Sicherheit bleibt beim Schulweg auf der Strecke

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
Gibt Sicherheit, fehlt aber au
Gibt Sicherheit, fehlt aber auf vielen Kinderköpfen: Der Fahrradhelm ist ebenso sinnvoll wie unbeliebt. Das hat der Auto Club Europa bei einer stichprobenartigen Untersuchung festgestellt. Foto: imago/blickwinkel

Aachen. Mit Sicherheit stimmt dieses Ergebnis nachdenklich. Nicht nur Mathias Fleu, den Vorsitzenden des Auto Club Europa (ACE) in der Region Aachen. Sein ACE hat in den vergangenen Wochen an acht weiterführenden Schulen in Aachen und der Städteregion den Zehn- bis 15-jährigen Radfahrern auf den Kopf geschaut.

Und nur in etwa jedem zweiten Fall einen Helm entdeckt. Ganz präzise: in 50,34 Prozent aller Fälle trugen die Kinder und Jugendlichen keinen Helm.

Die stichprobenartige Untersuchung ist Teil der bundesweiten Kampagne „Bike Heroes” (Fahrradhelden) des ACE, einer Art ehrenamtlichem ADAC. Bundesweit wurden 11 461 Schüler an 129 Schulen kontrolliert. Das Ergebnis mag nicht repräsentativ sein. Aber es zeigt eine klare Tendenz. Der ACE spricht gar von einer bitteren Erkenntnis. Junge Radfahrer lassen auf dem Schulweg ihren Helm allzu oft links liegen.

Denn das Aachener Ergebnis zählt noch zu den besseren. In Duisburg verzichteten 90,67 Prozent der gesichteten Kinder auf den Helm, In Nordrhein-Westfalen sind es 74,7 Prozent. Am sichersten sind die Schüler laut Untersuchung in Schleswig-Holstein unterwegs - hier haben nur acht Prozent der Schüler keinen Helm getragen. Aber es wurden auch nur drei Schulen ins Auge gefasst.

Der Wert weicht stark von denen der übrigen Bundesländer ab. Zweitbester ist Baden-Württemberg mit 50,4 Prozent. Und mit 14 geprüften Schulen ist dieser Wert deutlich aussagekräftiger. Fast gänzlich unbehütet sind die Kinder dagegen in Sachsen unterwegs. Dort haben 87,5 Prozent der Schüler auf den Helm verzichtet.

„Sprechen wir die Schüler darauf an, wird uns klar gesagt, dass der Helm uncool und peinlich sei”, berichtet Mathias Fleu aus Aachen. Andere nennen ihn „unbequem und lästig”. Fakt ist, dass es keine gesetzlich vorgeschriebene Helmpflicht in Deutschland gibt - auch nicht für Kinder.

Grundsätzlich drohen auch keine rechtlichen Folgen bei einem Unfall ohne Helm, wie der ACE-Vertrauensanwalt Rainer Handlos ausführt: „Wird ein Fahrradfahrer ohne Helm bei einem Verkehrsunfall verletzt, ist ihm nach der Rechtsprechung nur in Ausnahmefällen ein Mitverschulden am Umfang der Verletzungen anzulasten. Dies aber vor allem beim Radsport. Bei normalen Radfahrern bleibt das helmlose Fahren ohne Konsequenzen, auch wenn Kinder darin verwickelt sind.” Dennoch appelliert der ACE an das Sicherheitsverständnis der Kinder und ihrer Eltern.

Ein Problem sieht ACE-Pressesprecher Stefan Rakowski aber auch in der Verkehrssicherheitsarbeit. „Da gibt es zwischen der vierten und fünften Klasse einen Bruch. Während es in der Grundschule sehr viele Aktionen gibt, fehlen diese an den weiterführenden Schulen”, sagt er.

Deswegen habe sich die aktuelle Untersuchung eben auch auf weiterführende Schulen konzentriert, nachdem 2010 in Sachen Schulweg mit Grundschulen zusammengearbeitet wurde. Untersucht wurde dabei nicht nur der Helm auf dem Haupt, auch auf die sonstige Kleidung und den Zustand des Fahrrades wurde geachtet. Und auch hier sind die Ergebnisse bei den radelnden Schülern teilweise niederschmetternd.

45,66 Prozent der Aachener trugen am Untersuchungstag dunkle Kleidung. Landesweit sind es 53,6 Prozent, bundesweit 54 Prozent und in Duisburg - auch hier Schlusslicht - 88 Prozent. Bei 37,33 Prozent (landesweit 29,8 Prozent, bundesweit 26 Prozent) der Aachener Fahrräder fehlten Reflektoren an den Speichen. Bei 13,85 Prozent wurden in Aachen Mängel an der Vorderradbremse festgestellt. Und es gibt weitere Baustellen an den Aachener Fahrrädern.

Der ACE erwartet nun von den zuständigen Ministerien, dass sie dem Thema Verkehrssicherheit wieder mehr Aufmerksamkeit schenken. „Die einschlägigen Empfehlungen der Kultusministerkonferenz sind inzwischen 17 Jahre alt”, kritisiert Fleu. Und auch diese Tatsache stimmt nachdenklich.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert