Sie kennen fast jeden Grashalm persönlich

Von: Hans-Peter Leisten
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Die zwei Männer, ihr Mäher: Paul Claßen (l.) und Horst Krause stutzen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Den 7. Oktober 1986 wird Horst Krause bis ans Ende seiner Tage nicht vergessen. Damals war er noch nicht „Hausmeister Krause”, sondern einer von vielen Mitarbeitern des Ordnungsdienstes.

Aber genau derjenige, der beim Elfmeterschießen im DFB-Pokal gegen Werder Bremen hinter dem Tor aufpassen musste. Damals stand er neben Werder-Keeper Dieter Burdenski, als der gerade losmarschierte, um möglichst den Elfer von Alemanne Pascal Notthoff zu halten.

Und Horst Krause gab „Budde” mit auf den Weg: „Den hältst Du sowieso nicht!” Was der mit einer despektierlichen Handbewegung und dem Satz kommentierte: „Du hast ja keine Ahnung.” Krause hatte Ahnung, Notthoff verwandelte, und Burdenski verschoss als letzter Schütze. Alemannia war weiter, Vize-Meister Werder draußen, eines der legendärsten Spiel auf dem alten Tivoli vorbei. Und Krause grinste den Bremer so breit an wie er wahrscheinlich nie mehr gegrinst hat.

Horst Krause hat vieler dieser Erinnerungen fest abgespeichert. Nicht alle so spektakulär, aber alle geprägt von einer innigen Beziehung zu dem alten Kasten, um den er sich seit zehn Jahren als Stadionwart inzwischen offiziell, aber nicht weniger innig kümmert. Er und sein Kollege Paul Claßen, seit Juli 2000 Platzwart und stellvertretender Hausmeister, kennen in dem Kultkasten jeden Stein und fast jeden Grashalm aus der direkten Berührung.

Und da wundert es nicht, wenn der 53-jährige Krause erzählt: „Letzte Woche, da war ich zum ersten Mal im neuen Stadion, und mir ist das Wasser in die Augen gestiegen.” Nicht weil er den neuen Tivoli nicht so toll fände („Das wird ein richtig geiles Ding”), sondern weil ihm angesichts der neuen, engen, steilen Ränge bewusst wurde, dass der Abschied näher rückt. Aber er und Claßen machen sich gegenseitig Mut, denn die U-23 wird den alten Tivoli noch nutzen, wenn wenige Meter weiter unten bereits der Ball rollt.

„16er”-Steine, Kiesel, feiner Boden, Lavasand - so wie Lafer, Lichter und Mälzer die Zutaten für ein schickes Menü auswendig kennen, so kann der 48-jährige Claßen die für ein grünes Geläuf der Extraklasse aufbeten. Genauso wie die Trilogie der Pflege: „Genug Licht, genug Luft und der richtige Dünger”. Diese Zutaten haben dafür gesorgt, dass der Tivoli-Rasen im Ranking des „kicker” zuletzt zwei Mal unter den besten Zehn in ganz Deutschland auftauchte.

Bei aller Wehmut, das vielleicht kongenialste Platzwart-Duo der 2. Bundesliga freut sich auf den neuen Tivoli, auf die „enorme Herausforderung”, die das Stadion auch bedeutet. Vieles wird neu sein, vieles größer und anders dimensioniert, technisch aus einer anderen Welt. Nur der Rasen wird wie bisher in der Wachstumsphase dreimal pro Woche gemäht werden, mit dem Handmäher. Zehn Kilometer ist der Laufweg lang, acht Stunden zieht der Platzwart seine Bahn übers Profifeld.

So müssen sich Krause & Claßen auf ein Abenteuer einlassen. Für den Stadionwart sind dabei Job und Privatleben ganz eng verwoben, denn die Krauses werden im neuen Spielort auch ihre Wohnung beziehen. Zurzeit sind sie in die Merowinger Straße ausquartiert, nachdem die alte Wohnung auf dem einstigen Jugendgelände weggebaggert werden musste.

„Eines Morgens kam ich dahin und da stand vom Kinderzimmer meiner Tochter nur noch eine gelbe Wand”, erzählt „Hausmeister Krause”. Dafür muss er ab Spätsommer eine ganze kuriose Gefahr abwehren: Wenn Rosi Krause ihren legendären Sauerbraten zubereitet, kann es sein, dass der Geruch die Fans anzieht. „Wir werden dann noch enger im Stadion leben. Und ich werde der letzte sein, der das Licht ausmacht.”

Noch gibt es Tickets für das Spiel gegen den FSV Frankfurt (Sonntag, 14 Uhr) für den Aachener und Würselener Wall sowie Restsitzplatzkarten. Die Frühkassen öffnen am Sonntag um 10 Uhr. Bis Freitag waren 18.000 Tickets unter die Fans gebracht. Der Besuch lohnt sich auch wegen des Pausenspiels: Im Elferschießen treten Simon Rolfes, Willi Landgraf, Erik Meijer und Stefan Blank gegen Jo Montanes, Stephan Lämmermann, Karlheinz Pflipsen und Günter Delzepich an. Insgesamt stehen diese Kicker für 1397 Alemannia-Zweitligaspiele.

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