Aachen - Soziale Integration mit Schulabschluss

Soziale Integration mit Schulabschluss

Von: Thorsten Karbach
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Eine große Gemeinschaft: 520 Schüler besuchen die Gemeinschaftshauptschule Drimborn. Ab Sommer wird es hier die erste Integrationsklasse geben, die Kinder mit und ohne Behinderung besuchen. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Offenheit ist an der Gemeinschaftshauptschule Drimborn (GHS) Programm. Als der Verein „Gemeinsam leben - gemeinsam lernen” Schulleiterin Annett Koch-Thoma und ihrem Stellvertreter Michael Geurtz die Idee einer integrativen Klasse mit behinderten und nichtbehinderten Kindern vorstellte, stieße er auf offene Ohren.

„Uns wurde aber erst nach und nach bewusst, in welche Lücke wir da treten. Wir haben keinen gefunden, der die Idee nicht gut findet”, sagt Koch-Thoma nun.

Zum neuen Schuljahr wird die GHS Drimborn eine Integrationsklasse eröffnen. In einer der drei anvisierten fünften Klassen werden sechs bis acht Kinder mit Behinderung neben Kindern ohne Behinderung sitzen und gemeinsam von einer Klassenlehrerin und einer Sonderpädagogin (Team-Teaching) unterrichtet.

So ist individuelle Förderung gesichert. Lehrer, Schüler, Eltern, Stadt und Bezirksregierung - auf allen Ebenen löste die Idee Begeisterung aus. Und die Sonderpädagogin ist auch schon gefunden. „Noch nie ist ein Projekt an dieser Schule so schnell und mit so viel Zustimmung umgesetzt worden. Wir sind sicher, dass alle Schüler profitieren werden”, sagt Koch-Thoma. Im September hatten die Gespräche begonnen, im Dezember war bereits alles klar.

Bisher sehr gute Erfahrungen

Die Vorbereitungen laufen. Lehrer und Schulleiter haben schon an der Grundschule am Höfling und an der Gesamtschule Brand hospitiert. Dort gibt es bereits Integrationsklassen, und die Erfahrungen sind sehr gut. Die Gesamtschule Brand ist bislang die einzige Aachener Schule der Sekundarstufe I mit solchen integrativen Klassen. Wenn Kinder mit einer Behinderung die Grundschule verlassen, führt ihr Weg deswegen in der Regel in eine der Förderschulen - mangels Angebot an Regelschulen.

„Auch wir werden nicht genug Angebot schaffen können, die Nachfrage ist noch weit höher”, sagt Koch-Thoma. Aber die sechs bis acht Schüler, die sich im Februar anmelden können (Infos unter 9720020), sind ein Anfang. Noch sprechen Geurtz und Koch-Thoma von einem Schulversuch, aber die Perspektive ist klar: In ein paar Jahren soll es in allen Jahrgängen der GHS eine Integrationsklasse geben. „Wir gehen davon aus, dass wir das durchziehen”, sagt Geurtz.

35 bis 40 Schüler mit einer Behinderung werden in ein paar Jahren also die GHS besuchen. Insgesamt zählt die Schule aktuell 520 Kinder. Unter denen sind auch schon einzelne mit einer Behinderung. „Und die sind bestens integriert. Berührungsängste gibt es nicht”, sagt Koch-Thoma. Die positiven Erfahrungen machen Mut.

Große Veränderungen wird es an der Schule ohnehin nicht geben müssen. Im Neubau gibt es behindertengerechte Toiletten, die Integrationsklassen werden zunächst im Erdgeschoss einziehen. Die Bedingungen stimmen. Erste Anfragen gibt es ohnehin schon. „Die Eltern wünschen sich soziale Integration und die Perspektive auf einen Haupt- oder Realschulabschluss für ihre Kinder”, hat Koch-Thoma in ersten Gesprächen gelernt. Diese Perspektive will die GHS ab Sommer geben.
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