So kriegt der Griller im Westpark sein Fett weg

Von: Robert Esser
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Wer rastet, der rostet: Mancher Griller sprintete beim Anblick des Ordnungsamtes im Westpark samt Feuerstelle und Fleisch in die „sichere“ Grillzone – weil er von deren Erweiterung nichts wusste. Foto: Andreas Steindl
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Mit Feuereifer: Der Einsatz von Brandbeschleunigern – hier im Kennedypark – ist streng verboten. Das steht ausdrücklich auf den Schildern. Foto: Andreas Steindl
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Picknick zum Festtag: Bis 22 Uhr hat diese Gruppe den Geburtstag von Minu Zahabi im Westpark gefeiert, danach gilt „Nachtruhe“. Foto: Andreas Steindl
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Freundlich, geduldig – und bei Bedarf bestimmt: Fred Steinbeck und Melanie Jacobi vom Ordnungsamt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Donnerwetter, sehr imposant!“, staunt der Beobachter. Samstagabend, 21.45 Uhr, 34 Grad Celsius. Blitzschnell greift sich ein Kerl inmitten dutzender Grillgruppen auf der Westparkwiese seinen Kohlekübel, springt auf und rennt los. Ein Wettrennen, das teuer enden könnte.

Der junge Mann beißt die Zähne zusammen, er hetzt. Erst Slalom durch Nachbargrüppchen, die auf dem Spielfeld hocken, jetzt geradeaus. Anfeuern bringt nichts mehr. Der Sprinter will die Kohlen für seine Freunde aus dem Feuer holen. Echt.

Noch 30 Meter, 20. Hinter ihm die Qualmfahne, vor ihm rote Glut. Noch 10 Meter bis zur sicheren Endzone – in diesem Fall die alte, etwa 15 mal 15 Meter große Grillecke im Westpark. Würstchen und Koteletts schütteln sich bei jedem Laufschritt auf dem Grillrost, Fett brennt, noch 5 Meter – Touchdown. Der Student sinkt erschöpft zu Boden. Geschafft, glücklich. Er kauert neben den Mülltonnen für Grillabfälle und Restasche. Alles vor den Augen von zwei Kräften des Ordnungsamtes, die eben zwischen den Bäumen am Rande der Grillwiese aufgetaucht waren.

In ihren blauen Uniformen sind Fred Steinbeck und Melanie Jacobi hier fast täglich im Einsatz. Oft mehrfach pro Nacht. Es geht um Jugendschutzkontrollen, um Ruhestörungen durch nächtliche Freiluftpartys – und natürlich um wildes Grillen. Also um Grillen außerhalb der markierten Zonen. Wer erwischt wird, zahlt 55 Euro Strafe. Allein im Westpark zählt das Ordnungsamt seit Sommerbeginn 400 Einsätze. Hinzu kommen die Grillflächen der Parks Altes Klinikum, Herderstraße, Hollandwiese, Kennedypark, Moltkepark, Rütscherstraße und Lindenrondell im Stadtgarten. Doch der Westpark führt die Rangliste an. Oft tummeln sich bis zu 1000 Brutzler gleichzeitig, dann vernebelt den Park eine dichte Rauchglocke.

Als der junge Griller wieder einigermaßen zu Luft gekommen ist, erklären ihm die Ordnungskräfte, dass seine Flucht nach vorne völlig umsonst war. „Wieso, ich hab‘ letzte Woche noch zahlen müssen, weil ich außerhalb gegrillt habe!“, stammelt der Grillfreund ziemlich entsetzt. In aller Ruhe erklären ihm die Ordnungshüter, dass die Westparkgrillzone seit diesem Wochenende um ein Vielfaches erweitert wurde.

Dass man nun fast die Hälfte der Wiese Richtung Welkenrather Straße offiziell nutzen darf – und damit auch den Platz, wo der sprintstarke Student vor wenigen Tagen wegen seines Grillsteaks eine saftige Strafe zahlen musste. Und heute? Der Mann schluckt‘s, schnappt sich den Grill und schlurft zurück. „Die erweiterte Markierung muss sich einspielen“, sagt Steinbeck. Klar ist, dass die wenigen neuen Hinweisschilder die Zone nicht eindeutig begrenzen – zumal die nun irreführende Beschilderung der alten 15 mal 15 Meter großen Grillecke noch nicht demontiert wurde. Demnächst soll eine Markierung quer über den Rasen für Klarheit sorgen.

Steinbeck und Jacobi strahlen auf ihrem Rundgang freundliche Gelassenheit aus. Niemand reagiert aggressiv bei Ausweiskontrollen, im Gegenteil. Hier ein freundlicher Plausch, da ein Smalltalk. So viel Respekt erfahren die Einsatzkräfte nicht immer. Vielleicht liegt‘s daran, dass zum Beginn der Semesterferien deutlich weniger junge Leute die Parks bevölkern als in den Vorwochen. Zwischen 22 und 3.15 Uhr am Sonntagmorgen kommt das Ordnungsamtsduo trotzdem auf 38 Einsätze. „Meist drehte es sich um Ruhestörungen, unser Einsatzradius ist groß“, resümiert Steinbeck am frühen Morgen. Bis nach Walheim ging‘s diesmal.

Deswegen können die Teams vom Ordnungsamt unmöglich jeden Verstoß ahnden. Wenn etwa im Kennedypark ein Grill verbotenerweise mit Brandbeschleuniger meterhoch abgefackelt wird, bleibt das meist ungesühnt. Und wer Grillabfälle, Leergut und anderen Dreck nach der Open-Air-Party auf Wiesen und in Büschen statt in eigens platzierten „Eventtonnen“ lässt, bleibt ebenso im Dunkeln.

Steinbeck und Jacobi stellen derweil fest, dass die häufigen Patrouillen – und empfindliche Verwarnungsgelder – Wirkung zeigen. Gerade im Westpark habe sich die Lage nach extremen Anwohnerbeschwerden spürbar entspannt, heißt es. Was der Stimmung offenbar nicht schadet. „Weil die Atmosphäre so toll ist, feiern wir hier meinen 23. Geburtstag“, sagt Minu Zahabi. Die junge Frau und ihre Freunde tischen ein ganzes Büfett auf. Der Renner sind hier Salate. Dicke Luft ausgeschlossen.

Ähnlich am Sonntagabend. Ganz ohne Ordnungsamt setzt der Fluchtreflex im Westpark ein; alles läuft und lässt die Grillzone im Regen stehen. Blitzsauber, die Wiese, dank Donnerwetter.

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