Aachen - Siedelten schon Römer am „Aquis Plaza“?

Siedelten schon Römer am „Aquis Plaza“?

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
6421046.jpg
Einem Rätsel auf der Spur: Jetzt wollen die Archäologen auf der Baustelle am Kaiserplatz noch tiefer graben, um römische Siedlungsreste zu suchen. Entsprechende Keramiken hat man schon entdeckt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Siedelten schon die alten Römer dort, wo sich bald 130 Geschäfte und Boutiquen ansiedeln sollen? Und war das römische Aachen damit noch größer als bislang bekannt? Ob die Bauherren diese Fragen im Sinn hatten, als sie dem 290-Millionen-Euro-Projekt Kaiserplatz-Galerie kürzlich den zumindest teilweise römisch angehauchten Namen „Aquis Plaza“ verpassten, ist zwar nicht überliefert. Doch auf eine römische Vergangenheit am heutigen Kaiserplatz gibt es mittlerweile immerhin einige handfeste Hinweise.

Denn im Schatten von St. Adalbert sind die Archäologen, die die Bauarbeiten für das riesige Shopping-Center begleiten, jetzt auch auf Relikte aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus gestoßen. „Wir haben zahlreiche römische Keramiken gefunden“, berichtet Heike Baumewerd-Schmidt, die die Grabungsarbeiten auf der Großbaustelle koordiniert.

Die Entdeckung an sich ist durchaus bemerkenswert, da an dieser Stelle bislang noch keine römischen Reste aufgetaucht sind. Allerdings bedeutet das noch nicht zwangsläufig, dass die Römer dort – ein Stück außerhalb des bislang bekannten römischen Aachen – auch tatsächlich siedelten. Das Problem: „Wir haben viele Funde, aber keinen Befund“, sagt die Archäologin. Soll heißen: Man ist bislang nicht auf direkte Siedlungsspuren – etwa Gräben oder gar Fundamente – gestoßen.

Noch nicht. Denn dem Rätsel will man nun auf den Grund gehen „und deshalb ein bisschen tiefer graben“, kündigt Baumewerd-Schmidt an. Und die Grabungsleiterin ist durchaus optimistisch, dabei fündig zu werden. Schließlich seien die umliegenden Bächlein, wie sie sagt, kaum kräftig genug gewesen, um die Keramiken aus dem römischen Aachen bis an den heutigen Kaiserplatz zu spülen...

Fündig geworden sind die Forscher dagegen, was die Besiedlung des Areals im späten Mittelalter angeht. Zuletzt legte man die Reste zweier großer Holzbecken aus dem 14. oder 15. Jahrhundert frei. Zuvor hatte man bereits Überreste mehrerer Brunnen oder Holzfässer ausgegraben, auf deren Grund man Lederfetzen und sogar ganze Schuhe fand. Nicht zuletzt grub man auch einige Wasserrinnen frei.

„Diese Indizien deuten in der Summe daraufhin, das sich dort eine oder mehrere Gerbereien befanden“, folgert Baumewerd-Schmidt. Außerhalb der Stadtmauern und direkt neben der Vorläuferkirche von St. Adalbert, die um die vorletzte Jahrtausendwende gebaut wurde, arbeiteten also Handwerksbetriebe, wurde Leder verarbeitet.

Insofern bleibt man mit der künftigen Nutzung der Fläche immerhin beim Thema: Wo damals noch Kleidung hergestellt wurde, sollen schließlich bald jede Menge Klamotten verkauft werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert