„Solwodi“: Gezielte Unterstützung für Prostituierte

Von: xen/grz
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„Haben die Erfahrung gemacht, dass wir in den Beratungen immer wieder von vorne anfangen müssen“: Roshan Heiler leitet die Beratungsstelle „Solwodi“, die in Aachen gezielte Hilfe für Prostituierte leistet. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Aufenthalt, Arbeit, Gesundheit, Steuern, Ausstiegsmöglichkeiten – diese Themen sind für Prostituierte wichtig. „Und doch haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir in unseren Beratungen immer wieder von vorne anfangen. Vieles wissen sie einfach nicht oder sie wurden falsch informiert“, sagte Roshan Heiler.

Sie leitet die Beratungsstelle „Solwodi“, die allgemein eine Anlaufstelle für Frauen in Notsituationen und im Besonderen eine Beratungsstelle für Frauen in der Prostitution ist. Eine neue Broschüre – finanziert durch den Zonta-Club Aachen – in zehn Sprachen soll Abhilfe schaffen.

Solidarität mit Frauen in Not

Der Verein „Solwodi“ (Solidarity with Women in Distress – Solidarität mit Frauen in Not) kümmert sich um Frauen, die durch Sextourismus, Menschenhandel oder Heiratsvermittlung nach Deutschland gekommen sind. Die Mitarbeiterinnen in Aachen gehen einmal in der Woche in die Antoniusstraße, um dort die rund 200 Prostituierten über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären. In ihren Beratungsräumen in der Jakobstraße 7 bieten sie zudem kostenlose Deutschkurse, Internetbenutzung, Beratung und Begleitung, aber auch Hilfe beim Wunsch nach Ausstieg aus der Prostitution.

Die neue Broschüre – in passendem Handtaschenformat – informiert die Frauen jetzt zusätzlich schnell und zum immer wieder Nachlesen in ihrer jeweiligen Muttersprache. „Das Nicht-Wissen der Frauen bedeutet Macht für die Gegenseite“, erklärte Heiler und meinte damit vor allem die Zuhälter der Frauen, die häufig ausbeuterische, von Missbrauch, Betrug und Gewalt beherrschte Strukturen aufbauen.

2500 Info-Broschüren können Heiler und ihre Mitarbeiterinnen nun an die Prostituierten verteilen. Möglich gemacht hat das großen ehrenamtlichen Einsatz bei der Übersetzung und eine Spende von 900 Euro des Zonta-Clubs Aachen. „Wir sind eine Gemeinschaft von Frauen für Frauen. Wir setzen uns für gleiche Lebensbedingungen, Begabtenförderung und Frauen in Not, Gefahr und Bedrängnis ein“, erklärte die Präsidentin Ulrike Eich. Heide Flachskampf-Hagemann, ehemalige Leiterin des Projektausschusses, ergänzte: „Wir hoffen, dass die Frauen die Informationen nutzen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn sie anfingen, sich um ihre Gesundheit zu kümmern.“

Bisher über 300 Frauen beraten

Die Beratungsstelle war jetzt auch Thema im Ausschuss für Soziales. Seit Eröffnung der Beratungsstelle haben über 300 Frauen die Hilfestellungen von Solwodi in Anspruch genommen. In insgesamt 19 Fällen, davon drei Minderjährige, handelte es sich um den Verdacht auf Menschenhandel. Viele Ausschussmitglieder verschiedener Fraktionen waren sich einig, dass das Konzept gut ist. Einige prangerten dagegen die zu kurze Testphase von sechs Monaten an, andere forderten mehr Transparenz seitens der Verantwortlichen. Letzteres sicherte Solwodi aber sogleich zu, sodass das überarbeitete Konzept für die Beratungsstelle einstimmig verabschiedet wurde.

Dafür äußerte Heiler eine andere Bitte an die Stadt. „Es gibt leider nahezu kein Interesse an Angeboten des Gesundheitsamtes“, sagt Heiler. Einmal im Monat kämen Experten zu ihr ins Haus und informierten über sexuell übertragbare Krankheiten. „Der Status quo ist aber nicht zielführend, da wir kaum Prostituierte erreichen“, so Heiler. Trotzdem ist sie der festen Überzeugung, dass prinzipielles Interesse besteht. Folglich schlug Heiler eine Alternativlösung vor: Statt monatlich soll das Beratungsangebot wöchentlich erfolgen – und das am besten nicht bei der Beratungsstelle selbst, sondern vor Ort in der Antoniusstraße. Angesichts der hohen Fluktuation der Prostituierten sei diese Art von Streetwork der einzig sinnvolle Weg. Im Ausschuss erhielt Heiler für ihren Vorstoß große Zustimmung – über das Thema soll in Zukunft konkreter weitergesprochen werden.

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