Sicherheit und Zuwendung im Brennpunkt der Debatte

Von: Matthias Hinrichs
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Leidenschaftliche Debatte: Im dicht gefüllten Saal der Löwenstein-Kaserne wurde durchweg konstruktiv diskutiert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Was so mancher in Burtscheid in punkto Asyl befürchtet – im Hinblick auf die Zahl der Bürger, die sich beim Infoabend am Dienstag einfanden, trat es ruckzuck ein: Zumindest der Veranstaltungssaal der Leo-Löwenstein-Kaserne platzte fast aus den Nähten.

Mancher Nachzügler hatte Mühe, überhaupt ins Plenum vorzudringen. Mindestens 300 Bürger waren am Kornelimünsterweg erschienen, um zwei Stunden lang mit den Verantwortlichen von Stadt und Bundeswehr über die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Kasernengelände und dem Sportplatz an der Adenauerallee zu diskutieren – sehr leidenschaftlich, aber ebenso konstruktiv.

Spätestens bei der knapp anderthalbstündigen Fragerunde wurde indes klar, dass Skepsis und vielbeschworene Willkommenskultur inzwischen zuweilen Hand in Hand gehen, auch wenn das Applausbarometer den Befürwortern der Ansiedlung von voraussichtlich 450 Migranten an den beiden Standorten reichlich Rückenwind verhieß.

Fazit vorab: Von rigoroser Ablehnung kann in Burtscheid nach wie vor ganz offensichtlich keine Rede sein – im Gegenteil. Die Appelle der Vertreter des frisch gegründeten Netzwerks „Neue Nachbarn“, sich möglichst zahlreich für eine erfolgreiche Integration zu engagieren, wurden mit fast rauschendem Beifall bedacht.

Dennoch ernteten auch die Kritiker hörbare Zustimmung. Vertreter der Bürgerinitiative warfen dem OB vor, der Stadtteil werden heillos überfordert. Standort-Kommandant Ralf Lungershausen und OB Marcel Philipp traten wesentlichen Befürchtungen mit Nachdruck entgegen. Nein, es gebe schlichtweg keine „sicherheitsrelevanten“ Probleme durch Waffendepots oder ähnliches vor Ort, betonte der Oberst. Und nein, die Kriminalität sei im Zuge der Ansiedlung von inzwischen rund 3600 Migranten in der Stadt keineswegs gewachsen, versicherte der OB: „Es gibt keinen Grund, Angst zu haben.“

In jedem Fall sei rund um die Uhr ein Ansprechpartner vor Ort, 25 Hauptamtliche kümmerten sich um die Versorgung der Menschen in allen Facetten. Sozialamtsleiter Heinrich Emonts erklärte, dass der Anteil der alleinstehenden Männer in der Kaserne nicht über etwa 50 Prozent liegen werde. An der Adenauerallee würden ohnedies vornehmlich „besonders Schutzbedürftige“ wie Schwangere und Familien untergebracht. Die Kritik eines Vertreters der Bürgerinitiative, die Wohncontainer seien in miserablem Zustand, wies Vera Ferber vom Gebäudemanagement entschieden zurück. Auch ein Bürger, der von durchweg positiven Erfahrungen seiner studierenden Tochter mit den Behausungen aus den Niederlanden berichtete, erntete wärmsten Applaus.

Am Ende blieb die Erkenntnis: Nur mit Hilfe der Einheimischen könne ein gedeihliches Miteinander wachsen. Und so stieß auch der Schlussbeitrag von Richard Schmitt auf enorme Sympathie: Der 63-Jährige engagiert sich für 180 Flüchtlinge, die in der Forster Kaserne untergebracht sind. „Wir haben fast durchweg mit fantastischen Leuten zu tun. Es ist bislang nicht ansatzweise zu Problemen gekommen.“ Schmitt rief die Zuhörer auf, Kontakt mit den Zuzüglern zu suchen. „Ich kann sie nur in einer Beziehung warnen: Der Suchtfaktor ist groß. Sie werden nicht mehr aufhören wollen, sich für sie zu engagieren . . .“

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