Aachen - Sex, Saufen, Schläge: So kippt das Pontviertel

Sex, Saufen, Schläge: So kippt das Pontviertel

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Prügel statt Party: Im Pontviertel ist die Polizei regelmäßig im Einsatz - aber erst nachdem sich Nachtschwärmer, Betrunkene oder Randalierer auf offener Straße daneben benommen haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Trinkgelage, Schlägereien, öffentliche Unzucht - der Ruf des Pontviertels geht den Bach runter und die Anwohner gehen auf die Barrikaden. Deswegen berät der Hauptausschuss am Mittwoch, 7. Juli, über ein „Ordnungspolitisches Handlungskonzept Pontstraße”.

Die Bestandsaufnahme der Stadtverwaltung für die Partymeile liest sich dramatisch: „Starke Lärmbelästigungen durch zum Teil erheblich alkoholisierte Personen bis 3 und 5 Uhr morgens, Herabsetzen der Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft, häufig beeinflusst durch Alkoholmissbrauch, wildes Urinieren und Erbrechen auf dem Kirchengrundstück und in private Hauseingänge (nicht selten öffnete gerade ein Hausbewohner die Haustüre, weil er das Haus verlassen wollte), Hinterlassen beziehungsweise rücksichtsloses Entsorgen von Speiseresten, Speiseverpackungsabfällen, Flaschen, zersplittertes Glas.”

Beschrieben werden zudem: „Öffentlich unerwünschte sexuelle Handlungen auf dem Parkplatz in der Nähe des ehemaligen Bunkers, in den Grünanlagen des Ponttors oder am Veltmanplatz.”

Betroffen seien Pontstraße und angrenzende Straßen - wie Kreuzherrenstraße, Saarstraße, Friesenstraße und Marienbongard. Dieser „negativen Entwicklung muss Einhalt geboten werden”, heißt es. Die Auswirkungen seien „kaum noch hinnehmbar”.

Als Gründe für die desolate Situation nennt die Verwaltung die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten seit 2008. Seitdem sei billiger Alkohol in Imbissbuden und Kiosken rund um die Uhr verfügbar. Auch Gastronomen, die „Cocktails to go” im Straßenverkauf verschleudern, seien mitverantwortlich.

Gleichwohl sind ein „Alkoholkonsum- und -mitführverbot” oder Verkaufseinschränkungen nach Einschätzung der Stadt rechtlich kaum durchsetzbar. Auch der von der grünen Ratsfraktion beantragten „Ordnungspartnerschaft” zwischen Polizei und Ordnungsamt - etwa analog zur Drogenszene am Kaiserplatz und nun erweitert um den „Runden Tisch” mit Anwohnern und Gastronomen - erteilt man eine Absage.

Die zwingenden rechtlichen Voraussetzungen dafür seien nicht gegeben, heißt es. „Für den Bereich des Pontviertels wäre eine Umbenennung des Runden Tisches lediglich eine andere Etikettierung ohne formelle Wirkung”, steht in der Vorlage für die Kommunalpolitiker.

Empfohlen wird deshalb nur eine Fortführung des „Runden Tisches” - als „informelle Ordnungspartnerschaft”. Davon könnten dann Einsatzkräfte des Ordnungsamtes strategisch profitieren, die im Pontviertel erheblich mehr Präsenz zeigen sollen.

Doch das Ordnungspersonal wartet weiter auf Verstärkung. Von acht neuen Stellen werden erst vier zum 1. August besetzt. Vier weitere Außendienstler werden noch gesucht. Die Polizei hingegen sei im Regelfall kaum präventiv im Pontviertel aktiv, stellt die Verwaltung fest: „Durch die Nachrangigkeit der Polizeieinsätze gegenüber der städtischen Zuständigkeit erfolgten oftmals deren Einsätze lediglich im Straftatbereich.”

Will sagen: Vorher müssten andere für Ordnung sorgen.
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