Sonderkonzert im Krönungssaal: Nicht nur meisterlich im Namen

Von: Kathrin Albrecht
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Foto: Andreas Schmitter / *Accordate-Konzert*, Rathaus, Krönungssaal, *für AZ+AN-A1*

Aachen. „Große Meister“ versprach ein Sonderkonzert der Reihe „Accordate-Konzerte“ am Sonntag im Könungssaal des Rathauses. Und die Besucher wurden nicht enttäuscht. Das Konzert außerhalb der sonst üblichen Abonnement-Reihe war als Benefizkonzert für die Musikhochschule Aachen gestaltet worden.

Der Abend wurde auch vom Orchester der Standorte Aachen und Wuppertal der Hochschule für Musik und Tanz Köln getragen. Dirigent Herbert Görtz, Professor am Standort Aachen, widmete das Konzert außerdem dem Andenken an den im April gestorbenen Hochschulprofessor Volker Wangenheim, der an der Musikhochschule Köln zahlreiche Generalmusikdirektoren ausgebildet und das Bundesjugendorchester mitgegründet hatte.

Zeitgenössische Meister

Zu Beginn stand ein zeitgenössischer Meister auf dem Programm. Das Stück „Eres el mar inasible“ (deutsch: Du bist das ungreifbare Meer) des bolivianischen Komponisten Juán Quintero Silva feierte vor zwei Jahren seine Uraufführung. Das Stück offenbart eine zwiegespaltene zeitliche Dimension, ein Spiel zwischen Alt und Neu, die bolivianische Volksmusik mit großer Orchestermusik verbindet.

Klangbilder erschaffen dabei die Illusion eines Meeres, das in Wellen kommt und wieder geht, sich in Disharmonien bricht oder einfach nur ruhig abklingt. Nicht alle Besucher konnten sich auf dieses Klangerlebnis einlassen. Sie wurden entschädigt mit zwei großartigen Aufführungen deutscher Klassiker. Zunächst erklang das Konzert für Violine und Orchester D-Dur des großen romantischen Komponisten Johannes Brahms.

Er komponierte das Konzert zwischen 1874 und 1878 in engem Austausch mit Joseph Joachim, einem der führenden Geiger des 19. Jahrhunderts. Am Sonntag übernahm Anton Govorun diesen Solopart und verzauberte das Publikum. Govorun ist ebenfalls Student an der Aachener Musikhochschule und besucht den Masterstudiengang Violine Orchesterzentrum bei Michael Vaiman. Dreimal rief ihn das Publikum mit nicht enden wollenden Applaus zurück auf die Bühne. Auch die Aufführung von Robert Schumanns Symphonie Nr. 4 d-Moll wurde begeistert aufgenommen.

Musikalische Dichte

Das Werk, eigentlich eine umfassende Umarbeitung der Symphonie Nr. 2, ist ein Meilenstein für die Entwicklung dieser Gattung. Schumann verwirklichte hier die Idee einer Symphonie in einem Satz. Die enge motivische Verknüpfung der Sätze untereinander verstärkt den Eindruck der musikalischen Dichte des Werkes, das in einem furiosen Finale mündet, das nicht nur technisch, sondern auch körperlich nahezu mitreißend ist.

Die besondere Atmosphäre der Konzerte im Krönungssaal des Aachener Rathauses tat ihr übriges. Die Musiker sitzen mitten im Publikum, die Zuhörer sind ganz nah dran am Orchester und können den Musikern buchstäblich auf die Finger sehen. Auch diese Aufführung wurde vom Publikum mit minutenlangem Applaus belohnt, für alle Beteiligten ein rundherum gelungener Konzertabend.

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