Aachen - Sinfonischer Chor feiert 190. Geburtstag

Sinfonischer Chor feiert 190. Geburtstag

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
sinfbild
Kein Geburtstagsständchen in eigener Sache: Die Sängerinnen und Sänger des Sinfonischen Chores bereichern ein gewaltiges musikalisches Erbe. Am heutigen Dreikönigstag besteht das Ensemble genau 190 Jahre. Mit Chordirektor Frank Flade proben die Mitglieder schon eifrig für die großen Haydn-Oratorien, die im Frühjahr aufgeführt werden. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Große, ganz große Namen klingen stets mit, wenn der Sinfonische Chor Aachen seine Geschichte Revue passieren lässt. Und das kann nicht nur daran liegen, dass die traditionsreiche Sängerschar in Kürze ein imposantes Wiegenfest feiert. Am 6. Januar 2010 wird der Sinfonische Chor 190 Jahre alt.

Er gilt damit als drittältester gemischter Laienchor Deutschlands. Und ist bis heute - in aller Regel - kein bisschen leise. „Als wir beim Weihnachtskonzert Gold und Silber den A-cappella-Satz aus Karl Mays Ave Maria intoniert haben, hätte man im Eurogress allerdings eine Stecknadel fallen hören”, berichtet Dr. Theodor Haas, Vorsitzender des Ensembles, das stets vom Generalmusikdirektor des Theaters geleitet wird.

An große Erfolge angeknüpft

Auch deshalb habe der Chor gerade in jüngerer Zeit an große Erfolge anknüpfen können: „Seit Marcus Bosch dem Sinfonieorchester zu neuer, bundesweiter Beachtung verholfen hat, haben auch wir in jeder Hinsicht wachsende Resonanz zu verzeichnen”, sagt Haas´ Stellvertreter Wolfgang Sommer. So wurde der Chor zuletzt anlässlich der großen Sinfoniekonzerte mit Mendelssohns „Letzter Walpurgisnacht” und Holsts „Planeten” von der Kritik gefeiert.

Die 1. Aachener Chorbiennale im vergangenen Frühjahr bereicherte er mit Orffs „Carmina Burana”. In Kostüm und Maske sangen die rund 80 Mitglieder bei Inszenierungen wie „Aida” und „Orestie” auf der Theaterbühne, das Programm der Kurpark Classix haben sie von Beginn an mit geprägt.

Apropos Beginn. Am Dreikönigstag 1820 kamen im Alten Kurhaus 26 Damen und 36 Herren zusammen, um auf Initiative des königlich-preußischen Steuerrats Wilhelm Hauchecorne eine „Singe-Academie” ins Leben zu rufen, die als weithin gefeierter „Klangkörper” schon bald mit so berühmten Künstlern wie Felix Mendelssohn-Bartholdy und Franz Liszt, später auch Herbert von Karajan und Wilhelm Pitz auf den Bühnen (be-)stehen sollte.

Bereits ein halbes Jahrzehnt nach seiner Gründung setzte der Gesangverein erste Glanzlichter in der Historie der Kulturstadt. Zur Einweihung des Stadttheaters an Pfingsten 1825 begeisterte er beim 8. Rheinischen Musikfest, das erstmals im Dreiländereck ausgerichtet wurde. Die berühmte Festivalreihe wurde bis 1958 allein 36 Mal in Aachen veranstaltet.

So prägte der Chor eine musikalischen Erfolgsgeschichte maßgeblich mit, die ihresgleichen wohl bis heute sucht - und den Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Seit 1854 wurden grundsätzlich die städtischen Musikdirektoren zu künstlerischen Leitern des Ensembles bestellt; unter ihnen der schon zu Lebzeiten fast legendäre Eberhard Schwickerath Anfang des vergangenen Jahrhunderts sowie die spätere Klassik-Ikone Karajan in den 30er und 40er Jahren.

Kontinuität im Wandel

Kontinuität im Wandel kennzeichnet die Arbeit ohnedies. Jeden Montag proben die Mitglieder unter der Leitung von Chordirektor Frank Flade. „Dennoch ist Flexibilität unabdingbar”, weiß Sommer. Denn von jeher orientiert sich das Konzertprogramm an den Spielzeiten des Theaters. Gelegentliche Kritik, der amtierende GMD überlasse die exponiertesten Aufführungen zu oft Kollegen von auswärts, können Haas und Sommer daher nicht nachvollziehen - im Gegenteil. „Neben Bosch haben in den vergangenen Jahren mit Marcus Creed und Wolfgang Seeliger zwei der bekanntesten Chorleiter Deutschlands mit uns konzertiert”, betont Haas.

Große Festivitäten plant der Vorstand anlässlich des runden Geburtstags allerdings nicht. „Wir heben uns das fürs 200-jährige Bestehen auf”, griemelt Haas. Große Herausforderungen stehen ohnehin bereits wieder vor der Tür. Im Frühjahr bringt der Sinfonische Chor die beiden Haydn-Oratorien „Die Jahreszeiten” (mit dem renommierten britischen Barockdirigenten Paul Goodwin) und „Die Schöpfung” (unter der Leitung von Frank Flade) zu Gehör.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert