Simulation: Rauschbrille funktioniert ohne Schnaps

Von: Marie Eckert
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Eine durchaus lebensechte Gefahrensimulation auch ohne Räder: Auf Rollerimitationen erfahren die Schülerinnen und Schüler viel über Bremswege und Fahrverhalten. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Hört man die Worte „Sicherheit im Straßenverkehr“, denkt man vielleicht an Vorträge, Arbeitsblätter oder an Lehrfilme – kurz: an eine Menge Theorie. Fünf große knallgelbe Zelte im Hof des Kaiser-Karl-Gymnasiums forderten die Schüler bei der ADAC Verkehrswelt bewusst zum Mitmachen und Ausprobieren auf, ganz nach dem Motto „Aktiv erleben, statt passiv zuhören“.

„Die Roadshow für Verkehrssicherheit“ heißt das Konzept auch, denn: Was man selbst erlebt hat, bleibt länger hängen. Zielgruppe sind die Schüler der 8. bis 11. Klassen, also die, die täglich mit Fahrrad, Skateboard oder zu Fuß unterwegs sind, oder vielleicht kurz vorm Mofa- oder Autoführerschein stehen. In zwei Schulstunden durchläuft je eine Klasse die fünf Modulzelte, aufgeteilt in Gruppen.

Jedes der Zelte bereitet auf eine andere Gefahr im Straßenverkehr vor, so etwa die „Rauschbrille“. Die Brille simuliert 0,8 Promille Alkohol im Blut des Trägers, die Schüler müssen mit der Brille auf der Nase ein Fahrradschloss öffnen oder eine Tür aufschließen – und sich danach die Frage stellen, ob sie sich tatsächlich noch verkehrstüchtig fühlen. Das Zelt mit dem Thema „Geschwindigkeiten“ arbeitet mit einer Computersimulation: Drei Motorräder stehen vor drei Bildschirmen, jedes virtuelle Fahrzeug fährt auf einem anderen Untergrund.

Die Schüler probieren aus, wann ihr Motorrad auf Schotter, Asphalt und nassem Laub bei einer Bremsung zum Stehen kommt. Beim Thema „Toter Winkel“ schlüpfen die Schüler in die Rolle eines Lkw-Fahrers, und zwar in einem kleinen Modell des Fahrerhauses. „Das ist besonders wichtig, dass die Schüler das eingeschränkte Sichtfeld wahrnehmen“, betonte Marcel Bonitz, Teamleiter der ADAC-Verkehrswelt. „Es ist wichtig, Blickkontakt über die Spiegel herzustellen, denn sehe ich den Fahrer darin, sieht er mich auch.“

Im vierten Zelt sehen und hören die Schüler die Welt aus der Perspektive von Senioren und Kindern. So werden zum Beispiel über Kopfhörer sechs Geräusche, wie Hundebellen, ein vorbeifahrender Zug und eine Sirene, gleichzeitig mit weiteren Hintergrundgeräuschen abgespielt und die einzelnen Töne müssen herausgehört werden. Daneben sind auf einer Tafel Aussagen aus der Sicht eines Kindes abgedruckt, bei denen die Schüler entscheiden sollen, ob sie wahr oder falsch sind. „Es geht hier vor allem darum, sich zurückzuerinnern, wie es war, als man selber ein Kind war“, sagte Bonitz.

Bei der letzten Station, dem „Fehlercheck“ sehen die Schüler einen Film, in denen sich verschiedene Verkehrsteilnehmer falsch verhalten. Aufgabe ist, die Fehler zu finden und aufzuschreiben, die Auflösung gibt’s natürlich im Anschluss.

Seit dem Jahr 2013 ist die ADAC Verkehrswelt auf Initiative der Stiftung Gelber Engel in ganz Deutschland in Schulen und auch auf Stadtfesten unterwegs. Organisator beim Kaiser-Karl-Gymnasium war Alexander Stickelmann, Referendar in Sport und Spanisch. Er hat den Kontakt zwischen ADAC und Schule hergestellt und freut sich über sehr gutes Feedback von allen Seiten. „Das ist eine super Sache, da unsere Schule ja mitten in der Innenstadt ist.“

Auch im kommenden Jahr hätte Stickelmann die Aktion mit der Verkehrswelt gern wieder in der Schule, dann mit den Klassen als Teilnehmer, die in diesem Jahr im Praktikum oder auf Klassenfahrt waren.

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