Aachen - Sozialarbeiter statt Schimanski im Parkhaus

Sozialarbeiter statt Schimanski im Parkhaus

Von: Matthias Hinrichs
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Wo das Auge des Gesetzes letztlich machtlos bleibt, helfen die Kameras im Apag-Leitstand im Zweifelsfall allen Beteiligten: Apag-Geschäftsführer Herbert Sliwinski (rechts) hat die neue Zusammenarbeit ebenso schätzen gelernt wie Caritas-Sprecher Wolfgang Offermann (links), Streetworker Mark Krznaric und Apag-Teamleiter Norbert Müller mit Kollegin Christa Keuter (Mitte von rechts). Michael Jaspers

Aachen. Okay, Kommissar Schimanski musste draußen bleiben. „Vor ein paar Jahren hat einmal ein Redakteur angefragt, ob man eine Szene für die TV-Produktion ,Der Golem‘ in einem unserer Häuser drehen dürfe“, erzählt Herbert Sliwinski. Der Geschäftsführer der Aachener Parkhaus GmbH Apag lehnte dankend ab – von wegen Mattscheiben-Klischee.

Mittlerweile passierten in jedem zweiten Krimi die schlimmsten Verbrechen auf irgendwelchen düsteren Parkdecks, meint der Apag-Chef genervt. „Das hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun – im Gegenteil.“ Wenn die „echte“ Polizei mal zum „Tatort Parkhaus“ gerufen werde, dann am ehesten wegen der einen oder anderen Panne beim Rangieren. „Unsere Häuser gehören zu den sichersten Orten der Stadt“, betont Sliwinski. Handlungsbedarf haben er und sein Team unterdessen in völlig anderer Hinsicht ausgemacht. Deshalb sind seit einiger Zeit statt „echter“ oder schauspielernder Fahnder vor allem Streetworker der Caritas in ihrem Auftrag unterwegs.

Über Kameras verfügt die Apag freilich auch ohne Schimanski und Co. Rund 450 sind es allein in den 13 Häusern in der City. Das alltägliche Geschehen auch in den letzten Winkeln der Blechbastionen haben die hauseigenen „Regisseure“ wie Norbert Müller und Christa Keuter im Leitstand an der Couvenstraße im Blick. „Und wir haben festgestellt, dass sich dort zunehmend Obdachlose aufhielten, die einen warmen Platz zum Schlafen suchten“, berichtet Sliwinski. „Wir wissen, wie wichtig es für unsere Kunden ist, dass sie sich sicher fühlen können. Aber es ist uns ebenso bewusst, dass unsere Häuser vielfach auch Rückzugsorte für Menschen in Notsituationen sind, dass wir auch für die eine Verantwortung haben.“

Seit November vergangenen Jahres sind Streetworker Mark Krznaric und seine Kollegen daher regelmäßig zur Stelle, wenn die Sicherheitskräfte von Apag oder Ordnungsamt ihre Hilfe benötigen – vor allem aber Menschen wie zum Beispiel jener ältere Obdachlose, der eine Zeitlang unverdrossen im selben Parkhaus Unterschlupf suchte. Ein „Fall“ von vielen, weiß nicht nur Krznaric. „Wir haben ihn immer wieder zum Café Plattform begleitet, wo er immer ein Bett fand. Am nächsten Tag war er anfangs allerdings gleich wieder weg“, erzählt er.

Doch bei den vielen „Spaziergängen“ zu Einrichtungen der Caritas und anderer Institutionen, die Obdachlosen praktische Hilfen und seelischen Halt bieten, habe der Mann allmählich Vertrauen gefasst. „Unser Ziel ist natürlich auch, die Situation der Betroffenen über die niedrigschwellige Arbeit auf der Straße nachhaltig zu verbessern, ihnen im Idealfall die Perspektive auf eine Wohnung zu vermitteln“, betont Caritas-Sprecher Wolfgang Offermann. Inzwischen befinde sich der besagte Nichtsesshafte in stationärer Behandlung – auf eigenen Wunsch.

So profitieren letztlich alle Beteiligten vom neuen Kooperationsprojekt, unterstreichen die Partner. Nicht selten bauen die Sozialarbeiter erste, buchstäblich richtungsweisende Beziehungen zu Suchtkranken auf, die vordem völlig auf sich allein gestellt waren. „Wir haben verstanden, dass es nicht richtig sein kann, sie einfach nur zu vertreiben“, sagt Sliwinski. Inzwischen seien alle Mitarbeiter in den Parkhäusern auch im Umgang mit Hilfsbedürftigen geschult. Und ausgebildete Streetworker leisteten letztlich weit sinnvollere Dienste als private Ordnungskräfte oder gar „Schwarze Sheriffs“, wie man sie aus anderen Städten kenne. Von Schimanski ganz zu schweigen.

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