„Shake-Out Day”: Erdbeben-Alarm im Einhard-Gymnasium

Von: Elke Silberer
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Erdbeben Aachen
Eine Schülerin sucht bei einer Erdbebenübung Schutz unter einem Tisch. Mehr als 400 Schüler des Einhard-Gymnasiums übten, wie sie sich bei einem Erdbeben richtig verhalten sollen. Foto: Oliver Berg/dpa

Aachen. Philosophieunterricht bei Herrn Daccour. Es ist 12 Uhr. „Achtung, Achtung das ist eine Durchsage zum ersten ‚German Shake-Out Day‘ “, tönt eine Stimme über Lautsprecher bis in den letzten Winkel des Aachener Einhard Gymnasiums. Spannung! „Was würdet Ihr tun, wenn es in 5,4,3,2,1 ein Erdbeben gibt.“

Es ist mucksmäuschenstill in der Klasse, wie wohl selten. Der Satz ist noch nicht fertig da tauchen die Zehnjährigen wie auf Kommando ab unter ihre Tische. Mit Händen und Armen über Kopf und Nacken gehen sie am Donnerstag bei der ersten Erdbebenübung in Deutschland in Deckung. Still, ernsthaft, es gibt kein Gekichere. Wie die 5a machen das noch rund 500 weitere Schüler in anderen Klassen.

Runter, Deckung, Warten bis das Beben vorbei ist – das haben Hunderte Schüler gerade in der Aula gelernt. Keiner von den zehnjährigen Jungs und Mädchen der 5a hat bisher ein Erdbeben erlebt – auch nicht das Roermond-Beben, von dem die Erwachsenen heute alle reden: Mit 5,9 das stärkste jemals mit Messinstrumenten registrierte Beben in Nordwesteuropa. Menschen reagierten mit Angst und Panik, hatte Sebastian Busch vom Geologischen Dienst NRW vor der Übung erzählt.

Panik hatte Schulleiter Ralf Gablik damals nicht: Aber dieses Gefühl, wenn das Haus schwankt! „Man weiß, es kann hier rappeln“, sagt er. Die Niederrheinische Bucht gehört zu den aktivsten Erdbebengebieten nördlich der Alpen. Es sei dann schon wichtig zu wissen, wie man sich im Ernstfall verhalten sollte.

Auf keinen Fall rauslaufen, wie Schüler aus der 10, das später machen werden. Sie waren bei dem Training vorher nicht dabei. „Die größte Gefahr in Deutschland bei einem Erdbeben ist nicht, dass das Haus einstürzt, sondern dass Mauerwerk, Dachziegel und Steine runterfallen“, erklärt RWTH-Geowissenschaftler Jochen Hürtgen den Schülern in der Aula. Die Geologen haben ein Jahr lang mit den Schülern in einem Projekt gearbeitet, haben kleine Tsunamis ausgelöst, Vulkankegel in der Eifel besucht, Gesteinsproben untersucht – und jetzt ist das Erdbeben dran.

Auch wenn Experten wie der Initiator des Projekts, Professor Klaus Reicherter, die Erdbebengefahr in Deutschland im globalen Vergleich als mäßig einstufen. Aber eine Stärke von knapp 7 sei in der niederrheinischen Bucht durchaus möglich. „Dieser Gefahr sollte man sich durchaus bewusst sein“, sagt Reicherter. Erdbeben gebe es eben nicht nur in Japan und Nepal. Weltweit hätten im vergangenen Jahr 22 Millionen Menschen an „Shake-Out Days“ teilgenommen, um sich im Ernstfall zu schützen.

Trainingseinheit in der Aula. Geologe Hürtgen beginnt den Countdown: „3,2,1“ – „Erdbeben“, schreien die Schüler mit ihm: Und Wissenschaftskollege Julian sackt auf die Knie – Hände und Arme über Kopf und Nacken – schiebt sich unter den Tisch und hält sich am Tischbein fest. Den jungen Schülern gehen die Fragen nicht aus: Was ist mit der Katze, mit Menschen im Rollstuhl, oder wenn man im Stau auf der Autobahn steht – oder kann man in der Nacht nicht einfach schnell unters Bett?

Laurin aus der 5a ist nach der Übung zufrieden mit seiner Klasse: „War doch ok“, sagt er bevor er sich seinen Ranzen schnappt. Angst vor einem Erdbeben? „Hat doch jeder“, sagt er möglichst cool.

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