Sind Aachens Kita-Neubauten zu teuer?

Von: Stefan Herrmann
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Die Kita Kalverbenden ist seit Sommer in Betrieb. Es gab aber auch Stimmen, die die 3,3 Millionen Euro Baukosten Euro kritisierten. Eine Analyse der Stadt kommt nun zu dem Schluss, dass Bauprojekte in Aachen nicht den Vergleich mit anderen Kommunen scheuen müssen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Qualität hat ihren Preis. Auf diese schlichte Formel kann man die Antwort auf eine hochkomplexe Fragestellung bringen, der die Verwaltung in den vergangenen Monaten nachgegangen ist. Der Kita-Ausbau befindet sich in vollem Gange. Rund 20 Millionen Euro nimmt die Stadt für den Neu-, Aus- und Umbau von rund 20 Projekten derzeit in die Hand.

Zuletzt sorgte im Sommer die Diskussion um die Folgefinanzierung der neu gebauten Kita Kalverbenden für Aufregung. Die AWO als Träger der Kita kann die Miete für das im Auftrag der Stadt errichtete Gebäude nicht ohne städtischen Zuschuss stemmen. In der Folge kam auch die Frage auf, ob eine Investitionssumme in Höhe von 3,43 Millionen Euro für eine einzige Kita mit bis zu 80 Plätzen wie in diesem Fall nicht zu viel sei. Andere Kommunen würden das deutlich billiger hinbekommen, hieß es.

Klaus Schavan, technischer Leiter des städtischen Gebäudemanagments, hat daher mit seinem Team in den vergangenen Monaten eine aufwendige Untersuchung vorgenommen. Im Fokus: Der Bau Aachener Kitas am Beispiel Kalverbenden und modellhafte und zum Teil prämierte Projekte aus Deutschland, die anscheinend deutlich günstiger den Neubau von Kitas realisieren.

Doch auf das „anscheinend“ legt Schavan viel Wert, wie er nun bei der Präsentation der Untersuchung vor den Mitgliedern des Kinder- und Jugendausschusses betonte. Von zum Teil „unseriösen“ Darstellungen in der Öffentlichkeit sprach der Bauexperte sogar, wie andernorts – zum Beispiel beim Bielefelder Modell „Zukunftskita“ – Kosten kommuniziert werden. Dort wurde eine Kita in vergleichbarer Größe für angeblich „nur“ 2,3 Millionen Euro gebaut. Aber eben nur angeblich.

Auf rund 45 Seiten hat der Fachbereich Gebäudemanagement seine Ergebnisse zusammengefasst. Die Analyse bringt Interessantes zutage: „In Aachen bauen wir für eine Nutzungsdauer von 40 Jahren“, erklärte Schavan. Die Kitaprojekte in Bielefeld sind dagegen nur auf 20 Jahre Nutzung angelegt. Entsprechend sparsamer und weniger hochwertig ist die gesamte Bauweise. Vor allem entgegnete Schavan allen Kritikern an zu teuren Kita- und anderen öffentlichen Bauten in Aachen, dass andere Kommunen oftmals nicht den Gesamtpreis für ein Projekt angeben.

Konkret bedeutet das: Die Erschließung, der Kauf eines Grundstücks, die Gestaltung von Außenanlagen und weiteres tauchen in der Kalkulation nicht oder nur in sehr geringem Umfang auf. Stellt man dagegen allein die Kosten für den Hochbau gegenüber – 2,284 Millionen in Aachen und 1,954 Millionen Euro in Bielefeld –, fällt die Differenz nicht mehr so hoch aus.

Weitere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Und da hat Aachen in der Tat einen entscheidenden „Standortnachteil“. Freie Grundstücke, die überhaupt einen Kita-Bau ermöglichen, sind im Stadtgebiet kaum noch zu finden. Das Beispiel Kita Kalverbenden , in Hanglage gebaut, zeigt, dass zum Teil aufwendigere Arbeiten notwendig sind, um eine Kita dort zu errichten, wo auch die Plätze für U3- und Ü3-Kinder gefragt sind.

Generell habe sich vor Ort etabliert, den kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes zu betrachten, so Schavan. „85 Prozent der Kosten haben nämlich nichts mit den Investitionskosten zu tun.“ Was kostet ein Gebäude über Jahrzehnte hinweg im Unterhalt? Diese Frage fließt längst in die Planungen der städtischen Bauexperten ein. Einer der größten Kostentreiber: die Energie.

Seit 2010 legt der so genannte „Aachener Standard“ des Gebäudemanagements hohe Anforderungen an Neubauten – insbesondere unter den Aspekten energieeffiziente und instandhaltungsfreundliche Bauweisen. Letztlich könne so dauerhaft auch der Haushalt entlastet werden, da der Unterhalt der Gebäude günstiger sei – wenngleich die Kosten für den Bau zunächst auch höher liegen.

Doch auch dieser Standard wird schon in wenigen Jahren für Neubauten der öffentlichen Hand veraltet sein. Dann gilt nämlich der von der EU verordnete „NN+E“-Standard. Das bedeutet: Nur noch so genannte Null-Energie-Gebäude dürfen entstehen, die so viel Energie erzeugen wie sie gleichzeitig verbrauchen – etwa mittels Solarzellen oder Wärmepumpen. „Hierauf sollten wir schon jetzt den Fokus legen“, sieht Schavan enorme Herausforderungen auf die Stadt zukommen.

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