Aachen - Sinfonieorchester: Tonmeister fährt die Musik vor die Wand

Sinfonieorchester: Tonmeister fährt die Musik vor die Wand

Von: Robert Esser
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Premiere: Generalmusikdirektor Kazem Abdullah (links) dirigiert Freitagabend das Auftaktkonzert im Kurpark, TV-Moderator Malte Arkona führt durch das Programm. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Problem sind die Wände. Sie fehlen. „Bitte, verstehen Sie: Im Konzertsaal liefern Reflexionen auf dem Klangweg vom Orchester bis zum Publikum 70 Prozent des optimalen Gesamthörerlebnisses“, erklärt Professor Moritz Bergfeld. Der Diplomtonmeister gilt in der Klassikszene als „Klangpapst“. Und steht hier auf einer Wiese.

Wenn Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und das Aachener Sinfonieorchester am heutigen Freitagabend, 20 Uhr, zum Auftakt der viertägigen „Kurpark Classix“ Wagners Tannhäuser zur „Night at the Opera“ anstimmen, hört alles auf Bergfeld. Buchstäblich im übertragenen Sinne. Hoch über der Sitzplatztribüne, gut 100 Meter von der Rundbogenbühne entfernt, holt der Professor nämlich möglichst viel der auf offenem Gelände verpufften 70 Prozent Klang- und Hall-Volumen am computergestützten Mischpult zurück. Und schickt das tonale Gesamtkunstwerk über exquisite Lautsprecher Richtung Publikum. Eine Wissenschaft. „Wir imitieren quasi künstlich einen Konzertsaal – so zurückhaltend wie möglich, ohne zu verfälschen“, sagt Bergfeld. Er muss Töne quasi unfallfrei vor die Wand fahren. Und die sind empfindlich.

Über mehr als 50 Mikrofone fädelt die Technik-Crew Instrument für Instrument den Orchesterklang auf, um dann einen feinen Klangteppich zu flechten, der die Musik trägt. Dabei freut sich Bergfelds Team, dass die Tonanlage 2013 noch eine Nummer „erwachsener“ als in den Vorjahren ist. „Wir holen das Beste heraus“, ist er sicher. Wobei die Open-Air-Kreation eines „breiten, schön natürlichen Streicherklangbetts zu den schwierigsten Herausforderungen gehört“, wie Bergfeld sagt.

Neu am Freitagabend: Der sympathisch-spritzige TV-Moderator Malte Arkona – traditionell Star des sonntäglichen Familienkonzerts (1. September, 11 Uhr) – führt erstmals auch durch den Freitagabend. Dass sich der Fernsehmann und Aachens GMD prächtig verstehen, beobachteten Zaungäste Donnerstag schon bei den öffentlichen Proben im Kurpark. „Ich freue mich wahnsinnig auf die Konzerte, bin aber sogar etwas aufgeregter als bei meiner Premiere im Vorjahr“, räumt Abdullah ein.

Der Maestro schwärmt vom Aachener Publikum, von der einzigartigen Atmosphäre, von der Begeisterung des gesamten Theater-Teams. „Wir können es kaum abwarten“, strahlt Abdullah. Mit Arkona feilt man nun an den Moderationsblöcken zwischen Wagner, Verdi & Co. Mitspielen soll auch das Wetter. Was ein weiteres Problem löst. Denn neben Wänden fehlt dem Publikum im Kurpark bekanntlich ebenso das Dach.

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