Sozialbestattungen: Bewegende Gedenkfeier auf dem Friedhof Hüls

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Bürgermeisterin Hilde Scheidt sprach in der Trauerhalle des Friedhofs Hüls vielen der Anwesenden ihr Beileid aus. Foto: Stadt Aachen/Paul Heesel

Aachen. Jedes Jahr kümmert sich das Ordnungsamt der Stadt Aachen um die Bestattung der verstorbenen Menschen in unserer Stadt, für deren Beerdigung sonst niemand sorgt. Diese „ordnungsbehördlich verfügten Bestattungen“ sind Beisetzungen, bei denen entweder die Angehörigen nicht ermittelt werden können oder die Angehörigen - aus welchen Gründen auch immer - nicht in der Lage sind, ihrer gesetzlichen Bestattungspflicht nachzukommen.

Im Zeitraum vom 1. April 2015 bis zum 15. März dieses Jahres waren das 133 Menschen. Bereits zum vierten Mal hat der Ökumenische Arbeitskreis Bestattungskultur aus evangelischer und katholischer Kirche gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Stadt Aachen eine Gedenkfeier auf dem Friedhof Hüls organisiert, um dieser Menschen namentlich zu gedenken.

Bürgermeisterin Hilde Scheidt, die in diesem Jahr Oberbürgermeister Marcel Philipp vertreten hatte, Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt, Stadtdirektorin Annekathrin Grehling, Beigeordneter Dr. Markus Kremer sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Aachen verlasen im Rahmen dieser Gedenkfeier die Namen aller 133 Verstorbenen. Gleichzeitig mit dem Verlesen des Namens wurde für jeden Verstorbenen ein Gedenklicht entzündet.

Bürgermeisterin Hilde Scheidt fand in der Friedhofshalle Hüls anrührende Worte und machte die Bedeutung dieser Gedenkfeier deutlich: „So viele Menschen dürfen wir eben nicht einfach vergessen, sondern wir müssen uns in Würde von ihnen verabschieden.“

Scheidt führte aus, dass für diese Verstorbenen die gleiche Würde gelte, die Artikel 1 unseres Grundgesetzes anspricht und Schützt – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Und weiter: „Das zeigt, wie die Stadt Aachen sich aufgestellt hat, wie sie ihre Menschen achtet. Dies ist ein gutes Zeichen für unsere Stadt, für die Würde der Menschen, die hier leben.“

An der weiteren Gestaltung der Gedenkfeier wirkten neben anderen Pfarrerin Bettina Donath- Kreß von der evangelischen Kirche sowie Pastoralreferentin Gabriele Eichelmann und Pfarrer Markus Frohn von der katholischen Kirche mit. Der musikalische Rahmen wurde von den Kindern und Jugendlichen der Chorgemeinschaft Eilendorf - Rothe Erde unter der Leitung von Marcel van Westen gebildet.

Zu der Gedenkfeier waren trotz starken Regens rund 100 Menschen erschienen, wohl Freunde, Bekannte oder ehemalige Nachbarn, aber auch Angehörige der Verstorbenen sowie Aachener Bürgerinnen und Bürgern, die den zumeist einsam Verstorbenen ein würdiges Erinnern bereiten wollten.

In einer großen Traueranzeige in den beiden Aachener Tageszeitungen waren zuvor am Samstag vor Ostern, 26. April, die Namen der Verstorbenen veröffentlicht worden. So sollten auch Menschen auf die Gedenkfeier aufmerksam gemacht werden, die bei der Beisetzung nicht anwesend waren oder sein konnten oder bislang noch gar nicht vom Tod des Betreffenden erfahren hatten.

Die Zahl der Fälle, in denen das Ordnungsamt sich um die Bestattung kümmern muss, steigt von Jahr zu Jahr. In Aachen finden fast alle diese Bestattungen auf dem Friedhof Hüls statt. In der Regel sind es Erdbestattungen in einem bislang mit einem Holzkreuz versehenes Reihengrab. Aber diese Holzkreuze und die Inschriften darauf verwittern im Laufe der Zeit.

Deshalb hat der Arbeitskreis im vergangenen Jahr die Idee entwickelt, die Holzkreuze im Lauf der Zeit durch Namenssteine zu ersetzen – Pflastersteine, in die der Name sowie Geburts- und Todesjahr der Verstorbenen gemeißelt wird. Weil zukünftig jedes Jahr rund 150 Holzkreuze ersetzt werden müssen, sind Spender gesucht. Die evangelische Kirchengemeinde Aachen hat dazu ein Spendenkonto eingerichtet. Wer die Aktion „Namenspaten“ unterstützen will, kann seine Spende auf das Konto bei der Sparkasse Aachen, IBAN DE42 3905 0000 0000 0002 16, BIC AACSDE33, Vermerk: M103.08000010.482000, einzahlen.

Die Pflastersteine werden so angelegt, dass sie einen Weg bilden und zum zentralen Denkmal des Grabfeldes mit dem Kreuz führen. Idee und Ausführung hierzu kommt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Aachener Stadtbetriebs.

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