So soll die Campusbahn aufs Gleis gesetzt werden

Von: Albrecht Peltzer
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Trassenbeispiel für die Innenstadt. Wie hier am Seilgraben soll die Bahn batteriebetrieben „straßenbündig“ fahren. Das heißt, Individualverkehr und ÖPNV teilen sich den Straßenraum.
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Vom Kaiserplatz soll die Bahn (bis Westbahnhof batteriebetrieben, also ohne Oberleitung) zunächst im sogenannten straßenbündigen Gleis (Bahn und IV müssen sich die Straße teilen) über Willy-Brandt-Platz, Seilgraben, Hirschgraben, Templergraben, Wüllnerstraße zum Westbahnhof fahren. Ab da geht es in einem eigenen Gleiskörper abseits der Straße bis zum Campus und von dort über die Pauwelsstraße bis zum Klinikum.
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Die geplante Trassenführung auf der Strecke Kaiserplatz bis Brand – vier verschiedene Verkehrsführungen sind aktuell in der Diskussion: Die Bahn auf einem eigenen gepflasterten Bahnkörper, der auch vom Bus mitgenutzt wird (Kaiserplatz bis Josefskirche), die Bahn straßenbündig auf einer Ebene mit dem Individualverkehr (Josefskirche bis Elsassstraße und Debyestraße bis Brand), die Bahn auf eigenen Bahnkörpern (gepflastert von Elsassstraße bis Madrider Ring) und im Rasengleis (Madrider Ring bis Autobahn). Durchgängig von Kaiserplatz bis Brand sollen dem Individualverkehr zwei Spuren pro Fahrtrichtung zur Verfügung stehen, welche Abbiegespuren wegfallen müssen, ist noch nicht im Detail untersucht. AZ-Grafik: Horst Thomas

Aachen. Von Brand bis zum Klinikum, 12,3 Kilometer – die Campusbahn soll in ihrer ersten Ausbaustufe genau diesen Weg fahren. Über den Kaiserplatz zur Hochschule, von dort über den künftigen Campus bis zum Großkrankenhaus in Melaten. Auf ganz unterschiedliche Weise wird die Bahn dabei in den Verkehr eingebunden.

Ganz unterschiedlich wirkt  sich das auf den Individualverkehr aus. Die derzeitigen Planungen sehen mehrere Varianten der Trassengestaltung vor. Wir begeben uns auf eine imaginäre Fahrt von Brand bis zum Klinikum.

Erster Streckenabschnitt Brand bis Debyestraße: Hier wird die Bahn auf der normalen Straße fahren. Das heißt, es wird pro Fahrtrichtung zwei Spuren geben, auf deren jeweils inneren die Bahn fährt. Alle Fahrspuren können vom gesamten Individualverkehr (IV) und von Rettungsfahrzeugen genutzt werden. Die bestehenden Radfahrwege auf diesem Abschnitt werden beibehalten.

Zweiter Streckenabschnitt De-byestraße bis Madrider Ring: Auf diesem Abschnitt sollen die Schienen in ein sogenanntes Rasengleis gelegt werden. Dieser Teil der Trasse kann ausschließlich von der Bahn genutzt werden. Ein Überfahren ist nicht gestattet. Neben der Trasse werden pro Fahrtrichtung zwei IV-Spuren angelegt, die jeweils in Fahrtrichtung rechte erhält einen markierten Fahrradstreifen.

Dritter Streckenabschnitt Madrider Ring bis Elsassstraße: Hier wird die Bahn nach derzeitigem Planungsstand auf einem eigenen, aufgepflasterten Bahnkörper fahren. Die Trasse kann nur von der Bahn sowie von Rettungsfahrzeugen befahren werden. Neben der zweispurigen Trasse wird es pro Fahrtrichtung zwei Spuren für den Individualverkehr geben. Für den Fahrradfahrer wird ein Schutzstreifen auf der Fahrbahn markiert.

Vierter Streckenabschnitt Elsassstraße bis Josefskirche: Hier werden die Bahngleise in die Straße verlegt. Das heißt, dass es pro Fahrtrichtung wie bisher zwei Fahrspuren gibt, die gemeinsam von Bahn, Bus und Individualverkehr (Pkw, Zweiräder) und Rettungsfahrzeugen (Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr ) genutzt werden.

