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Sitzmöbel entworfen: Klassisches Sofa ohne Chance

Von: Katharina Redanz
Letzte Aktualisierung:
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Freuen sich über eine gelungene Kooperation (v.l.n.r.): Professor Edward Zoworka, Dr. Petronella Prottung , Anja Reimann, Michael Erkelenz und Michael Rief. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es war wirklich eine unglaublich professionelle, tolle und erfolgreiche Zusammenarbeit“, da sind sich Dr. Petronella Prottung, Leiterin der Akademie für Handwerksdesign der Handwerkskammer Aachen, und Michael Rief, Kustos der städtischen Sammlungen einig.

Die Ergebnisse dieser erstmaligen Zusammenarbeit sind vielfältig – rund, eckig, aus Holz, Metall oder Stein und schwarz, rot oder blau: Entwickelt wurden verschiedene Sitzmöbel für verschiedene Ausstellungsräume des Suermondt-Ludwig-Museums. Die über 30 Entwürfe von Studenten der Akademie für Handswerksdesign sind nun in einer Ausstellung im Kupferstichkabinett des Museums zu sehen.

Bisher gebe es in den Räumen im ersten Stock des Museums an der Wilhelmstraße so gut wie keine Sitzmöglichkeiten, erklärt Michael Rief, das sei bei der Neueröffnung des Hauses in den neunziger Jahren so entschieden worden. In der letzten Zeit sei nun aber die Nachfrage nach Sitzgelegenheiten gewachsen. Häufig sei es älteres Publikum, das die Kunstwerke gerne in aller Ruhe auf sich wirken lassen würde.

Mit der Vorstellung eines klassischen, imposanten Sofas wie sie etwa in anderen klassischen Museen zu sehen sind, wandte Rief sich an die Handwerkskammer. „Die waren sofort Feuer und Flamme und bereit, sich um Sitzmöbel für das Museum zu kümmern“, erklärt er, während Professor Edward Zoworka, Projektleiter an der Akademie für Handwerksdesign, zustimmend nickt. „Allerdings war meine Vorstellung vom klassischen Sofa dahin“, sagt Rief schmunzelnd: In einem Semesterprojekt unter der Leitung von Professor Zoworka entwickelten insgesamt 23 Studenten der Akademie für Handwerksdesign aus unterschiedlichen Semestern verschiedenste Entwürfe für Sitzgelegenheiten – „und die Entwürfe sind alle unglaublich toll“, sagt Rief, da könne „sein“ klassisches Sofa gar nicht mithalten.

„Es war ein tolles Projekt für uns und die Studenten“, so Akademieleiterin Prottung, erstm alig hätten die Studenten wirklich für einen Kunden gearbeitet, ihre Ideen mussten mit den Vorstellungen des Museums zusammenpassen, „da musste der eigene Geschmack auch schon einmal hinten angestellt werden.“ So war Voraussetzung für die Entwürfe, dass sich die Möbel in den bauhistorischen Kontexts des Museums einordnen und gleichzeitig zu den Ausstellungsstücken der Räume passen, ohne diese zu übertrumpfen. Andere Kriterien die berücksichtigt werden mussten waren beispielsweise Sitzkomfort, Robustheit, Brandschutzvorgaben und die Integration von Heizkörpern: Diese befinden sich im Zentrum der jeweiligen Ausstellungsräume. „Das war in der Tat eine technische Herausforderung“, sagt Professor Zoworka.

Insgesamt 31 Entwürfe sind am Ende zustande gekommen, sieben davon wurden von einer 13-köpfigen Jury ausgewählt und sollen bis Ende des Jahres realisiert werden – so dass in jedem der sieben Räume eine Sitzmöglichkeit vorhanden ist. Unter den sieben Entwürfen, „die wir wirklich schweren Herzens ausgewählt haben, weil alle so gut waren“, so Michael Rief, ist der von der Aachenerin Anja Reimann: Sie entwickelte ein Möbelstück aus massiven Kirschholzplatten und roten Samtpolstern. Die Armlehnen, die in Schneckenform enden, lehnen an das 19. Jahrhundert an, während sonst eher gerade Linien vorherrschen. „Ich habe bewusst diesen Gegensatz aus Moderne und den Schnecken und Polstern, die an das 19. Jahrhundert erinnern, gewählt“, sagt die 23-Jährige, es gliedere sich so optimal in das Museum ein. Und auch die Herausforderung „Heizkörper“ hat sie elegant gelöst: Er ist verbaut mit einer Lochblechplatte in der Mitte, so dass er jederzeit zu erreichen ist. Ein weitere Gewinnerentwurf ist unter anderem der von Elias Gonzalez, der ein bisschen an ein Ufo erinnert, sowie der von Tobias Thönißen: Mit geraden Linien und in dunklen Tönen gehalten wird hier nicht versucht, den Heizkörper elegant zu verstecken, stattdessen wird dieser Teil des Sitzmöbels.

„Wir hoffen, dass wir alle sieben Entwürfe umsetzen können“, sagt Michael Rief, zurzeit sei er noch auf der Suche nach Sponsoren, „aber wir sind guter Dinge.“

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