Solidaritätskollekte hilft wichtigen Initiativen für Arbeitslose

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
14465866.jpg
Perspektiven für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt noch nicht angekommen sind: Johannes Bündgens (hinten l.) lobte die Projekte des Sozialwerks mit Blick auf die Solidaritätskollekte. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Im Vorfeld der Solidaritätskollekte für Arbeitslose am kommenden Wochenende besuchte Weihbischof Johannes Bündgens das Sozialwerk Aachener Christen, Altbischof Heinrich Mussinghoff wird noch die Arbeitsloseninitiative AHA100 besuchen.

„Die besondere Solidarität mit Langzeitarbeitslosen ist ein Proprium unseres Bistums“, sagte Bündgens am Dienstag in der Rosfabrik – sprich: eine Besonderheit, eine Eigenheit. In den Gottesdiensten am Wochenende werden Arbeitsloseninitiativen der Region und Qualifizierungsträger, die im Dachverband „Pro Arbeit“ organisiert sind, von ihrer Arbeit berichten. Das Ziel: Die Klingelbeutel sollen eher rascheln als rappeln.

Im Sozialwerk bekommen Benachteiligte in 27 verschiedenen Projekten eine neue Perspektive für eine gesellschaftliche Teilhabe – vor allem durch Arbeit. „Der Solidaritätsfonds ist extrem wichtig, denn nicht alle Bereiche werden aus Mitteln der Arbeitsmarktpolitik gefördert. Der Fonds ist ein Korrektiv der öffentlichen Förderung“, sagte Simone Pfeiffer-Bohnenkamp vom Sozialwerk.

Eins dieser Projekte ist „Mittendrin!“, über das sich Weihbischof Bündgens jetzt informierte. 30 volljährige Geflüchtete können Erfahrungen in verschiedenen Gewerken im Tuchwerk in der Soers sammeln und gleichzeitig einen ersten Sprachkurs in der Rosfabrik besuchen. Da ihr Asylverfahren bislang noch nicht abgeschlossen ist, sind sie aus der vom Jobcenter organisierten Arbeitsmarktförderung bislang ausgeschlossen.

Auch in Integrationskursen haben sie noch keinen Platz gefunden. Durch das tägliche Tun auch im Kontakt mit den jugendlichen Teilnehmern der Produktionsschule, einem weiteren Projekt des Sozialwerks, entfliehen sie bis zu 30 Stunden in der Woche dem Nichtstun in den Flüchtlingsunterkünften und können bereits erste Schritte der Integration gehen.

Obwohl das Projekt auch durch das Integrationsprogramm des Bundes FIM (Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen) gefördert wird, sei es auch für einen Qualifizierungsträger wie das Sozialwerk nicht selbstverständlich, gleich 30 Geflüchteten solch eine Perspektive zu verschaffen, meinte Iris Kreutzer, zuständige Experten im städtischen Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration: „Es ist mit einem großen bürokratischen Aufwand verbunden. Im Sozialwerk gibt es zudem nicht nur Beschäftigung, sondern auch Sprachförderung, pädagogische Betreuung und qualifizierte Anleitung.“ Nicht zuletzt könnten die Teilnehmer vom breiten Netzwerk des Sozialwerks profitieren.

Insgesamt hat die Stadt Aachen 186 solcher gemeinnütziger Arbeitsgelegenheiten für Geflüchtete im Asylverfahren außerhalb von Flüchtlingsunterkünften als Kontingent zugewiesen bekommen. „Zurzeit haben wir 79 beantragt und davon 61 besetzt. Und da stehen wir im kommunalen Vergleich schon gut da“, machte Kreutzer deutlich, dass die Hürde für Anbieter recht hoch ist.

Zugleich seien etwa 2400 Geflüchtete, die seit 2015 nach Aachen gekommen sind, noch im Bezug von Asylbewerberleistungen. Damit sind sie noch nicht in der allgemeinen Arbeitsmarktförderung angekommen und potenzielle Kandidaten für Projekte wie „Mittendrin!“.

Doch die Solidaritätskollekte ist nicht nur für diese Gruppe, worauf Martin Pier, Referent im Büro der Regionaldekane, hinwies. Im ganzen Bistum konnten 2016 gut 40 Projekte für Arbeitslose gefördert werden. Insgesamt flossen etwa 860 000 Euro aus Kirchensteuermitteln, Spenden und Kollekten in diesen Bereich. In der Region Aachen-Stadt und -Land – das entspricht der Städteregion ohne Simmerath und Monschau – wurden 2016 gut 395.000 Euro aus dem Fonds an 30 Projekte ausgeschüttet.

Für dieses Jahr haben 28 Projekte Unterstützung beantragt, 382.400 Euro wurden dafür bewilligt. Oftmals widmen sich diese Projekte den extrem lange arbeitslosen Menschen, die ohne starke Zuwendung kaum mehr eine Chance auf Arbeit haben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert