Aachen - SMS Meer streicht die Segel in Schleckheim

SMS Meer streicht die Segel in Schleckheim

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Hinter den Werkstoren im beschaulichen Schleckheim kann von routiniertem Tagwerk keine Rede sein – mal wieder. Der Sturm der Veränderung braust mit ungebremster Wucht durch die Abteilungen des Industriekonzerns SMS Meer, der erst vor rund sechs Jahren die Maschinenbausparte der ehedem in schweres Fahrwasser geratenen Schumag AG am Nerscheider Weg übernommen hat.

Die Marschroute steht für die rund 260 SMS-Mitarbeiter bereits seit gut zwei Wochen fest: Am Beschluss, das Werk bis Ende 2015 nach Mönchengladbach zu verlagern, sei nicht mehr zu rütteln, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Maximilian Warschun am Montag. Darüber hinaus gibt es derzeit weit mehr Fragen als Antworten. „Natürlich ist die Verunsicherung groß“, sagte Warschun. „Wir wissen nur sehr wenig über die Details. Klar ist, dass wir in Kürze Verhandlungen über einen Interessenausgleich aufnehmen. Wir gehen weiter davon aus, dass es zumindest nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird.“ Er erwarte, dass die Konzernführung „auf jeden Kollegen zugeht, um gegebenenfalls sozialverträgliche Regelungen auf freiwilliger Basis anzubieten, etwa im Hinblick auf Altersteilzeit, Aufhebungsverträge oder Verrentung“.

Genauere Informationen zur „Abwicklung“ des Standorts – und etwaigen betriebsbedingten Kündigungen – waren freilich auch bei der Konzernleitung nicht zu erhalten. „Die Beratungen stehen in den nächsten Tagen an“, erklärte Unternehmenssprecher Thomas Isajiw. Im Zuge eines umfassenden „Programms zur Restrukturierung und Effizienzverbesserung“ sei die Verlagerung unabdingbar. In jüngerer Zeit hatten dem Mutterkonzern SMS massive Auftragseinbrüche zu schaffen gemacht. Deshalb sollen insgesamt acht Standorte an der Rheinschiene bis 2017 in Mönchengladbach gebündelt werden. Betriebsrat Warschun übt sich unterdessen in Besonnenheit: „Es würde keinen Sinn machen, jetzt die roten Fahnen zu schwenken. Wir kennen unseren Arbeitgeber als fairen Verhandlungspartner.“ Natürlich werde es vor allem für Kollegen mit Wohnsitz im Südraum und in der Eifel schwierig, bis an den Niederrhein zu pendeln. „Aber wir gehen davon aus, dass die Bedingungen insgesamt wesentlich besser sein werden, als das bei anderen Standortschließungen hier in Aachen der Fall war.“ Bei der nächsten Betriebsversammlung am 22. Oktober werde die Lage erneut erörtert; spätestens für Anfang November hätten sich zwei der drei SMS-Geschäftsführer in Schleckheim angesagt. Wenig überrascht über die Umzugspläne zeigte sich indessen auch Martina Weber, Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall. „Allerdings haben wir nicht damit gerechnet, dass die Maßnahme so schnell umgesetzt werden soll. Natürlich hat das Ganze einen bitteren Beigeschmack. Wir werden alle Möglichkeiten prüfen, aber letztlich können wir die Verhandlungen nur begleiten.“

So wird sich die Schumag AG in Bälde einen neuen Mieter suchen müssen. „Wir bitten allerdings um Verständnis, dass wir die Entwicklung nicht kommentieren“, sagte Ralf Marbaise, Aufsichtsratsvorsitzender und Betriebsrat des Unternehmens. Mit Empörung reagierte Ladislaus Hoffner, Vorsitzender der SPD Walheim und stellvertretender Bezirksbürgermeister: „Wir verurteilen und bedauern die Pläne“, erklärte er. Die Unternehmensleitung müsse mögliche Alternativen prüfen. „Wir fordern die Geschäftsführung auf, mit den Betriebsräten, der IG Metall und der Stadt Aachen Gespräche aufzunehmen, die die Belange der Belegschaft einbeziehen.“

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