Fünfter Streckenabschnitt Josefskirche bis Kaiserplatz: Die Bahn soll in beiden Richtungen erneut auf einem aufgepflasterten Bahnkörper fahren, der gleichzeitig in beiden Richtungen auch vom Bus benutzt wird. Die Trasse kann von Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr überfahren werden. Dem Individualverkehr stehen pro Fahrtrichtung zwei Fahrspuren zur Verfügung, auf der jeweils rechten ist ein Schutzstreifen für Fahrradfahrer markiert.

Sechster Streckenabschnitt Kaiserplatz bis Wüllnerstraße: Vom Adalbertsteinweg fährt die Campusbahn (ab hier bis Westbahnhof batteriebetrieben) über Stiftstraße, Willy-Brandt-Platz, Blondelstraße, Kurhausstraße, Seilgraben, Driescher Gässchen bis zur Wüllner-straße auf einem „straßenbündigen Gleiskörper“. Das heißt, dass die bisherigen Fahrspuren bleiben und von der Bahn mitbenutzt werden. Auf dem Willy-Brandt-Platz fährt die Bahn ebenerdig durch die Fußgängerzone.

Ursprünglich war geplant, dass die Bahn ab Templergraben über die Schinkelstraße und die Geschwister-Scholl-Straße bis zum Westbahnhof (Republikplatz) fährt. Derzeit wird aber geprüft, ob eine Trassenführung vom Templergraben nach rechts in die Wüllnerstraße, dann den Grabenring querend in die Intzestraße und von da bis zum Westbahnhof möglich ist. Für diese Variante spricht eine bessere Anbindung an die TH (Audimax, Mensa etc.). Ein Grund ist auch, dass in der Schinkelstraße weniger Platz zur Verfügung steht.

Siebter Streckenabschnitt Westbahnhof bis Campus Melaten-Nord (Nähe Floriansdorf): Hier gibt es eine eigene, neu zu bauende Trasse nur für die Bahn (Rasengleis), der Individualverkehr kommt hier nicht mit der Bahn in Berührung. Hinter der Siedlung Süsterfeld quert die Bahn die DB-Gleise.

Achter Streckenabschnitt Melaten-Nord bis Einmündung Campusboulevard in die Forckenbeckstraße: Auch hier fährt die Bahn auf eigenem Gleiskörper (Rasengleis).

Neunter Streckenabschnitt Campusboulevard bis Einmündung Pauwelsstraße: Dort soll die Bahn wieder auf einem aufgepflasterten Bahnkörper fahren, der auch von Rettungsfahrzeugen benutzt werden kann. Der Individualverkehr fährt wie bisher über die Forckenbeckstraße.

Zehnter Streckenabschnitt Pauwelsstraße bis Klinikum: Auf dem letzten Teilstück fährt die Bahn ebenfalls auf einem aufgepflasterten Gleiskörper, der sowohl von Bussen wie auch von Rettungsfahrzeugen, Fahrradfahrern und Taxen genutzt werden kann.

Heftig diskutiert wird die Frage, welches Ausmaß die Baustellen für den Einbau der Gleiskörper haben wird. Laut Regina Poth, Abteilungsleiterin Straßenbau bei der Stadt Aachen, hängt das „stark von der örtlichen Situation und dem Zustand der Straße ab“. In Straßen, die erst kürzlich von Grund auf erneuert wurden – das heißt einschließlich der Ver- und Entsorgungsleitungen –, würden sich die Bauarbeiten auf die Herstellung der Bahnanlagen mit geringfügigen Anpassungsarbeiten beschränken.

Als Beispiele nennt Poth den Bereich Seilgraben/Hirschgraben oder die Trierer Straße in Brand. Dort sei der Gleisbau „mit vergleichsweise begrenzten Eingriffen und geringem zeitlichen Aufwand verbunden“. Andere Trassenabschnitte wie zum Beispiel auf dem Adalbertsteinweg bedürften dagegen einer generellen Erneuerung – die im Übrigen auch ohne Bau der Campusbahn in einigen Jahren anstehe. Poth: „Dort macht es Sinn, den Bau der Bahn mit einer Erneuerung der gesamten Infrastruktur zu kombinieren, was einen größeren Eingriff bedeutet.“ Wieder anderen Bereiche könnten im Zusammenhang mit dem Bahnbau eine generelle städtebauliche Aufwertung vertragen, wie zum Beispiel der Bereich am Bushof.

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