Signale für Campus West stehen auf Grün

Von: Hans-Peter Leisten
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Ein Fall für harte Zähne: Die restlichen Gebäude auf dem Gelände Bahnhof West sollen bis Ende Oktober vollständig verschwunden sein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Harte Zeiten für Eisenbahnnostalgiker: Das mehr oder weniger historische Ensemble rund um den Güterbahnhof Aachen-West ist Vergangenheit, für letzte Blicke auf das Areal zwischen Republikplatz und Schurzelter Straße ist es jetzt bereits zu spät. Die Abrissbagger und Schreddermaschinen haben ganze Arbeit geleistet.

Das ist gut so, denn die Aussichten für Stadt- und Hochschulentwickler sind rosig: Genau dort, wo bis 2011 noch Eisenbahnhallen, Gleise und Weichen das Bild prägten, werden in den nächsten Jahren die modernen Bauten des Campus Aachen West aus dem Boden wachsen. Die Phase des vorübergehenden Stillstands ist seit einigen Wochen vorbei. Erlebt die Deutsche Bahn keine negativen Überraschungen, kann sie Ende Oktober dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) die rund 215.000 Quadratmeter zur weiteren Entwicklung übergeben. Wann es dann dort weitergeht, steht aber noch nicht genau fest.

Optimismus ist inzwischen bei den Verantwortlichen der Deutschen Bahn eingezogen – das war schon mal anders, als im Sommer des vergangenen Jahres die beauftragte Baufirma in die Insolvenz gerutscht war und dementsprechend die Arbeiten eingestellt und die Maschinen abgezogen wurden. Die Bahn war so in eine missliche Lage geraten, denn sie stand beim BLB im Wort.

Das will sie in jedem Fall halten: „Zum 31. Oktober wollen wir eine komplette Brache übergeben, ohne Gebäude, ohne Gleise, ohne irgendein Kabel“, skizziert Norbert Paprotny den Auftrag für die kommenden Monate. „Sportlich“ sei der Zeitplan trotzdem, denn er hat einen Aufgabenkatalog vor Augen: Abriss von Gebäuden (noch 75.000 Kubikmeter), weiterer Abtrag des Bodens bis auf 70 Zentimeter unterhalb der heutigen Schienenoberkante, die Befestigung der Oberflächen, Errichtung eines Bürocontainerprovisoriums, Erstellung einer provisorischen Straße sowie die Fertigstellung der Entwässerungsanlage.

Gerade dieser Entwicklungsabschnitt ist spannend, denn zum Auffangen des Wassers auf dem Areal wurde ein unterirdischer Stauraumkanal über 200 Meter ins Erdreich getrieben. Eine durchaus imposante Auftragsliste, die den gebürtigen Aachener Paprotny aber ruhig bleiben lässt. 90 Prozent der Arbeiten an den neuen Bahneinrichtungen sind erledigt – und das alles bei „rollendem Rad“, wie es im Fachjargon heißt. Während nämlich auf der zur Süsterfeldstraße gelegene Fläche abgerissen wurde, haben die Fachleute von DB-Bauprojekt gegenüberliegend knapp 7,5 Kilometer neue Gleise und 22 Weichen verlegt – natürlich mit kompletter Infrastruktur wie Leit- und Sicherungstechnik, Oberleitungsanlagen und Masten.

Vor unangenehmen Überraschungen blieben die Arbeiten bislang verschont. Verunreinigungen im Boden sowie Asbestbelastungen in den alten Gebäuden bewegten sich im „erwarteten Rahmen“. Der Bahn entstehen durch die Maßnahme keine Kosten, ihr Aufwand wird in etwa durch den Verkaufspreis gedeckt, über den beide Seiten Stillschweigen vereinbart haben, der sich aber im zweistelligen Millionenbereich bewegt. Dirk Pohlmann, DB-Sprecher für NRW, ist zuversichtlich, dass die Erschließung des Geländes ein Modell für eine städtebauliche Weiterentwicklung sein kann.

Wann es jetzt konkret mit dem Campus West auf der Brache losgeht, ist noch offen. „Wir wollen zuerst den Campus Melaten fertigstellen und uns nicht selbst Konkurrenz machen“, erklärte der Landessprecher des BLB, Hartmut Gustmann. Dann folgten die Erschließung, der Bebauungsplan und die Vermarktung des Campus West. Das könne aber noch einige Zeit dauern.

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