Siegelallee: Sind zwei Radwege einer zu viel?

Von: Sarah Sillius
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Wer die Wahl hat, hat die Qual
Wer die Wahl hat, hat die Qual: Auf der Siegelallee können Radfahrer jetzt entweder auf den neuen Schutzstreifen fahren oder auf den bestehenden Radwegen. Was unerfahrene Radfahrer nicht ahnen können: Das Fortkommen auf dem Fahrbahnabschnitt ist deutlich sicherer. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es gibt Straßen, auf denen Radfahrer nach einem eigenen Weg suchen. Und es gibt die Siegelallee. Dort haben Radfahrer sogar die Wahl zwischen zwei Radwegen. Im Bereich des Knotenpunktes St. Vither-Straße können sie entweder auf dem bestehenden Radweg fahren oder parallel dazu, auf dem Schutzstreifen auf der Fahrbahn.

Was auf den ersten Blick verwirrt, ist nach Angaben der Stadt durchaus durchdacht, wie Pressesprecher Axel Costard auf AZ-Anfrage erläutert: „Es ist ein erklärtes Ziel, nicht nur in unserer Stadt, die Radwege schrittweise vom Gehweg auf den Radweg zu verlagern.”

Radfahren innerhalb des mindestens 1,25 Meter breiten Schutzstreifens ist sicherer als auf dem Gehwegabschnitt - da sind sich die Verkehrsplaner einig. Auf der Fahrbahn würden Radfahrer besser von den Autofahrern gesehen, vor allem beim Abbiegen, so die einschlägige Meinung. Deshalb geht der Trend hin zum Radfahren auf der Straße. „70 Prozent der Unfälle passieren auf Gehwegen”, sagt Costard. Als größte Unfallquelle bezeichnet er parkende Autos.

Im Gegensatz zum Fahrer sei der Beifahrer meist weniger vorsichtig, wenn er die Tür zum Aussteigen öffnet. Auch Fußgänger, die über den Fahrradweg laufen oder an Bushaltestellen stehen, bergen nach Ansicht der Stadt Gefahren. Monika Volkmer, Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Aachen, begrüßt die neuen Markierungen. „Innerorts ist es in jedem Fall sicherer, auf dem Schutzstreifen zu fahren”, sagt sie.

Volkmer plädiert aber dafür, dass die Verkehrsschilder für die bestehenden Radwege möglichst schnell abgenommen werden. „Der erste Schritt besteht darin, die Benutzungspflicht für die alten Wege aufzuheben. Im zweiten Schritt sollten die Straßen neu markiert werden.”

Ein blauer Kreis mit Fahrradsymbol, der den Schutzstreifen auch für unerfahrende Radfahrer als solchen kenntlich macht, fehlt auf der Siegelallee bislang. Was mit den bestehenden Radwegen geschieht, ob sie zum Beispiel zu breiteren Fußgängerwegen umfunktioniert werden, ist ebenfalls noch unklar. „Das ist eine Etat-Frage”, sagt Costard.

Der neue Schutzstreifen an der Siegelallee ist ohnehin nicht offizieller Teil des Maßnahmenplans Radverkehr, erklärt Gaby Mans vom Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen. Im Rahmen des Maßnahmenplans wurde bereits der Grabenring größtenteils mit Schutzstreifen versehen. In den nächsten Jahren sollen in weiteren Etappen die Straßen am Alleenring und in Aachen-Ost radfreundlicher werden.

Die Stadt könne einzelne Straßen aus dem Gesamtpaket vorziehen, wenn dort zum Beispiel Straßendecken erneuert werden. Im Anschluss müssen die Markierungen dann ohnehin neu aufgemalt werden. Mans: „So kann die Stadt Synergieeffekte nutzen, um die Situation der Radfahrer an Hauptverkehrsstraßen zu verbessern.”
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