterskizzen, Analysen, Anforderungsprofile. Und doch ist es die Schlussbemerkung von Wolfgang Tim Hammer, die im Applaus fast untergeht. Gerade ist ihm von den Aachener Familienunternehmern der Preis „Aachen Sozial“ verliehen worden.

Es scheint fast so, als hätte er seine Schlussbemerkung um ein Haar vergessen, da beeilt sich der Spediteur mit seiner Mitteilung: „Die 5000 Euro Preisgeld gebe ich an die Hospizstiftung weiter.“ Damit nicht genug. Weitere 2000 Euro spendet er an das Projekt „Feuervogel“ der Suchthilfe, 2000 an Cornelia Grimmen und ihre Betreuungsprojekt und schließlich 1000 Euro an die Kita Stettiner Straße für Freizeitaktivitäten. 10 000 Euro, mal so eben.

Typisches Verhalten

Vielleicht ist es dieser Schlussakkord, der mehr sagt als die vielen – durchaus sehr gehaltvollen – Worte zuvor. Gerade die unaufgeregte und uneitle Art und Weise ist typisch für Tim Hammer und soll typisch sein für die jeweiligen Preisträger grundsätzlich. Uns so ist es gewiss auch viel mehr als ein Akt der Höflichkeit, dass der siebte Träger dieses Preises tosenden Applaus nach seiner Ansprache erhält. Er hat den Nerv der Gästeschar im voll besetzten Krönungssaal getroffen. Dort haben sich zahlreiche Spitzenvertreter aus der Wirtschaft und von sozialen Einrichtungen versammelt – ein unmissverständlicher Hinweis auf den wachsenden Stellenwert, den der Preis in den vergangenen Jahren erfahren hat.

Sozial und erfolgreich

Der Preis entspricht dem Selbstverständnis der Organisatoren, deren Sprecherin Gabriele Mohné bei ihrer Begrüßung betont: „Die Aachener Gesellschaft kann sozial gerecht und wirtschaftlich erfolgreich sein.“ Sie gehört zu den Initiatoren des Preises, dessen jährlicher Träger von einer speziellen Findungskommission aus Unternehmern ausgewählt wird. Die Stabilität dieser Aachener Gesellschaft betont auch der „Hausherr“ des Rathauses, Oberbürgermeister Marcel Philipp. „Wie geht es uns in Aachen wirklich?“ Er nennt Avantis, die Wende bei „Aquis Plaza“ und Talbot sowie den Campus Melaten als positive Beispiele. „Mir ist nicht bange um die Zukunft.“

Zur umfassenden Betrachtung holt danach der Oberste aller Benediktiner, Abtprimas Dr. Notker Wolf, aus. Er analysiert die Beziehung zwischen Geld und Bildung, zwischen Unternehmertum und Verantwortung und bricht irgendwie auch eine Lanze für den Unternehmer: „Unternehmer zu sein, ist nicht bequem.“

Naturgemäß fällt die eigentliche Laudatio, die der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Armin Laschet hält, wesentlich persönlicher aus. Er hat Tim Hammer ein gutes Stück seines Weges begleitet. und fragt: „Was ist Aachen? Der Dom, der AKV, die Alemannia. Aber auch die Kita Rokoko und die OT Josefshaus. Und wie alle bisherigen Preisträger hat Tim Hammer auch den Blick für diese andere Seite der Stadt.“ Er sei ansprechbar für seine Mitarbeiter, veranstalte Feste für die Beschäftigten, interessiere sich auch für die KG Bonneplöcker und habe die notwendige Portion Schlitzohrigkeit: In seiner Zeit als Alemannia Vize-Präsident habe er auch ihn selbst zum Kauf einer Dauerkarte „genötigt“ – wofür er mit Blick auf die Entwicklung noch heute dankbar sei. In Zeiten der Weltfinanzkrise brauche man Unternehmer mit Durchhaltevermögen – und hier seien die Familienunternehmen von besonderer Bedeutung. Tim Hammer habe als ein Aachener Familienunternehmer auch den Blick für die Kinder in der Kindertagesstätte Rokoko und in der Grundschule Barbarastraße. Auch um deren Aufstiegschancen kümmere sich der Preisträger. „Er ist ein liebenswerter Öcher, der nicht nur das Süd-, sondern auch das Ostviertel liebt.“

Hammer ist ein erfolgreicher Segler und Golfer, dessen Herz aber für den Fußball schlägt. Auch deshalb kokettiert er wohl ein wenig mit seiner Ehrung: „Ich stünde lieber hier als Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga oder größter Arbeitgeber Deutschlands – das wäre wirklich messbar.“ Er habe versucht, der Findungskommission einen anderen Preisträger anzudienen – vergeblich. In seiner sehr persönlich gehaltenen und mitunter emotionalen Dankesrede nimmt er die Zuhörer mit auf eine Reise durch die erste Phase seines beruflichen Lebens. Nicht um sich in den Mittelpunkt zu rücken, sondern um seine Entwicklung hin zu sozialem Denken nachvollziehbar zu machen. Heute nähmen sich viele junge Leute in jungen Jahren unheimlich wichtig – hätten aber keine Ahnung vom Leben.

Er nennt den Stolberger Unternehmer Elmar Nosch seinen väterlichen Freund und Förderer, dem er viele Erfahrungen zu verdanken habe. In England, in New York und in der Normandie hat Hammer seine Lebenslektionen gelernt. Er habe unglaublich liebenswerte, aber arme Menschen in vielen fremden Ländern kennengelernt, habe in Stahlwerken nicht immer freiwillig Eisenstangen gezählt und sei oft Lkw gefahren.

Zum Schluss formuliert er einen Appell: „Karl der Große lebt nicht mehr. Damit müssen wir in Aachen irgendwann mal klarkommen. Wir brauchen Gestalter, keine Verwalter. Der Campus wird von entscheidender Bedeutung. Wir müssen Aachen so lebenswert erhalten!“

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